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Creative Commons und Open Educational Resources So nutzen Sie offen lizenzierte Inhalte

Ob Bilder, Grafiken, Text oder Musik: im Internet finden sich über entsprechende Suchmaschinen und Plattformen "offen" lizenzierte Inhalte. Diese dürfen kostenlos genutzt werden. Auch eine Bearbeitung, Weiterentwicklung und Verbreitung ist möglich. Handelt es sich dabei um didaktisierte Inhalte, spricht man von Open Educational Resources (OER). Hier ein paar Tipps, wie Sie von offen lizenzierten Inhalten für Ihren Betrieb und Ihre Azubis profitieren können.

Themenseiten: TS Ausbildung und TS Urheberrecht

Grundsätzlich schränkt das Urheberrecht die Nutzung von persönlichen geistigen Schöpfungen (Werken) Dritter ein. Durch sogenannte „offene“ Lizenzen können Dritten aber umfangreiche Nutzungsrechte eingeräumt werden. Bei offen lizenzierten Inhalten haben sich die Lizenzmodelle der Creative Commons (CC-Lizenzen) durchgesetzt. Auch offene Bildungsmaterialien sind an das Urheberrecht gebunden. Ihre Art der Lizensierung erlaubt es aber, dass die Lehr- und Lernmaterialien mit anderen geteilt und weiterentwickelt werden können. Die jeweiligen Lizenzbestimmungen müssen jedoch eingehalten werden.

Was erlauben die einzelnen CC-Lizenzen?

Nicht alle CC-Lizenzen entsprechen dem Konzept der offenen Bildungsmaterialien, denn diese sollten ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen lizensiert sein. Was die einzelnen Lizenzen erlauben und was nicht, veranschaulicht die Grafik:

Creative Commons Lizenzen

Wo finden sich offen lizenzierte Inhalte?

Über Suchmaschinen wie Google können offen lizenzierte Inhalte gefunden werden, indem über Einstellungen in der erweiterten Suche die gewünschten Nutzungsrechte gewählt werden. Auch über flickr kann nach der Wiedergabe von Sucheinträgen über die erweiterte Suche gezielt nach Fotos mit gewünschten Nutzungsrechten gesucht werden. Auf Pixabay werden offen lizensierte Bilder und Videos mit anderen geteilt. Alle Inhalte werden unter der CC-Lizenz „0“ veröffentlicht, was eine Verwendung selbst für kommerzielle Zwecke ermöglicht. Eine Quellenangabe ist hier freiwillig. Youtube bietet nach der Wiedergabe von Sucheinträgen über den Filter Eigenschaften die Suche z. B. nach Tutorials unter CC-Lizenz an. Einen zentraleren Zugriff auf offen lizenzierte Inhalte weiterer Portale und Suchmaschinenbietet CC-Search.

Wo finde ich branchenspezifische Bildungsmaterialien?

Leider gibt es bisher nur wenige branchenspezifische Medien unter einer offenen Lizenz. Elexier, die Meta-Suchmaschine für Bildungsmedien des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), bietet über die Angebote des Deutschen Bildungsservers, einzelner Landesbildungsserver sowie weiterer Plattformen eine Suche nach offenen Bildungsmaterialien an. Für die berufliche Bildung finden sich hier z. B. Materialien für Fächer wie Holz-, Metall- oder Textiltechnik.

Das Dachdeckerwiki liefert umfassende Informationen aus dem Bereich des Unterrichtsfaches Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik. Es orientiert sich dabei am Lehrplan des Landes NRW für die Dachdecker.

Was sind die Vorteile von offenen Bildungsmaterialien für die Berufsschulen?

