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ifo Wirtschaftsklima: im Euroraum im 4. Quartal 2014 verschlechtert

Wie das ifo Institut mitteilt, hat sich der ifo Index für die Wirtschaft im Euroraum im vierten Quartal deutlich verschlechtert. Der Index sank von 118,9 auf 102,3 Punkte.

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102,3 Punkte sind der niedrigste Wert seit dem dritten Quartal 2013. Damit liegt er leicht unter seinem langfristigen Durchschnitt. Sowohl die Beurteilung zur Wirtschaftslage als auch die Konjunkturerwartungen für die nächsten sechs Monate haben deutlich nachgegeben. Eine hohe Arbeitslosigkeit, fehlende Nachfrage und öffentliche Haushaltsdefizite führen weiterhin die Liste der drängendsten Wirtschaftsprobleme an. Ein Ende der Konjunkturschwäche zeichnet sich derzeit nicht ab.

Wirtschaftslage in fast allen europäischen Ländern schlechter

In fast allen Ländern des Euroraums hat sich den befragten Experten zufolge die aktuelle Wirtschaftslage gegenüber dem Vorquartal verschlechtert. Vor allem in Deutschland wird die wirtschaftliche Situation deutlich pessimistischer gesehen als noch in den vergangenen Quartalen. Aber auch in Italien und Frankreich sinken die Werte für die aktuelle Lage.

Optimismus in lediglich in einigen Krisenländern

Optimistische Signale kommen lediglich aus Spanien und Portugal: Dort erhielt die aktuelle Lage die besten Beurteilungen seit fast sechs Jahren. Allerdings liegen sie auch damit noch weit im ungünstigem Bereich.

Der Optimismus hinsichtlich der künftigen Entwicklung in den nächsten sechs Monaten hat nahezu überall nachgelassen. Lediglich in Portugal und Slowenien verbesserten sich die Konjunkturerwartungen gegenüber der vorherigen Umfrage. Die Inflationserwartungen für 2014 wurden nochmals zurückgenommen. Dementsprechend erwarten die WES-Experten für die nächsten sechs Monate weiterhin unveränderte kurzfristige Zinsen

ifo Institut revidiert Konjunkturprognose für Deutschland nach unten

Bereits am Mittwoch hat das ifo Institut seine Konjunkturprognose für 2014 für Deutschland nach unten korrigiert. „Die Konjunkturabteilung des ifo Instituts rechnet gegenüber der Herbstprognose, in der ein BIP-Wachstum von 1,3 Prozent für dieses Jahr veranschlagt wurde, mit einer weiteren Abschwächung. Der neueste Mittelwert der Prognose für Deutschland liegt nach vorläufiger Schätzung nochmals ein Stück tiefer, in der Gegend von etwa einem Prozent. Dabei muss man bedenken, dass der Unsicherheitsbereich solcher Prognosen auch zum jetzigen Zeitpunkt noch hoch ist“, sagte der Präsident des ifo Instituts, Hans-Werner Sinn. Als Begründung führte Sinn an, dass der weitere Rückgang des ifo Geschäftsklimaindexes von Ende Oktober auf eine Stagnation zum Jahresende hindeute.

Kritik an der Niedrigzinspolitik der EZB

Des Weiteren kritisierte der ifo-Präsident die Niedrigzinspolitik der EZB. Das führe zu gewaltigen Umverteilungseffekten zwischen Schuldner- und Gläubigerländern. Deutschland stehe als größtes Gläubigerland in Europa auf der Verliererseite. Im Vergleich zu einer Situation, in der die Ertragsraten der Vorkrisenzeit weiterhin gegolten hätten, habe Deutschland während der ersten sechs Krisenjahre bereits 242 Mrd. Euro an Zins- und Kapitaleinkünften verloren.

Pro Jahr gingen derzeit weitere rund 65 Milliarden Euro verloren. Das sei zum Teil ein Ergebnis von Gewinneinbrüchen während der Krise, zum Teil sei es aber auch das Ergebnis bewusster Politikentscheidungen. Die sechs Krisenländer wie Spanien und Griechenland seien umgekehrt während der ersten sechs Krisenjahre in den Genuss von Zinsentlastungen in Höhe von mindestens 285 Milliarden Euro gekommen. Pro Jahr betrage die Zinsentlastung dieser Länder ebenfalls  etwa 65 Milliarden Euro, oder 3 Prozent ihrer Nettoauslandsschulden. 

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