Ramadan -

Arbeitsalltag Welche Auswirkungen hat Ramadan auf verschiedene Gewerke

Wenn muslimische Mitarbeiter den Fastenmonat Ramadan praktizieren wollen – welche Auswikungen hat das auf die Gewerke. Wer tut sich leichter, wer schwerer? Und was können Sie als Unternehmer innerbetrieblich zur Vorbereitung tun? handwerk magazin gibt einen Überblick.

Themenseiten: TS Ramadan und TS Flüchtlinge

In diesem Jahr beginnt der muslimische Fastenmonat Ramadan am 27. Mai und endet mit dem 25. Juni. Unternehmen mit muslimischen Mitarbeitern sollten frühzeitig Regelungen finden, damit streng fastende Mitarbeiter in den betreffenden Wochen nicht in Funktionen zum Einsatz kommen, in denen eine mögliche physische oder psychische Beeinträchtigung zum Sicherheitsrisiko und zu einer erhöhten Unfallgefahr werden kann.

Denn besonders zu Beginn des Ramadans kann das Fasten zu Kreislaufproblemen, Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten führen und die persönliche Leistungsfähigkeit beeinflussen – speziell in den Sommermonaten, wenn die Tage lang sind.

Gebäuderreiniger-Handwerk besonders betroffen

Zu den Berufen mit den höchsten absoluten Zahlen an ausländischen Auszubildenden gehören aktuell Kraftfahrzeugmechatroniker/innen, Friseur/innen, Elektroniker/innen und Anlagenmechaniker/innen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Zu den Berufen mit den höchsten prozentualen Anteilen gehören Friseur/innen, Bäcker/innen, Fahrzeuglackiererinnen und Verkäufer/innen im Lebensmittelhandwerk. Und die Gebäudereiniger-Innung spricht von rund 40 Prozent Mitarbeitern mit Migrationshintergrund.

Welche Gewerke tun sich leichter oder schwerer im Ramadan?

Gewerk Erleichternde Faktoren Erschwerende Faktoren
Maler/in und Lackierer/in, Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Abhängig vom Ort des Arbeitseinsatzes sind entlastende Pausen möglich und in größeren Betrieben kann die Arbeitsverteilung angepasst werden Abhängig vom Ort des Arbeitseinsatzes können Kundenkontakt oder anspruchsvolle Arbeiten schwieriger empfunden werden
Maurer/in, Baugewerke allgemein Kolonnen und Arbeitseinteilung sind organisierbar Die körperlich sehr anstrengende Arbeit findet in staubigen Räumen oder im Freien statt, was Flüssigkeitsentzug bedeutender macht; der Einsatz in sicherheitsrelevanten Bereichen bringt Risiken mit sich. Entlastende Pausen sind auf Baustellen schwer möglich.
Bäcker/in, Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk Durch nächtliche Arbeitszeiten wenig bis keine Probleme; in größeren Betrieben Schicht-Tausch mit nicht-fastenden Kollegen Schichten möglich für das abendliche Fastenbrechen mit der Familie; entlastende Pausen sind möglich In Schichten, die ausschließlich im Bereich des Tages liegen, kann die dauerhafte Konfrontation mit Essen schwierig empfunden werden.
Kraftfahrzeugmechatroniker/in, Fahrzeuglackierer/in, Elektroniker/in, Metallbauer/in In größeren Werkstätten ist angepasste Arbeitsverteilung möglich; entlastende Pausen in der Werkstatt sind leichter möglich als auf der Baustelle Anspruchsvolle Abläufe können bei mangelnder Konzentration schwieriger empfunden werden
Friseur/in, (Änderungs- und Maß-) Schneider/in Körperlich weniger belastend, entlastende Pausen sind möglich Kundenkontakte können bei innerer Einkehr oder Gereiztheit schwieriger empfunden werden
Gebäudereiniger Kolonnen und Arbeitseinteilung sind organisierbar, Schichtarbeit ermöglicht, die Arbeitszeiten an die individuellen Bedürfnisse anzupassen Die körperlich anstrengende Arbeit steht oft mit sicherheitsrelevanten Geräten und Chemikalien in Zusammenhang, was bei Konzentrationsschwäche Risiken mit sich bringt. Entlastende Pausen sind vor Ort oft nicht leicht möglichen.

