Interview Junioren im Handwerk: »Ein ganz wichtiger Baustein im Handwerkskosmos«

Doppelinterview: ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer und Marco Jaeger, Bundesvorsitzender der Junioren des Handwerks, äußern sich zu den Themen Sichtbarkeit, Nachwuchsgewinnung und hauptamtliche Unterstützung der Juniorenverbände.

Im regelmäßigen Austausch: Marco Jaeger, Bundesvorsitzender der ­Handwerks­junioren, und ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer (im Bild rechts).
Im regelmäßigen Austausch: Marco Jaeger, Bundesvorsitzender der ­Handwerks­junioren, und ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer (im Bild rechts). – © ZDH/Boris Trenkel
handwerk magazin: Herr Wollseifer, die Junioren des Handwerks stehen für eine neue Generation von Handwerk. Was schätzen Sie an diesem Verband besonders?

Wollseifer: Ich sehe in den Handwerks­junioren die Zukunft unserer Handwerksorganisation. Und diese Zukunft wird es nur mit einer funktionierenden Selbstverwaltung und einem breiten ehrenamt­lichen Engagement im Handwerk geben. Deswegen ist es so wichtig, junge Handwerkerinnen und Handwerker dafür zu begeistern, sich ehrenamtlich für das Handwerk einzusetzen. Das deutschlandweit agierende und gewerkeübergreifende Netzwerk der Handwerksjunioren steht für eine vitale Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt und hat für mich daher einen ganz besonderen Stellenwert. Hervorzuheben sind außerdem aus meiner Sicht das soziale Miteinander in einer vertrauten Gemeinschaft vor Ort und eine Verbandstruktur, in der neben praxisnahen Seminaren und Diskussionen mit Politikerinnen und Politikern insbesondere auch der freundschaftliche Austausch im Vordergrund steht. Die Junioren des Handwerks sind ein ganz wichtiger Baustein im Handwerkskosmos, denn sie repräsen­tieren die nächste Generation im Handwerk und bringen deren Sichtweise ein.

Herr Jaeger, Ihr Verband kümmert sich um die Nachwuchsgewinnung im Ehrenamt. Wie läuft dies ab?

Jaeger: Die Nachwuchsgewinnung im ­Ehrenamt findet primär über die direkte Ansprache junger Handwerkerinnen und Handwerker auf verschiedenen Veranstaltungen auf Ortsebene statt. Die regelmäßig stattfindenden Meisterfeiern der Handwerkskammern oder die traditionellen Sommerfeste bieten beispielsweise eine sehr gute Gelegenheit, um mit engagierten jungen Meisterinnen und Meistern ins Gespräch zu kommen und auf die Handwerksjunioren aufmerksam zu machen. Zudem organisieren die Junioren-Ortsverbände regelmäßig ungezwungene Stammtische oder ähnliche For­mate, um sich in lockerer Atmosphäre auszutauschen und so interessierten jungen Handwerkerinnen und Handwerkern ein erstes Kennenlernen zu ermöglichen. Bei weiteren gemeinschaftlichen Aktivitäten wie etwa Werkstattgesprächen, bei denen spannende Betriebseinblicke geboten werden, oder etwa bei gemeinsamen Handwerkermarktbesuchen sind Junghandwerkerinnen und -handwerker stets willkommen, die gute Atmosphäre unseres Netzwerkes kennenzulernen. Auch die Gründerseminare der Handwerkskammern bieten sich an, um auf unser Netzwerk aufmerksam zu machen.

Ein konkretes Beispiel aus einem Ortsverband wäre schön.

Jaeger: Sehr schön finde ich die vielfäl­tigen Angebote des Junioren-Landes­verbandes NRW und der zugehörigen Ortsverbände. Da werden beispielsweise Tagesausflüge inklusive Schiffstour und Museumsbesuch mit anschließendem Restaurant-Ausklang organisiert oder es wird zum Sommer-Picknick für die ganze Familie geladen – das schafft eine ungezwungene Atmosphäre abseits des Betriebsalltags. Aber auch zu übergreifenden Fachthemen wie zur Digitalisierung werden regel­mäßig spannende Workshops angeboten, etwa zu Internet of Things oder Coworking-Robotern. Auch wenn Fragen rund um den Betrieb im Vordergrund stehen, der Spaß und die Geselligkeit kommen bei den Handwerksjunioren definitiv nicht zu kurz: Die Einladung der Handwerksjunioren Düsseldorf zum gemeinsamen Frühschoppen bei einem Junioren-Mitglied – neben einem Dachdeckerbetrieb wird dort auch eine Gastronomie in Düsseldorf geführt – als Aufhänger für einen lockeren Austausch gefiel mir ebenfalls sehr gut. Dieser freundschaftliche und ungezwungene Rahmen erleichtert es jungen Selbstständigen und Führungskräften, die Handwerksjunioren kennen- und unser Netzwerk schätzen zu lernen.

Wie beschreiben Sie beide den Austausch untereinander?

