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Sauberes Geld verdienen

Öko-Investments | Wind, Wasser, Sonne – die Erde ist reich an erneuerbaren Energieträgern. Investments in den Umweltschutz sind einer der Megatrends an den Kapitalmärkten.

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Der Kampf gegen die Klimakatastrophe bringt gutes Geld. „Dank einer Vielfalt unterschiedlicher Anlagemöglichkeiten, mit denen auch Privatinvestoren langfristig die beiden Aspekte Rendite und gutes Gewissen fast nach Belieben kombinieren können“, meint Matthias Helfesrieder, unabhängiger Finanzberater in der Stadt Singen.

Privatinvestoren können sehr passgenau zu ihrer persönlichen Risikoneigung ein längerfristig chancenreiches Öko-Portefeuille zusammenstellen. Vor allem mithilfe von Aktien, speziellen Aktienfonds und auch unternehmerischen Beteiligungen, die in der Regel über Geschlossene Fonds möglich sind.

Aktien. Auf den Kurszetteln der deutschen Börsen notieren die Anteilsscheine überdurchschnittlich vieler Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle auf Umwelt, Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien ausgerichtet haben. Solarenergie und Windkraft dominieren. Der TecDax etwa, das Barometer der Deutschen Börse für besonders wachstumsträchtige Unternehmen, enthält immerhin die Aktien von sechs Umweltfirmen. Nordex als einem der mittlerweile potentesten Bauer von Windkraftanlagen, der vor nicht allzu langer Zeit nur knapp der Pleite entging, sowie aus dem Solarsektor Conergy, Ersol Solar, Q-Cells, Solarworld sowie Solon. Geht man dann noch einige Etagen tiefer in der Börsen- und Index-Hierarchie, etwa in den SDAX oder gar in den ungeregelten Markt, so wird das Angebot an Unternehmen fast schon unübersichtlich.

Wer jetzt noch in die Aktien von Firmen aus dem Umweltsektor investieren möchte, kann dies durchaus tun. Allerdings sollte er schon einen lang- bis sogar längerfristigen Horizont haben. Denn 2007 zählten die Ökos aus dem TecDax zu jenen mit der besten Wertentwicklung. Von den zehn Top-Gewinnern stammt die Hälfte allein aus dem Umweltsektor. Highflyer war die Aktie des Windmühlenbauers Nordex mit einem Plus von deutlich mehr als 150 Prozent. Auch Solarwerte wie Q-Cells, Solarworld, Ersol oder Conergy brachten es auf Wertzuwächse zwischen 40 und 100 Prozent.

Anfällig für Korrekturen

Hohe Kursgewinne seit Beginn des vergangenen Jahres machen die Aktien aber anfällig für Korrekturen. Das heißt, für überdurchschnittliche, wenn auch oft nur vorübergehende Verluste. „Nach einer starken Performance in einer vergleichsweise kurzen Zeit kann es immer wieder zu Gewinnmitnahmen kommen, die die Kurse außergewöhnlich stark nach unten ziehen“, erläutert Finanzberater Helfesrieder. Bekommen der Deutsche Aktienindex Dax oder das Wachstums-Barometer TecDax einen Schnupfen und verlieren – angenommen – zehn Prozent an Wert, können die Einbußen bei den Highflyern aus dem Umweltsektor in der gleichen Zeit durchaus 30 oder noch mehr Prozent betragen. Dies jedenfalls lehren die Erfahrungen der Vergangenheit.

Für Solaraktien sprechen momentan die günstige Bewertung, gemessen am viel beachteten und deshalb wichtigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und die Tatsache, dass die Sonne in immer mehr Ländern, sogar in Arnold Schwarzeneggers Kalifornien, zum alternativen Energieträger schlechthin wird. Unternehmen aus dem Windanlagen-Segment profitieren von anhaltenden Übernahmefantasien, nachdem etwa die deutsche Repower zu einem horrenden Preis gekauft wurde, sowie vom technologischen Fortschritt, der die Installation von Offshore-Anlagen vergleichsweise kostengünstig und deshalb renditeträchtig ermöglicht.

