Factoring -

Wachstum ohne Kredit finanzieren

Factoring | Ihre Liquidität können Unternehmer auch ohne Kredit stärken. Factoring ist für Handwerksbetriebe mittlerweile eine interessante und bezahlbare Finanzierungsalternative.

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Langes Warten zehrt – am Eigenkapital, der Liquidität und an den Nerven. Von Krediten und den hierfür fälligen zwölf Prozent Zinsen hatte Ingo Hartmann, Inhaber der Hartmann Elektrotechnik GmbH in Hannover, die Nase voll. Vor der Pleite stand er nicht, aber unter Druck. Das Geld von Kunden wie dem Hochbauamt kam erst nach neun, von einer Universität sogar erst nach zwölf Monaten.

Vor fünf Jahren verkaufte er die offenen Forderungen an einen auf Mittelständler spezialisierten Factor – gegen drei Prozent Grundgebühr plus drei Prozent Ausfallversicherung von der gekauften Forderungssumme. Rechnungen wurden fortan morgens fakturiert und abends gesammelt in eine Excel-Datei getippt und an den Factor geschickt. Der schickte am nächsten Tag die Bestätigung: gekauft. Am übernächsten Tag waren stets 70 Prozent der Summe auf dem Konto. „Wir brauchten keine Rechtsberatung und keinen Anwalt mehr“, sagt Hartmann. An den Factor überwiesen die Kunden auch zügiger. Doch wegen der damals anhaltend schlechten Konjunktur wollte die Factoringgesellschaft 2005 nur noch 50 Prozent sofort erstatten. Da stieg Hartmann aus. Auch so hatte sich die finanzielle Situation für sein Unternehmen bereits deutlich verbessert. „Wir haben heute ein schnelleres und effektiveres Rechnungswesen“, freut er sich.

Lange Zeit haftete Factoring-Kunden wegen der Finanzspritze in Hochgeschwindigkeit der Ruf der baldigen Pleite an. Heute gilt das Instrument vor allem als intelligente Art, Löcher zu stopfen oder trotz Außenständen Wachstum zu finanzieren – gerade bei langen Zahlungszielen und großen Summen.

Factoring ist einfach: Das Handwerksunternehmen schließt mit einer Factoringgesellschaft einen Rahmenvertrag über den Verkauf seiner Forderungen ab. Seine Bonität und die seiner Kunden wird vor dem Forderungsverkauf geprüft, beim Kunden meist ab einer Rechnungshöhe von 1000 Euro. Ist alles in Ordnung, überweist der Factor meist 60 bis 80 Prozent der Summe sofort nach Ausstellen der Rechnung. Wie ein Kredit verschafft Factoring dem Unternehmen Liquidität. „In der Regel sogar weit mehr, da die Forderungen höher bewertet werden, als bei Krediten üblich“, weiß Norbert Winkeljohann, Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich Mittelstand beim Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers. Außerdem verbessert es die Eigenkapitalsituation der Unternehmen, damit deren Rating und auch die Finanzierungsbedingungen. Umso mehr, wenn Unternehmen auch das Ausfallrisiko an den Factor abtreten.

Interesse wächst

Bei der dünnen Eigenkapitalausstattung und den durch Basel II gestiegenen Kreditkonditionen wundert es nicht, dass das Interesse auch kleiner und mittelständischer Unternehmen am Factoring seit Jahren ungebrochen wächst. „Factoring ist sinnvoll, wenn Kunden im Schnitt erst nach mehr als 40 Tagen zahlen“, sagt Simon Dahms, Experte für Mittelstandsfinanzierung am Lehrstuhl Controlling der Universität Münster. Wenn Unternehmen erst nach über zwölf Tagen selbst die Rechnungen zahlen und ihnen regelmäßig Skonti entgehen, spricht das ebenfalls dafür. Auch wenn die Liquidität weniger als 25 Prozent vom Branchendurchschnitt beträgt und die Verbindlichkeiten deutlich mehr als der Schnitt, lohnt es sich.

„Verglichen mit den Kosten von Kontokorrentkrediten, Private Equity oder stillen Beteiligungen sind die Kosten für Factoring akzeptabel“, findet Winkeljohann. Zumal keine Gebühr allein für die Bereitstellung einer Kreditlinie anfällt, wie beim Kontokorrentkredit üblich. Zwischen 0,1 und fünf Prozent vom Factoringumsatz betragen die Gebühren – je nach Risiko und Aufwand. Für kleine und mittelständische Unternehmen ist es meist teuer. „Handwerksunternehmen mit gewerblichen Kunden können Factoring genauso in Anspruch nehmen, wie alle anderen Mittelständler auch“, ermutigen Experten.

Midia Nuri

cornelia.hefer@handwerk-magazin.de

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