Geschäftsideen -

Betriebsübergabe Nachfolge - So finanzieren Sie die Übernahme

Gute Zeiten für den Schritt in die Selbständigkeit: Zahlreiche Handwerkssenioren suchen einen qualifizierten Übernehmer. Wie das Vorhaben für den Nachfolger optimal gelingen kann.

René Schwarz war schon kurz nach seiner Gesellenprüfung klar, dass er sein eigener Chef werden wollte: „Auf meine Selbstständigkeit bereitete ich mich fünf Jahre lang mit großem Engagement vor.“ Sein Ziel hat er erreicht. Der Handwerksmeister ist Inhaber der Firma Schwarz Gerüstbau e.K. in Pleidelsheim. Den Betrieb hat er vor fünf Jahren von seinem Chef übernommen. „Die Nachfolge haben wir gemeinsam von langer Hand und detailliert geplant“, sagt Schwarz. Zunächst arbeitete er fest angestellt als designierter Übernehmer. „Während dieser Zeit konnte ich mir bereits einen tiefen Einblick in die Geschäftsführung verschaffen“, so der Gerüstbaumeister.

Finanzierung im Team geplant

Der Senior hat ihm dabei wesentlich geholfen. Wichtige Verhandlungen führten die beiden schon frühzeitig gemeinsam. „Wir traten nach außen im Team auf“, kommentiert der Jungunternehmer. Zum Beispiel gegenüber der Hausbank: Diese unterstützte die Nachfolge, obwohl Schwarz über wenig Eigenkapital verfügte. Die Finanzierung gelang auch, weil die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg einen Teil des Kredits absicherte und der Senior dem Übernehmer ein Veräußererdarlehen gewährte. Außerdem vereinbarten die Parteien zeitlich befristet eine jährliche Gewinnbeteiligung.

Kein Einzelfall: Viele erfolgreiche Geschäftsübergaben basieren auf einer jahrelangen Vorbereitung. „Clevere Jungunternehmer informieren sich vorab, wie die Nachfolge optimal gelingen kann“, empfiehlt Eric Hiedemann, Rechtsanwalt und Experte für Unternehmensnachfolgen der Kanzlei Hiedemann in Köln. Existenzgründer sollten sich etwa Kenntnis über die relevanten Förderprogramme oder die Chancen einer Beteiligung verschaffen (siehe „Beteiligungsfinanzierung“, Seite 12, „Förderprogramme“, Seite 14).

Gutachten in Auftrag geben
Viele Handwerksunternehmer überschätzen den Wert ihrer Firma und haben überzogene Preisvorstellungen. Um eine realistische Größenordnung zu erhalten, können Übernehmer von einem ­unabhängigen Experten, etwa der Handwerkskammern, ein Gutachten erstellen lassen. Dabei wird der Profi die künftig erzielbaren Erträge ins Zentrum stellen und berücksichtigen.

Zeitpunkt für beide Seiten planbar

Das Angebot potenzieller Übernahmekandidaten ist groß. Nach einer aktuellen Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn werden jedes Jahr rund 22.000 Firmen übergeben. In 86 Prozent der Fälle verabschiedet sich der Senior in den wohlverdienten Ruhestand. Der Zeitpunkt ist somit planbar und absehbar – für beide Seiten. „Zahlreiche Senior-Unternehmer halten die Zügel aber zu lange in der Hand und beschäftigen sich zu spät mit ihrer Nachfolge“, warnt Experte Hiedemann. Das gilt sowohl bei externen als auch bei Staffelübergaben innerhalb der Familie.

Hintergrund: Eltern bringen ihrem Nachwuchs nicht immer das unternehmerische Vertrauen entgegen. „Der Senior muss in der Lage sein, seine Rolle als Vater in die des Geschäftspartners zu verwandeln“, sagt Hiedemann. Der Junior dagegen sollte bereit sein, sich mit großem Engagement in die Firma einzubringen und sich den Respekt aller Beteiligten durch hohe Leistung zu erarbeiten. „Eine perfekte Nachfolgeplanung schließt aber mit ein, dass verschiedene Verträge aufeinander abgestimmt werden müssen und zahlreiche rechtliche Regelungen zu beachten sind“, so Hiedemann. Kluge Nachfolger schalten möglichst einen erfahrenen Rechtsexperten, Steuerberater und vielleicht einen Unternehmensberater ein.