Grundsätzlich gilt aber: Wer als Privatanleger auf eine gute Hand voll von Einzelwerten setzt, der sollte sich auch der vergleichsweise hohen Risiken bei dieser Strategie bewusst sein. Besser sind da schon spezielle Aktienfonds, bei denen allerdings Gewinne von hundert und mehr Prozent in sehr kurzer Zeit so gut wie unmöglich sind.

Aktienfonds. Die Besten der Besten in dieser Spezies brachten es bis Juni 2007 auf Wertzuwächse von 30Prozent und mehr. In den vergangenen drei Jahren waren Durchschnittsrenditen von 20 bis 30 Prozent möglich, in den vergangenen fünf Jahren zwischen zehn und 15 Prozent im Schnitt. Die Manager solcher Fonds orientieren ihre Anlagestrategie an den Begriffen „Nachhaltigkeit“ und auch „Ethik“. Das bedeutet: Die Fonds enthalten nicht nur die Anteilsscheine von Unternehmen aus dem Solar- und Windsektor, sondern eine breite Palette von öko-orientierten und/oder nachhaltig agierenden Firmen. Wichtige Themen sind etwa die Entwicklung von Brennstoffzellen oder die Wasseraufbereitung. Fonds, die die Anlagethemen Nachhaltigkeit und Ethik noch weiter fassen, berücksichtigen auch Großunternehmen, die Öko nur am Rande ihres Geschäftsmodells verfolgen, dafür aber, was soziale Aspekte oder umweltschonende Produktionstechniken angeht, eine Vorreiterrolle innehaben.

Breite Streuung ist sinnvoll

Die breite Streuung auf eine Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen und Branchen kann das Anlagerisiko erheblich verringern. Die Renditechancen sind langfristig überdurchschnittlich gut, aber deutlich schlechter als bei Einzelwerten – sofern der Aktionär den oder die richtigen trifft. Wichtig: Privatinvestoren sollten Fonds bevorzugen, die bereits eine nachweislich gute Historie hinter sich haben. Neue Fonds hingegen, die dank des Megatrends Öko-Invest fast im Wochenrhythmus auf den Markt kommen, sollten sich erst noch bewähren.

Geschlossene Beteiligungen. Deren goldene Zeiten sind, gemessen an den Umsatz- und Platzierungszahlen, vorläufig wohl vorbei. „In diesem Jahr wurden bis Juni nur rund hundert Millionen Euro Eigenkapital bei Anlegern vermittelt, was knapp drei Prozent des Gesamtmarktes entspricht“, erläutert Branchenkenner Edmund Pelikan, Chef der Edmund Pelikan Kompetenz in Landshut. Sogenannte Biomassefonds und der Weiterverkauf von gebrauchten Fondsanteilen auf dem Zweitmarkt laufen den Klassikern Windkraft- und Solarfonds den Rang ab.

Aktuell sind nur drei Fondsbeteiligungen im Angebot. Einer am Zweitmarkt mit der Ausrichtung auf Solar- und Windenergie, ein anderer, der ausschließlich in Solarbeteiligungen investiert, sowie eine weit reichende Unternehmensbeteiligung, die das Geld der Anleger unter dem Arbeitstitel „Clean Tech“ in umweltschonende Bereiche platziert.

Privatinvestoren können sich zwischen 5000 und 10000 Euro plus Ausgabeaufschlag von in der Regel fünf Prozent beteiligen. „Einige große Emissionshäuser arbeiten derzeit an interessanten Solarfonds, deren Platzierung schon in Kürze beginnt”, glaubt Pelikan.

Geschlossene Fonds gelten als unternehmerische Beteiligungen, die einerseits die Aussicht auf überdurchschnittliche Gewinne bieten, aber andererseits auch deutlich höhere Risiken bergen als etwa breit gestreute Aktienfonds. Ein Nachteil sind große Mindestanlagebeträge sowie die Tatsache, dass die Fonds 15 Jahre und mehr laufen und es für sie keinen funktionierenden Zweitmarkt gibt. Wer eine Beteiligung zeichnet, sollte deshalb unbedingt längere Zeit auf das Geld verzichten können und eine entsprechende Risikobereitschaft mitbringen.

Heinz-Josef Simons

cornelia.hefer@handwerk-magazin.de

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