Offene Bildungsmaterialien können die Anwendung integrierter Lernmethoden wie dem Flipped-Classroom-Szenarium für standardisierte Lehrinhalte unterstützen. Beim Flipped-Classroom (Umgedrehter Unterricht) werden Lerninhalte durch Tutorials zu Hause von den Schülerinnen und Schülern erarbeitet, was unter anderem mehr Raum für die Anwendung in der Schule bietet. Auch die individuelle Vorbereitung jedes einzelnen Schülers kann dadurch gefördert werden. Nicht alle Schülerinnen und Schüler haben das Selbstvertrauen vermitteltes Wissen direkt zu hinterfragen. In der Vorbereitung können sie entsprechende Videostellen beliebig wiederholen, Fragen formulieren und nach zusätzlichem Material recherchieren. Lerngruppen sind gerade in der beruflichen Bildung häufig sehr heterogen. Dies erfordert eine Binnendifferenzierung und Individualisierung durch den Lehrenden, was viel Zeit und Engagement in Anspruch nimmt. Das Prinzip der offenen Bildungsmaterialien baut auf der Anpassung bereits bestehenden Materials und der weiteren Nutzung durch Dritte auf. Dabei teilen Lehrende ihre selbst erstellten oder angepassten Materialien mit Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel über Online-Plattformen. Dies führt zu einer gegenseitigen Bereicherung. Insbesondere für Fachdidaktiker unterschiedlichster Fachrichtungen, die in ihrem eigenen Kollegium nicht den entsprechenden Austausch finden, können sich hier durch einen erweiterten Austausch neue Möglichkeiten ergeben.

Bei offenen Bildungsmaterialien dürfen unterschiedliche Quellen miteinander verknüpft werden. So können sie den Selbstlernprozess der Lernenden durch die eigenständige Erarbeitung und Verarbeitung von Lerninhalten fördern. Die Erstellung von Wiki-Beiträgen kann zum Beispiel die Reproduktion und Restrukturierung von Erlerntem unterstützen. Bei der Suche nach zusätzlichem Material oder etwa der Angabe von Quellen muss der Lernende zudem die Qualität der Materialien selbst hinterfragen. Hierfür benötigen Lernende Unterstützung. Als Arbeitsauftrag in Form einer Gruppenarbeit kann dies auch die Zusammenarbeit fördern.

Können Azubis offene Bildungsmaterialien selbst erstellen?

Warum nicht auch einmal den Lernenden oder Auszubildenden in die Produktion von Materialien mit einbeziehen? Die Erstellung von Erklärvideos auch durch Auszubildende selbst zum Beispiel als Arbeits-/Lernauftrag wird immer öfter auch in Betrieben in Betracht gezogen. Durch eine offene Lizenzierung kann dieses Material einem breiteren Publikum angeboten und weiterentwickelt werden. Die Einbeziehung der Auszubildenden in die Erstellung und Weiterentwicklung dieser Materialien kann identitätsfördernd wirken und der jeweilige Betrieb, das jeweilige Unternehmen kann an Image gewinnen.

Offene Bildungsmaterialien könnten eine bereits institutionalisierte und gelebte Kooperation dieser Lernorte nach Meinung von Bildungsexperten unterstützen. Durch die Transparenz, die offene Bildungsmaterialien bieten, wären Betriebe und berufsbildende Schulen immer auf dem neuesten Stand was die Anwendung von Lehrmitteln anbelangt. Auch Innovationen wie ökonomisch und technisch-produktive Änderungen in Betrieben könnten so schneller in die Ausbildung getragen werden.

Wie funktioniert die Erstellung offener Bildungsmaterialien?

