Wareneinsatzquote Materialaufwand: Dem Ausschuss auf der Spur

Die Kennzahl Materialaufwand informiert über die Effizienz des Waren- und Materialeinsatzes. Sie gibt als Prozentzahl ausgedrückt darüber Auskunft, wie viel Waren oder Material benötigt wurde, um den erzielten Umsatz zu erwirtschaften. Ein im Branchenvergleich hoher Wert kann ein Indiz für zu viel Ausschuss oder Diebstahl sein.

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Was sagt die Kennzahl aus?

Der Materialaufwand – alternativ auch Materialintensität oder Wareneinsatzquote genannt – beschreibt, wie viel Material eingese tzt wurde, um den erzielten Umsatz zu erwirtschaften. Die jeweilige Höhe hängt von der Art des Betriebs und der Branche ab. Bei produzierenden Betrieben ist der Materialaufwand – absolut und im Verhältnis zur Gesamtleistung – höher als bei Dienstleistungsbetrieben. Insgesamt nimmt die Quote vom produzierenden Gewerbe über den Handel bis hin zu den Dienstleistungsbetrieben ab. Voraussetzung für die Aussagekraft der Wareneinsatzquote ist, dass zeitnah die Bestandsveränderungen erfasst, Rechnungen geschrieben und beides verbucht wird.

Die Formel

Materialaufwandsquote = Materialaufwand* x 100 ./. Umsatz

* Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie bezogene Waren

Wie beeinflusst der Materialaufwand die Zukunftsfähigkeit?

Je mehr ein Unternehmen für die Beschaffung der Materialien im Verhältnis zum Umsatz aufwenden muss, desto weniger Spielraum bleibt zur Deckung der weiteren betrieblichen Kosten übrig. Insofern beeinflusst die Quote unmittelbar das Betriebsergebnis und die Rentabilität. Um negative Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen, sollte der Unternehmer die Entwicklung der Quote regelmäßig überprüfen und die Ursachen für Abweichungen – dies gilt insbesondere für Verschlechterungen – hinterfragen. Ob das Niveau insgesamt passt, lässt sich im Rahmen der in vielen Branchen durchgeführten Betriebsvergleiche feststellen.

Welche Stellschrauben hat der Unternehmer?

Um die Gründe für eine im Branchenvergleich zu hohe Quote aufzudecken, muss der Unternehmer folgende Fragen prüfen:

  • Gibt es im Vergleich zu den Wettbewerbern mehr Verschnitt oder Ausschuss?
  • Wurden etwaige Preissteigerungen im Einkauf in die Verkaufspreise eingerechnet?
  • Sind Diebstahl und Schwund im Betrieb ein Thema?

Auch eine inzwischen veraltete technische Ausrüstung sowie eine ungenügende Rechnungskontrolle können die Quote nach oben treiben. Den größten Hebel zur Verbesserung bietet der Einkauf: Wer vor allem bei den Standardmaterialien geschickt verhandelt, kann schnelle Erfolge erzielen.

Beispielwerte aus dem Handwerk

Die folgenden Zahlen sind Richtgrößen, je nach Struktur und Ausrichtung des Betriebs können die tatsächlichen Werte abweichen.

Branche Materialquote
Fleischer 48 %
Sanitär Heizung Klima 39 %
Elektro 36 %
Tischler 35 %
Dachdecker 32 %
Metall 30 %
Hochbau 28 %
Fliesenleger 27 %
Feinwerkmechanik 24 %
Maler 20 %
Friseur 11 %

Quelle: Zahlwerk.eu/LGH Betriebsvergleiche

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