Wollseifer: Mit Herrn Jaeger tausche ich mich regelmäßig zu den Belangen der Handwerksjunioren aus. Mir ist es wichtig, die Anregungen und Vorschläge der Handwerksjunioren kennenzulernen und zu verstehen, um dann gemeinsam an der Umsetzung zu arbeiten und Strategien zu entwickeln, wie wir das Juniorennetzwerk erweitern und optimieren können.

Jaeger: Ich nehme den Austausch mit Herrn Wollseifer als sehr respektvoll und zielgerichtet wahr. Man merkt, dass die Handwerksjunioren eine Herzensangelegenheit für Präsident Wollseifer sind. Auf seine ­Unterstützung ist seit vielen Jahren Verlass. Wir fühlen uns ernstgenommen und finden Gehör mit unseren wichtigen An­liegen. Erst vor Kurzem haben wir uns mit Herrn Wollseifer zu einem persönlichen Gesprächstermin verabredet, um die künftige Ausrichtung der Handwerksjunioren zu besprechen und Möglichkeiten der ­Stärkung unseres Netzwerks auszuloten.

Gemeinsam wollen Sie die Sichtbarkeit der Handwerksjunioren pushen. Wo werden Sie als Erstes ansetzen?

Wollseifer: Auf Bundesebene streben wir als wichtige Maßnahme eine stärkere Medienpräsenz durch eine enge Zusammenarbeit der ZDH-Pressestelle mit dem Bundesverband der Handwerksjunioren an. Wir wollen die Handwerksjunioren in verschiedenen Formaten unterbringen, wobei insbesondere Social Media natürlich eine große Rolle spielt. Aber auch unsere Kontakte zu den Handwerks­medien oder die Platzierung im ZDH-Newsletter sollen die Sichtbarkeit der Handwerksjunioren erhöhen.

Jaeger: Die Geschäftsstelle der Bundeshandwerksjunioren ist beim ZDH in Berlin angesiedelt. Dies ermöglicht es uns, die gut organisierten Strukturen des Zentralverbandes zu nutzen und in Zusammenarbeit mit den verschiedenen ZDH-Abteilungen die Juniorenmarke künftig präsenter zu machen. Unter anderem arbeiten wir aktuell zusammen an einer Platzierung der Junioren im Rahmen einer ZDH-Handwerk-Story zum Thema Ausbildung. ­Außerdem ist auch ein Videobeitrag zum Tag des Ehrenamts, der jährlich am 5. Dezember gefeiert wird, geplant. Darüber hinaus werden die Handwerksjunioren auf dem diesjährigen Leistungswett­bewerb des Deutschen Handwerks (PLW) in Augsburg präsent sein.

Die hauptamtliche Betreuung von Ortsverbänden ist in vielen Regionen ein Erfolgsmodell. Wie lautet dies­bezüglich Ihr Wunsch an die gesamte Handwerksorganisation?

Wollseifer: Ich wünsche mir eine hauptamtliche Unterstützung der Junioren­verbände in allen 53 Handwerks­kammern. In den Kammerbezirken, in denen diese Verbindung bereits besteht, bilden die Handwerksjunioren ein schlagkräftiges Netzwerk mit Vorbildcharakter. Die Bereitschaft aller Handwerkskammern, hauptamtliche Mitarbeitende in die Förderung von Ortsverbänden der Handwerks­junioren einzubinden, ist der zentrale Schlüssel für ein lückenloses und stabiles Juniorennetzwerk in allen Kammerbezirken. Außerdem muss die Zusammenarbeit zwischen Juniorenverbänden und den Pressestellen der Handwerkskammern eine Selbstverständlichkeit darstellen. Ganz grundsätzlich müssen die Junioren in der Kammerorganisation bei sämt­lichen relevanten Arbeitsprozessen und Veranstaltungen miteinbezogen werden. Dort, wo bisher noch keine Ortsverbände der Handwerksjunioren existieren, ist die hauptamtliche Initialzündung seitens der Handwerkskammern die entscheidende Triebfeder für Verbandsneugründungen.

Was können umgekehrt die Junioren in diese Zusammenarbeit einbringen?

Jaeger: Die Juniorenverbände können ­direkt von der Basis berichten und die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Handwerkskammern mit aktuellen Infos und Anregungen aus dem Mitgliederkreis versorgen. Gemeinsam kann dann geschaut werden, wie ­diese Ideen in die Tat umgesetzt werden können und auf welchem Weg das Juniorennetzwerk unter den gegebenen Umständen vor Ort am effektivsten gefördert werden kann. Die Juniorenverbände bringen den Spirit des aufstrebenden Unternehmertums mit und können die Bedürfnisse des jungen Ehrenamts aus erster Hand kommunizieren. Sie sorgen für einen gewerkeübergreifenden Zusammenhalt der jungen Handwerksgeneration und ermöglichen erste Berührungs­punkte mit ehrenamtlichen Tätigkeiten. Dadurch, dass Handwerkskammern und Handwerksjunioren gemeinsam an einem Strang ziehen, sichern wir gemeinsam die Nachfolge im Ehrenamt der Handwerksorganisation.