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Interview Sebastian Schips, Geschäftsführer "meine möbelmanufaktur" „Ich habe mir in Sachen Online-Shops und Automation viel selbst beigebracht“

Vom traditionellen Handwerksbetrieb zum Online-Möbelhersteller: Sebastian Schips hat die Schreinerei seiner Eltern komplett verändert. Automatisierung: Ganz oder gar nicht, ist Devise des Chefs von „meine möbelmanufaktur“.

handwerk magazin: Herr Schips, wie überträgt man eine Schreinerei ins Internet?

Sebastian Schips: Schreinereien haben in den vergangenen Jahren zunehmend Konkurrenz von Onlinehändlern bekommen. Ich wollte die Vorteile des Internets nutzen, um den Betrieb meiner Eltern zu retten. Daraus sollte kein reiner Möbelhandel werden, denn so würde die Schreinerei nichts mehr produzieren. Zwar sollte der Kunde online bei meine möbelmanufaktur bestellen können – aber dabei nicht nur Bilder durchklicken, sondern sein eigenes Produkt zusammenstellen. So kam ich auf die Idee mit dem Konfigurator, über den jeder automatisiert ein passgenaues Möbelstück kreieren kann. Die Schreinerei führt die online generierten Aufträge dann aus. 

Wie schafft man als Handwerker mit wenig digitalem Vorwissen ein neues Geschäftsmodell?

Schips: Das war tatsächlich eine aufwändige Umstellung. Ich habe mir viel selbst beigebracht, mich nach Feierabend in Programmiersprachen eingelesen und den Konfigurator Stück für Stück zusammengebastelt. Dieses Wissen musste ich dann den Mitarbeitern vermitteln, was eine große Herausforderung war. Aber ich dachte: Ganz oder gar nicht. Nur kleine Änderungen nebenher hätten nicht funktioniert. Inzwischen sind alle Mitarbeiter auf dem Level, dass sie jede Neuerung mit relativ wenig Aufwand übernehmen können. Stellen wir einen neuen Mitarbeiter ein, rechnen wir mit einem halben Jahr, bis er alle Prozesse verstanden hat.

Der Konfigurator automatisiert die Kundenkommunikation. Inwiefern haben Sie auch die interne Arbeit verändert?

Schips: Wir haben in der Produktion eher aufwändige und unbeliebte Aufgaben automatisiert, zum Beispiel um CNC-Programme für die Maschinensteuerung zu erstellen. Ein Mitarbeiter müsste sonst das Programm von Hand schreiben, was sehr zeitintensiv und fehleranfällig ist. Auch die interne Fertigungssteuerung haben wir selbst entwickelt und automatisiert. Zurzeit arbeiten wir vor allem daran, wie wir die Mitarbeiter durch mehr Automatisierung entlasten können, zum Beispiel beim Heben von schweren Gegenständen.

Wie bleibt traditionelles Handwerk dabei erhalten?

Schips: Nach wie vor führen ausgebildete Schreiner das Handwerk aus. Auch wenn der Handwerker zum Beispiel die schwere Platte von einer Maschine heben lässt, legt er doch am Ende selbst Hand an. Der Konfigurator automatisiert die Kommunikation mit dem Kunden. Und wir können auch speziellere, komplexe Aufträge wirtschaftlich umsetzen.

Welchen Tipp geben Sie Unternehmern, die einen ähnlichen Weg einschlagen wollen?

Schips: Die Mitarbeiter sollten immer mit den neuesten Änderungen Schritt halten können. Interne Schulungen und praktische Übungen sind deshalb sehr wichtig.

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