Ihre Rentenstrategie

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Private Finanzplanung | Den Fahrplan für die eigene Altersvor-sorge muss jeder selbst festlegen ob Gründer oder gestandener Unternehmer. Einige wichtige Richtlinien sollte aber jeder beachten.

Astrid Vogel, Inhaberin eines Elektrobetriebs im Saarland, hat ihre eigene Vorsorge-Planung konsequent in die Tat umgesetzt: Heute besitzt sie zwei Immobilien, eine Lebensversicherung auf Rentenbasis und konservativ gemanagte Aktienfonds. – © Peter Lange; Infografik: Klaus Niesen

Ihre Rentenstrategie

Einfach anfangen und das so früh wie möglich“, bringt Astrid Vogel ihre Überlegungen zur Altersvorsorge-Planung auf den Punkt. Die 48-jährige Geschäftsführerin eines Elektrobetriebs in Illingen, Saarland, räumt ein, dass es bei ihr auch lange gedauert habe, bis sie sich mit dem Thema beschäftigten wollte. „Zuerst kommt bei Selbständigen immer der eigene Betrieb“, stellt die Unternehmerin klar. Als Vogel 1985 den Elektrobetrieb übernommen hat, liefen die Geschäfte nicht gut. Viel Spielraum gab es nicht, Geld für die Rente zurückzulegen. Trotzdem hat die Unternehmerin eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) als Direktversicherung abgeschlossen.

Als die Umsätze stiegen, hat die Unternehmerin ihre Vorsorge angepasst. „Wichtig ist mir, dass ich mit meinen Geldanlagen flexibel bleibe. Dass ich im Alter meinen finanziellen Standard halten kann, nicht jeden Euro umdrehen muss und in 20 Jahren noch meine Kosten für Wohnen und Energie zahlen kann.“ Entsprechend diesen Zielen hat Astrid Vogel in ihre Altersvorsorge investiert: Sie hat eine Immobilie gekauft, die die Familie selbst bewohnt, und eine weitere, die vermietet ist. Beide Häuser sind mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet, um die Energiekosten im Griff zu behalten.

Zusätzlich zu ihrer bAV hat Vogel eine Kapital-Lebensversicherung auf Rentenbasis abgeschlossen. Finanzielle Flexibilität sichert sich Astrid Vogel über Aktienfonds „mit einer konservativen Anlagestrategie“. Der Unternehmerin ist aber auch klar, dass sie immer wieder nachbessern muss. „Ziele ändern sich. Deswegen muss man alle paar Jahre seine Planung überprüfen und neu kalkulieren.“ Trotz ihrer konsequenten Vorgehensweise ist Astrid Vogel unsicher: „Das Gefühl bleibt, dass ich immer noch nicht genug getan habe, weil es kein ideales Vorsorge-Konzept, gibt, woran ich mich orientieren könnte.“

Die eigene Altersvorsorge ist nur individuell planbar. Die persönliche Lebenssituation bestimmt den Vorsorgebedarf und -aufwand: Ein Existenzgründer, Anfang 30, nicht verheiratet und ohne Kinder, hat andere Möglichkeiten und ein anderes Risikobewusstsein als ein gestandener Unternehmer Mitte 40 mit Familie, der laufende Kredite für den Betrieb bedienen muss.

An erster Stelle sollte bei der Finanzplanung die Basisabsicherung von Familie und Betrieb stehen. „Wichtig ist, dass immer Reserven für die Absicherung existenzieller Risiken zur Verfügung stehen wie Krankheit, Berufsunfähigkeit oder auch für einen Einbruch der Auftragslage. Jeder Unternehmer muss in der Lage sein, eine Durststrecke zu überstehen“, sagt Birgit Miehle, unabhängige Vermögensberaterin in München (siehe Interview, Seite 50).

Der zweite wichtige Punkt ist Entschuldung. „Sie steht vor der Altersvorsorge“, sagt Jürgen Amler, Berater der Deutschen Rentenversicherung in Bayreuth. Kredite für den Betrieb abzuzahlen und gleichzeitig hohe Beiträge in eine private Rentenpolice einzuzahlen macht keinen Sinn.

Vor der Produktauswahl für den Vermögensaufbau sollte man kurz berechnen, wie viel Geld man im Alter, nach heutigem Stand, zur Verfügung hat:Erster Anhaltspunkt können hier die jährliche Information der gesetzlichen Rentenkasse sein und hochgerechnete Auszahlungen von privaten Lebens- oder Rentenversicherungen. „Bei der Kalkulation muss auf jeden Fall die Inflationsrate berücksichtigt werden. 1000 Euro werden in 20 Jahren nicht mehr dieselbe Kaufkraft haben“, sagt Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA).

Erst jetzt steht die Produktentscheidung an. Hilfreich können bei Selbständigen zum Beispiel steuerliche Aspekte sein. Denn die klassischen drei Säulen der Altersvorsorge, bestehend aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge und privater Vorsorge, sind unter steuerlichen Gesichtspunkten so nicht mehr haltbar. Grund dafür ist eine tiefgreifende Änderung des Gesetzgebers: Er hat 2005 schrittweise die nachgelagerte Besteuerung bis 2040, das sogenannte „Alterseinkünftegesetz“, eingeführt (siehe dazu Seite 64). Für die Jüngeren bedeutet das, dass sie prozentual Beiträge für die private Altersvorsorge von der Steuer absetzen können wie zum Beispiel Einzahlungen in Rürup- oder Riester-Policen (siehe dazu Seite 52).

Im Gegenzug müssen Rentner seit 2005 Steuern auf ihre Bezüge zahlen, wenn sie über den Freibeträgen liegen. Nach diesen Vorgaben basiert die Altersvorsorge heute auf drei neuen Säulen.

Die Basisversorgung: Das sind die gesetzliche Rentenversicherung, berufsständische Versorgungswerke und, noch nicht so lange auf dem Markt, die private Basisrente für Selbständige, Rürup.

Die kapitalgedeckte Zusatzversorgung: Dazu gehören die betriebliche Altersvorsorge oder Riester-Policen für angestellte Mitarbeiter.

Private Vorsorge:Das sind Anlageprodukte wie Kapitallebens- und Rentenversicherungen, Anleihen, Aktien oder Investmentfonds.

In der privaten Vorsorge dominiert 2009 aufgrund der Finanzkrise allerdings weiter der Sicherheitsaspekt: Das Vertrauen der Deutschen in Anlagen wie Aktien oder Aktienfonds ist weiter rückläufig. „Bei den Vorsorgeprodukten bleiben sie den Klassikern treu: Lebens- und Rentenversicherungen“, fasst die Gothaer die Ergebnisse ihrer repräsentativen Altersvorsorge-Studie zusammen (siehe Infografik).

cornelia.hefer@handwerk-magazin.de