Von freien Inhalten über Arbeitsblätter bis zum Erklärvideo; die nachfolgenden Autorentools sollen Impulse für die eigenständige Erstellung offener Bildungsmaterialien bieten:

  • Wikis bieten nicht nur freie Inhalte zur Erweiterung des eigenen Materials. Inhalte auch gemeinsam mit Lernenden und Auszubildenden zu schaffen ist am einfachsten über Wikis. Die inhaltliche Erarbeitung von Wikis zum Beispiel als Einzel- oder Gruppenarbeit für Lernende eingesetzt, kann den Selbstlernprozess unterstützen. Bereits Erlerntes wird rekapituliert, erweitert, neu geordnet und wiedergegeben. Natürlich müssen die Lernenden bei der Erstellung begleitet werden, um ihnen geeignete Methoden der Qualitätsbeurteilung an die Hand zu geben.
  • Tutory.de: Auf Tutory.de findet sich neben bereits bestehendem Material auch ein Arbeitsblatt-Editor, mit dem sich nicht nur bereits bestehende Arbeitsblätter schnell an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen lassen. Selbstverständlich lassen sich über diesen Editor auch eigene Arbeitsblätter schnell und einfach erstellen und zur freien Verfügung stellen. Hier können Sie auch direkt auf freies Bildmaterial zugreifen und in Ihr Arbeitsblatt integrieren.
  • H5P: H5P ist eine freie und quelloffene Software zum Erstellen von interaktiven Lehr- und Lernmaterialien. Die hier angebotenen Medienformen wie Videos oder Präsentationen mit Quiz-Aufgaben, Timelines oder Memory sind miteinander kombinierbar. Die auf der Website erstellten Materialien werden anschließend über einen Code in den Quelltext des eigenen Blogartikels eingefügt oder auch über ein Plug-in in WordPress, Moodle oder Drupal integriert.

Wie können selbsterstellte Bildungsmaterialien der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden?

Eigene oder erweiterte Inhalte als offene Bildungsmaterialien einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen ist denkbar einfach. Jedoch sind auch hier einige wichtige Aspekte zu beachten:

  1. Greifen Sie bei Bildmaterial auf eigenes oder offen lizenziertes Material zurück. ACHTUNG: Offene Lizenzen berühren nicht die Persönlichkeitsrechte, wie das Recht am eigenen Bild oder das Recht am eigenen Wort bei Bild- bzw. Videoaufnahmen. Diese müssen separat eingeholt werden.
  2. Möchten Sie offen lizenzierte Inhalte miteinander kombinieren, müssen die jeweiligen Lizenzen miteinander kompatibel sein. Welche Lizenzen miteinander kombiniert werden können, beantwortet Ihnen der CC-Mixer. Je weniger Einschränkungen die jeweilige Lizenz vorgibt, desto kompatibler ist diese.
  3. Entscheiden Sie sich für eine geeignete Lizenz, der CC-Lizenzgeber hilft Ihnen dabei. Der nötige Lizenzhinweis wird durch die Beantwortung einiger weniger Fragen automatisch generiert und kann anschließend für unterschiedliche Medienformen per copy & paste den rechtlichen Vorgaben entsprechend in das eigene Material integriert werden.
  4. Die TULLU-Regel hilft Ihnen bei der korrekten Nennung der obligaten Bestandteile. Die richtige Attribuierung ist in vielerlei Hinsicht wichtig. Zum einen signalisiert sie klar die jeweiligen Nutzungsrechte. Zum anderen garantiert Sie die ordnungsgemäße Nennung des Urhebers sowie den ordnungsgemäßen Lizenzhinweis. Denn werden die Vorgaben nicht eingehalten, ist die Lizenz nicht gültig.

Wo finde ich weitergehende Infos zu Open Educational Resources?

Weiterführende Informationen zu offenen Bildungsmaterialien im Allgemeinen und in der Berufsbildung im Besonderen finden Sie auf der Website www.o-e -r.de, dem zentralen Web-Portal rund um dieses Thema. Anhand von Blogbeiträgen, Videos, Podcasts und den bereichsspezifischen Dossiers. Materialien unter anderem zu Qualifizierungsmaßnahmen finden sich im Jointly-Content Buffett. Die OER.de-Karte vernetzt zudem OER-Projekte, Dienstleistungen und Personen deutschlandweit.

Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name der Urheberin soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Susanne Grimm, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

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