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Digitalisierung "Manche Betriebe müssen wir zwangsdigitalisieren"

Rund 60 Prozent der Betriebe tut sich noch sehr schwer mit der Digitalisierung. Das muss sich ändern, sagt Christoph Krause, Leiter Kompetenzzentrum für Gestaltung, Fertigung & Kommunikation der HWK Koblenz.

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Herr Krause, Sie zeigen als Leiter des Kompetenzzentrums für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation in Koblenz und des neuen Kompetenzzentrums Digitales Handwerk, Schaufenster West, Handwerksbetrieben die Chancen der Digitalisierung auf. Ist es schwierig Betriebe davon zu überzeugen?

Wir haben im deutschen Handwerk im wesentlichen drei Zielgruppen: Die ersten zehn Prozent der Handwerksunternehmen sind solche, die das Kapital zur Investition und das Wissen darüber haben, was als Digitalisierung auf sie zukommt. Diese Betriebe wollen ihre neuen Geschäftsmodelle entwickeln, ihre Kommunikation verbessern. Das heißt: Da gehen Sie hin und Sie können sofort einen Workshop machen. Die saugen das förmlich auf.

Und der Rest?

Dann haben wir 30 Prozent, die haben das Kapital; sie wissen auch, dass es da draußen in der Digitalisierung brodelt, aber noch läuft das Handwerksgeschäftsmodell hervorragend. Sie wissen, dass sie eigentlich etwas tun müssten, doch man weiß nicht so recht was und wo man anfangen soll: Ist es Geschäftsprozess-Management, ist es die Kommunikation, soll man in Facebook rein. Was sind die Fragen. Die begleiten wir konkret. Und die bekommen wir innerhalb kürzester Zeit auf einen Pfad geführt, wo sie dann arbeiten können.

Bleiben 60 Prozent ...

Das sind die Unternehmen, die das nicht wollen, die es ablehnen. Aus unterschiedlichen Gründen: Ihr jetziges Geschäftsmodell fordert sie etwa so stark heraus oder es läuft so gut - das muss man einmal sagen. Damit haben sie auch ihre alltäglichen Fragestellungen von Buchhaltung, Steuern, wie funktioniert eine Baustelle. Zu all diesen Fragestellungen, die der Handwerker übergreifend beantworten muss, kommt nun plötzlich eine neue Fragestellung der Digitalisierung. Und die drängt er natürlich erst einmal zurück und sagt: Mir geht es doch gut! Und das wird auch noch die nächsten fünf Jahre so sein. Die Digitalisierung brauchen wir hier nicht.

Das ist schon eine Herausforderung.

Ja, und da müssen wir uns drum kümmern. Seitens der Politik, seitens der Bildungsdienstleister. Diese 60 Prozent müssen wir ganz anders anfassen. Da müssen wir persönlich vorbeifahren. Ich nenne das sogar Zwangsdigitalisierung. Und da brauchen wir Unterstützung. Wir brauchen Plattformen, wie etwa startbahn-handwerk.de, welche die Firmen unterstützen. Mit Hilfe solcher Plattformen digitalisieren wir die 60 Prozent. Die Betriebe bekommen hier eine Basisausstattung: ein eigenes Profil im Internet, damit sie sichtbar sind, eine Kommunikationsschnittstelle etwa mit E-Mail, Facebook, wenn es zum Geschäftsmodell passt. Wir bieten den Grundbaustein der Digitalisierung, um an sie heranzukommen und dann darauf Projekte aufzusetzen. Und das wird die große Herausforderung sein im Handwerk: Eine möglichst große Anzahl von Unternehmen hin zu Digitalisierung zu bewegen.

Herr Krause, vielen Dank für das Gespräch.

Vita Christoph Krause. Geboren im März 1978 in Halle an der Saale, studierte an der Bauhaus-Universität Weimar Produkt- und Prozessgestaltung. Seit 2009 leitet er das Kompetenzzentrum für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation in Koblenz. Aktuell leitet er zusätzlich das neue Kompetenzzentrum Digitales Handwerk, Schaufenster West. Er begleitet Unternehmen bei der Digitalisierung der Kommunikation, der Geschäftsprozesse, der Produktion und der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle. Er fungiert als Digitalisierungsexperte, Designer-Thinker und Redner.

Treffen Sie Christoph Krause zum Experten-Talk in der handwerk magazin DENKWERKSTATT zum Thema "FIT FÜRS HANDWERK 4.0 - den digitalen Wandel erfolgreich meistern"

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