Ehevertrag abschließen

So sollte parallel zum Gesellschaftervertrag ein Ehevertrag geschlossen werden. Die private Sphäre gilt es sauber von der betrieblichen zu trennen, um bei Schwierigkeiten weder die Ehe noch den Betrieb zu gefährden. Auch muss jeder Jungunternehmer ein Testament aufsetzen. Denn die gesetzliche Erbfolge begünstigt häufig Angehörige, die mit der Entwicklung des Betriebes nicht verbunden sind und eventuell andere Interessen verfolgen.

Ohne Testament entsteht dann oft eine Erbengemeinschaft. Über das Wohl und Wehe des Betriebes entscheiden in diesem Fall mehrere Köpfe – zumeist nicht mit positiven Folgen für die Firma. Um jegliche Eventualitäten auszuschließen, regeln kluge Übernehmer die Details bei Eintritt in ihre Selbständigkeit, um mit einem in sich stimmigen Gesamtkonzept zu starten.

Mit Weitblick bereitete sich zum Beispiel Matthias Stickel auf die Unternehmertätigkeit vor. Bereits mit 16 Jahren entschied sich der heute 33-Jährige dafür, die Stickel GmbH mit mehr als 70 Mitarbeitern von seinem Vater Wilhelm Stickel zu übernehmen.

Der Betrieb fertigt anspruchsvolle Blech-Umformteile aus Stahl oder Aluminium. Der Junior plante bereits seine Ausbildung mit Blick auf die Bedürfnisse des Unternehmens. Stickel studierte Wirtschaftsingenieurwesen und engagierte sich später zielgerichtet in verschiedenen Abteilungen des Unternehmens. Viele Mitarbeiter kennen ihn bereits seit seiner Kindheit. „Ihren Respekt musste ich mir schon erarbeiten“, so Stickel. Zum Beispiel, indem er bei einem erhöhten Auftragseingang samstags selbst an der Maschine steht und stets auf ein vertrauensvolles Verhältnis mit den Mitarbeitern setzt.

Familie ins Boot holen

Stickel diskutierte gemeinsam mit seinem Vater Wilhelm und einem Unternehmensberater verschiedene Übergabemodelle. Es ging auch darum, testamentarische Regelungen zu treffen und einen Ausgleich für die anderen Geschwister festzulegen: „Wir holten alle Beteiligten ins Boot, um Konflikte in der Familie zu vermeiden“, so Stickel. Parallel zur Staffelübergabe erweiterte der Junior die Angebotspalette. Das erforderte hohe Investitionen in eine Immobilie und energetische Maßnahmen. Die Finanzierung fußt auf einem Kredit der Hausbank sowie Förderprogrammen der L-Bank in Baden-Württemberg und der KfW-Bank.

Ein klassischer Fall: „In der Regel erfolgen Übergabe-Regelungen unter Einbindung mehrerer Finanzierungspartner“, weiß Bekim Asani, Corporate Finance Manager der Hamburger Sparkasse (Haspa). Entsprechend viel Überzeugungsarbeit hat der Käufer zu leisten (siehe „Checkliste“, Seite 10). Am besten legt der Jungunternehmer schon beim ersten Gespräch mit der Hausbank alle relevanten Unterlagen vor (siehe „Finanzierungsmodelle“, Seite 11).

Jahresabschlüsse vorlegen

Dazu zählen neben dem Businessplan etwa die Jahresabschlüsse der vergangenen drei Jahre, aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertungen sowie der Entwurf des Kaufvertrags. Auch eine Liste der möglichen Sicherheiten darf nicht fehlen. Gefragt bei den Geldhäusern sind Immobilien oder Kapitallebensversicherungen.

Wichtig: Der Kapitalbedarf sollte keinesfalls zu knapp bemessen sein. Viele Jungunternehmer veranschlagen nur den vereinbarten Preis der Firma. Das ist in der Regel zu wenig, da oft auch das operative Geschäft in den ersten Monaten mit abzudecken ist. Es kommt bei der Hausbank gut an, wenn der Existenzgründer hier eher großzügig kalkuliert. Im Optimalfall basiert die gesamte Planung des Vorhabens auf bewusst vorsichtig angesetzten Umsatz- und Ertragszahlen. Die Nachfolgefinanzierung sollte so aufgebaut sein, dass der Handwerksbetrieb selbst bei zwei bis drei Verlustjahren nicht existenziell gefährdet ist. Die Hausbank wird den Nachfolger kritische Fragen zum Geschäftskonzept stellen. Umsichtige Jungunternehmer diskutieren ihren Businessplan vorab mit einem unabhängigen Experten.