Wie Sie Betrieb und Mitarbeiter rechtzeitig auf Ramdan vorbereiten

Betriebe mit muslimischen Mitarbeitern, die an Ramadan fasten möchten, können sich darauf vorbereiten. Ziel ist es, Sicherheitsrisiken zu minimieren und allen Mitarbeitern gerecht zu werden. So lässt sich Motivation steigern und der Krankenstand senken – und Ramadan wird zu einem gestaltenden Werkzeug der Mitarbeiterführung.

Maßnahmen zum Jahreswechsel

  • Fragen Sie Ihre Mitarbeiter, wer voraussichtlich Ramadan praktizieren wird. Gibt es ältere Fastende im Betrieb, bringen Sie diese mit den jüngeren zusammen, sodass Erfahrungen ausgetauscht werden können. Erkundigen Sie sich bei Mitarbeitern, deren Reaktion auf das Fasten sie nicht gut einschätzen können, wie viel Erfahrung sie haben – Übung ist oft ein wichtiger Faktor darin, wie stark die individuelle Leistungsfähigkeit beeinträchtigt ist.
  • Besprechen Sie mit praktizierenden Mitarbeitern, ob sie einen Teil ihres Urlaubs in diesem Zeitraum nehmen wollen. Lassen sie sich auf Verhandlungen ein, mit Krankschreibung und Unzufriedenheit ist niemandem gedient. Bieten Sie wenn möglich auch unbezahlten Urlaub an.
  • Weisen Sie Ihre Mitarbeiter darauf hin, dass die drei Tage Fest am Ende des Ramadans in Deutschland keine gesetzlichen Feiertage sind, sie sich also gegebenenfalls Urlaub nehmen müssen.

Maßnahmen im Monat vor Beginn des Ramadans

  • Prüfen Sie Versetzungsmöglichkeiten, dazu sind Sie gesetzlich verpflichtet. Besonders sicherheitsrelevante Arbeitsbereiche sollten ausgespart werden - also zum Beispiel von der Hebebühne weg zum Bus fahren. Beziehen Sie Vorgesetzte und Ausbilder mit ein, gegebenenfalls auch Betriebsrat und Betriebsarzt.
  • Verständigen Sie sich mit dem Fastenden: Ramadan ist für manche Fastende mindestens so selbstverständlich wie für Sie Weihnachten. Eine Ablehnung kann als eine Ablehnung der Person empfunden werden. Zeigen Sie entsprechend Akzeptanz und Respekt - Mitleid dagegen ist fehl am Platz, es ist eine freiwillige Leistung. Erklären Sie, dass Sie Verständnis haben und versuchen, seinen Bedürfnissen entgegenzukomme, aber dass „der Betrieb laufen muss“.
  • Arbeitet das Unternehmen in Schichten, versuchen Sie frühzeitig die Schichten nach den Bedürfnissen der Fastenden zu besetzen. Speziell das abendliche Essen im Kreis der Familie sollte wenn möglich berücksichtigt werden.  

Maßnahmen ca. zwei Wochen vor Ramadan

  • Beziehen Sie die Belegschaft und vor allem die direkten Kollegen bzw. die Kolonne mit ein. Manchmal kann es gut sein, die Haltung des Unternehmens zum Sachverhalt deutlich zu machen. Falls nötig, erklären Sie, was Ramadan im Islam bedeutet, setzen Sie für Verständnis ein, vergleichen Sie mit bekannten Bedürfnissen. So ist das Zuckerfest zum Beispiel vergleichbar mit Weihnachten. Je offener und persönlicher gesprochen wird, desto besser ziehen alle mit und sind z.B. eher für Vertretungspläne zu haben.
  • Im Sinne der Gleichbehandlung und um keine Unmut aufkommen zu lassen, sollte die Flexibilität, die das Unternehmen den fastenden Mitarbeiter anbietet, bei Bedarf möglichst jedem Mitarbeiter zu Gute kommen.

Maßnahmen während des Ramadans

  • Erkundigen Sie sich bei Fastenden, Vorgesetzten und Kollegen, wie es läuft. Bessern Sie bei Bedarf Ihre Maßnahmen nach.
  • Wenn Sie erkennen, dass Ihr Mitarbeiter offensichtlich überfordert ist und Sie können ihm keine weitere Entlastung zum Beispiel durch angepasste Arbeitseinteilung bieten, fordern Sie ihn auf, das Fasten zu unterbrechen, damit weder das Unternehmen noch der Mitarbeiter Schaden nimmt. Der Koran sieht für solche Situationen Fastenersatzleistungen vor.
© handwerk-magazin.de 2017 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen