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Förderprogramme Von den ­Fördertöpfen 2017 profitieren

Bund und Länder unterstützen Handwerksunternehmer 2017 wieder mit attraktiven Förderprogrammen. Welche Angebote gerade für Handwerker Sinn machen und welche Vorteile sie trotz Niedrigzinsphase bieten.

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Modernisierung der Produktion und Umrüstung auf eine intelligente Kühlung standen für Bäckermeister Klaus Worzer im April 2016 auf dem Programm. Der Unternehmer wollte dabei nicht nur seine Kühlung erneuern, den alten Backofen gegen einen italienischen Steinbackofen von „Mondial al Forni“ austauschen, sondern er hatte auch die hohen Energiekosten im Blick. „Die modernen Anlagen versprachen einen deutlich geringeren Energieverbrauch für unseren Betrieb“, erklärt der Handwerksunternehmer, der einen Kleinbetrieb mit 18 Mitarbeitern und angeschlossenem Café im Nürnberger Land in Schwarzenbruck führt.

Planbare Investitionen

Als der Plan für die Modernisierung stand, vereinbarte Klaus Worzer den ersten Informationstermin mit seinem Steuerberater, der mit ihm die anstehende Investition durchrechnete. Danach arbeitete der Unternehmer den Antrag auf Fördergelder mit seinem Firmenkundenberater bei der Sparkasse Nürnberg für die bayerische Landesförderbank LfA in München aus. Die Hausbank informierte ihn über Konditionen und mögliche Laufzeiten. Außerdem brauchte er die entsprechenden Hersteller-Nachweise für die Förderbank, dass die Modernisierung sich rechnet beziehungsweise die Energiekosten für den Handwerksbetrieb in Zukunft deutlich sinken.

Für Worzer liegen die Vorteile, die für Fördermittel sprechen, trotz Niedrigzinsen und attraktiver Konditionen für Finanzierungen auf der Hand. „Für die Laufzeit von zehn Jahren habe ich jetzt einen festen Zinssatz. Die Konditionen sind gut, und durch die langfristige Zinsbindung kann ich jetzt die Kosten über Jahre für den Betrieb kalkulieren. Das gibt mir zusätzliche Planungssicherheit“, erläutert Worzer. Außerdem rechnet sich die Investition in moderne Anlagen für den Unternehmer. „Wir sparen jetzt 20 Prozent der Energiekosten im Betrieb – und das jeden Monat“, rechnet der Bäckermeister vor.

Wie Klaus Worzer profitieren viele Handwerksunternehmer von zahlreichen ausgestalteten Förderprogrammen. Auch 2017 gibt es staatlich geförderte Kredite des Bundes und der Länder für Investitionen in Expansion oder Modernisierung, Sanierungen, Maßnahmen zur Energieeffizienz, Nachfolge und Entwicklung.

Volle Fördertöpfe

Allein die KfW Bankengruppe vergab 2016 Fördergelder in Höhe von insgesamt 21,4 Milliarden Euro an deutsche Unternehmen. Das Neugeschäft der KfW lag damit rund eine Milliarde Euro über dem Vorjahresniveau. Das zeigt, dass Fördermittel auch im Niedrigzinsumfeld durchaus ihre Berechtigung haben und von den Unternehmen nachgefragt werden.

Förderschwerpunkt der KfW bleibt der Bereich „Umwelt und Energie“ mit einem Volumen von 10,7 Milliarden Euro 2016 (2015: 9,3 Milliarden Euro). Wesentlich dazu beigetragen habe das 2015 neu aufgestellte und verbesserte Energieeffizienzprogramm, betont die KfW. Die allgemeine Unternehmens- und Gründungsfinanzierung blieb mit 10,1 Milliarden Euro dagegen auf Vorjahresniveau.

Eine aktuelle Trendstudie von Eon unterstreicht die KfW-Auswertung und zeigt, dass ein Großteil der Unternehmen das Thema Energiesparen ernst nimmt. Rund 75 Prozent der befragten Geschäftsführer gaben an, dass sie in den vergangenen drei Jahren in den Klimaschutz investiert haben. Wichtigste Maßnahmen für jede zweite Firma der Eon-Trendstudie waren die Sanierung von Heizungen und der Einbau effizienterer Beleuchtungen. Gut jedes dritte Unternehmen, 38 Prozent, optimierte seine Produktionsprozesse. 36 Prozent der befragten Firmen dämmten ihre Betriebsgebäude.

Energieeffizienzförderung steigt

Ein Trend, den auch die LfA, Förderbank Bayern mit Sitz in München, bestätigt. „Die Förderprogramme, die Investitionen in energieeffiziente Maßnahmen für Unternehmen unterstützen, wurden in den vergangenen Jahren ausgebaut und verbessert“, sagt Ralf Heisig, Kreditspezialist für Fördermittel bei der LfA. „Gerade im Handwerk ist die Bereitschaft, unter energetischen Aspekten zu investieren, geübte Praxis.

Unternehmer haben hier ihre Kosten und den Wettbewerb genau im Blick“, so der Experte. In Bayern seien gerade die Nahrungsmittelgewerke wie Bäcker, Metzger und Bierbrauer als „energielastige Gewerke“ ganz vorne dabei. „Die gute Konjunkturlage ermöglicht Handwerksbetrieben energieeffiziente Erweiterungsinvestitionen sowie Modernisierungen. Das ist derzeit ein Riesen-Thema“, bestätigt Hartmut Drexel, Hauptabteilungsleiter Betriebsberatung bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Heisig zieht aber eine klare Trennung zwischen Investitionen in Steigerung der Energieeffizienz und Investitionen in den Umweltschutz. Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz seien „klare Einspareffekte, die Unternehmer am Zähler konkret ablesen können“. Investitionen in den Umweltschutz „schonen dagegen Luft, Böden, verringern die Lärmbelästigung und verbessern so die Lebensqualität von Mensch und Tier“, unterstreicht der Kreditspezialist der LfA. An dieser Definition richteten sich auch die jeweiligen Förderangebote für Umwelt und Energie aus.

Handwerksunternehmern, die in diesem Jahr energieeffiziente Maßnahmen im Betrieb umsetzen, empfiehlt Heisig: „Handwerker sollten zuerst Informationen einholen, sich dann beraten lassen, die Förderung beantragen und erst dann ihr Projekt in die Tat umsetzen.“ Erste Anlaufstelle für Unternehmer seien hier die regionalen Handwerkskammern, „die sich mit den Anforderungen der verschiedenen Gewerke und der passenden Förderung sehr gut auskennen“.

Unterstützung vom HWK-Berater

Die Betriebsberater der Handwerkskammern ermitteln gemeinsam mit dem Unternehmer passende Fördermittel. Sie prüfen die notwendigen Sicherheiten für den Förderkredit, stellen eine Kapitalberechnung auf und wägen ab, ob vielleicht die Kombination mit anderen Fördermittel wie die Zusammenarbeit mit der regionalen Bürgschaftsbank Sinn für den Betrieb macht.

„Die Investition muss sich für den Unternehmer rechnen und ein externer Berater wie ein Vertreter der Handwerkskammer sollte dann mit spitzer Feder nachrechnen. Das hilft dem Unternehmer auch im Bankgespräch. Denn oft hat er bei der Hausbank nur einen Versuch, sein Projekt erfolgreich zu präsentieren“, erklärt Drexel von der Handwerkskammer München. Sein Rat: „Handwerker sollten alle wichtigen Kennzahlen und ihren Finanzplan für die Beratung in der Handwerkskammer schon mal zusammenstellen. Wir helfen dann beim Feinschliff des Businessplans für die Hausbank.“

Checkliste Fördergelder: Wie der erfolgreiche Antrag funktioniert

Vor dem Antrag auf Fördergelder für ein geplantes Projekt sollte der Handwerksunternehmer bestimmte Fragen mit seiner Hausbank abklären.

1. Von Förderprogrammen mehrfach profitieren?

Unternehmer haben die Möglichkeit, für verschiedene Projekte unterschiedliche Förderungen zu erhalten. Auch wer als Gründer schon einmal gescheitert ist, hat noch eine zweite Chance. Wichtig ist, dass die Bank oder Sparkasse von der Tragfähigkeit des Vorhabens überzeugt ist.

2. Mehrere Förderquellen für ein Projekt nutzen?

Verschiedene Geldquellen lassen sich oft kombinieren. Die Förderhöchstgrenzen sind allerdings einzuhalten. Einzelheiten finden Sie jeweils auf den Internet-Seiten der Förderinstitute wie: kfw.de oder bafa.de oder auch foerderdatenbank.de.

3. Wann ist der richtige Moment, um einen Antrag zu stellen?

Der erste Ansprechpartner ist die Hausbank, bevor das Projekt realisiert wird. Sie kann sogar in vielen Fällen unterstützen, wenn der Unternehmer selbst den Antrag stellen muss.

4. Wer unterstützt bei der qualifizierten Planung?

Handwerkskammern, Verbände, Steuer- oder Unternehmensberater sollten den Businessplan vorab kritisch prüfen. Existenzgründer sowie kleine und mittlere Unternehmen erhalten dafür Zuschüsse über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (bafa.de).

5. Welche Unterlagen sollte der Chef für den Antrag vorbereiten?

Das hängt vom gewählten Programm ab. Wichtig sind der Jahresabschluss sowie aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertungen (falls der Abschluss oder die Einnahmenüberschussrechnung älter als sechs Monate sind). Außerdem sollte der Unternehmer noch eine Vermögens-, Ertrags- und Liquiditätsplanung für die nächsten drei Jahre erstellen.

6. Welche Nachweise muss der Unternehmer erbringen?

Bei Investitionen etwa in die Energieeffizienz des Unternehmens muss der Handwerkschef der Hausbank später die Belege für die Mittelverwendung vorlegen (KfW). Die LfA benötigt Hersteller-Nachweise über die Höhe der Energieeinsparung.


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