Wenig Eigenkapital

Ein Knackpunkt bei den Finanzierungen ist regelmäßig das Eigenkapital. „Wir erwarten im Schnitt mindestens 25 Prozent“, sagt Asani. Zu unterscheiden ist zwischen echtem und wirtschaftlichem Eigenkapital. Wer zu wenig direkte eigene Mittel – etwa in Form von Bareinlagen – aufbringt, hat die Möglichkeit, mit sogenanntem Mezzanine als Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital aufzustocken.

„Bei einer stillen Beteiligung haben die Kapitalgeber im Tagesgeschäft keine Mitspracherechte“, erklärt Dirk Buddensiek, Vorstand der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg. Diese Finanzierung gilt aber als teuer. Die Renditeerwartungen der Investoren liegen im Schnitt zwischen acht und zwölf Prozent – abhängig von der jeweiligen ­Bonität des Firmenchefs.

René Schwarz hat auch deshalb darauf verzichtet. „Das Verkäuferdarlehen war schon eine ausreichend gute Lösung für die Bank“, so der Handwerksunternehmer.

Beteiligungsfinanzierung: Kapital für den Kauf

Mit einer Beteiligung kann der Jungunternehmer das Eigenkapital der Firma stärken und eine kritische Verschuldungssituation vermeiden.

Kontakt.

Kluge Jungunternehmer nehmen direkt und selbst Kontakt mit einer Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft auf. Sie stellen ihr Geschäftskonzept, die Planzahlen sowie die Entwicklung der Firma in der Vergangenheit vor. Wichtig ist es, gegenüber den Investoren betriebswirtschaftliches Know-how zu zeigen.

Sicherheiten

Die Beteiligungsbanken erwarten keine Sicherheiten – damit verschafft sich der Jungunternehmer Luft für Folgefinanzierungen.

Vergütung

Sie erfolgt über Zinsaufwendungen sowie eine Vergütung aus der Überschussbeteiligung. Sie liegt abhängig von der Bonität über einer klassischen geförderten Finanzierung. In schlechten Jahren kann der Unternehmenschef weniger ausschütten und die Lücke in guten Jahren dann wieder auffüllen.

Zeitraum

Eine Beteiligung läuft zumeist über fünf bis sieben Jahre. Sie kann zwar oftmals verlängert werden, doch sollte dies nicht das Ziel des Nachfolgers sein. Der Jungunternehmer muss sich also frühzeitig um eine passende Form der Anschlussfinanzierung bemühen.

Kommunikation

Die Investoren sind offen über die Entwicklung der Firma zu informieren. Selbst wenn ihnen kein Mitspracherecht eingeräumt wird: Die Parteien sollten sich sympathisch sein, weil sie mehrere Jahre zusammen arbeiten.

Suchwege: So finden Sie den Richtigen

Sie haben keinen Nachfolger in der Familie oder unter den Mitarbeitern? Dann sollten Sie rechtzeitig auf die folgenden Maßnahmen setzen.

  • Betriebsbörsen nutzen: Eine führende Börse für Übergeber und Übernehmer finden Sie unter: www.nexxt-change.org. Das Angebot ist kostenfrei und für beide Seiten anonym, Kaufgesuche und -angebote werden mit Chiffre-Nummern veröffentlicht. Zur Kontaktaufnahme und weiteren Beratung bei der Nachfolgeregelung wenden sich die Übergabeinteressenten dann jeweils an ihren zuständigen Regionalpartner vor Ort.
  • Führungskraft einstellen: Sie haben noch ein paar Jahre Zeit bis zur Übergabe und können in Ruhe einen Nachfolger aufbauen? Dann nutzen Sie die Chance, über den klassischen Stellenmarkt zunächst einen Geschäftsführer zu ­suchen, dem Sie dann später bei entsprechender Eignung den Betrieb anvertrauen können.
  • M & A-Berater engagieren: Die auf Fusionen und Übernahmen spezialisierten Mergers & Acquisitions-Berater begleiten den kompletten Nachfolgeprozess diskret und professsionell, lohnen sich aber aufgrund der damit verbundenen Kosten meist nur für größere Betriebe ab 1,5 Millionen Euro Jahresumsatz.
  • Mundpropaganda ankurbeln: Um das Vertrauen bei Kunden und Lieferanten nicht zu gefährden, sollten Sie bei der Nachfolgesuche absolut diskret vorgehen. Informieren Sie deshalb gezielt einige wenige Vertrauensträger und bitten Sie diese, sich für Sie doch ein wenig umzuhören.
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