Betriebsteuern -

Investitionsabzugsbetrag So finanzieren Sie günstig mit dem Fiskus

Steht der Kauf neuer Maschinen oder teurer Arbeitsmittel an, gewährt Ihnen der Staat mit dem Investitionsabzugsbetrag einen Steuervorteil. So schöpfen Sie die Potenziale voll aus.

Themenseiten: TS Steuerstrategien und TS Betriebsprüfung

Christian Kucz bewegt sich mit seiner Firma FabriCar im bayerischen Bad Aibling steil auf Wachstumskurs. Der Handwerksmeister führt einen Betrieb für Karosserie- und Fahrzeugbau mit 21 Mitarbeitern. Die Firma bietet neben den klassischen Leistungen eines Kfz-Handwerksunternehmens auch Unfallinstandsetzungen und Lackierarbeiten. Weil die gemieteten Räumlichkeiten des Betriebes vor fast vier Jahren zu eng wurden, investierte der Unternehmer in eine neue Immobilie. "Wir haben im Zuge des Umzugs diverse Einrichtungsteile sowie Werkzeuge und Maschinen anschaffen müssen. Darüber hinaus tauschten wir eine bestehende Betriebsvorrichtung, eine Lackierkammer, aus", erinnert sich der Firmenchef. Dafür sicherte sich Kucz bereits in der Planungsphase vor dem Kauf einen Steuervorteil. Er bildete einen sogenannten Investitionsabzugsbetrag (IAB).

Unternehmer können mithilfe des IAB für künftige Anschaffungen große Ausgaben vorab steuerlich geltend machen – und zwar für bis zu drei Jahre im Voraus, wenn sie bestimmte Höchstgrenzen einhalten. "Der eigentliche Vorteil beim Investitionsabzugsbetrag ergab sich für uns daraus, dass wir im Jahr seiner Bildung aufgrund unseres recht guten Ergebnisses einen hohen Steuersatz hatten. Deshalb wirkte sich der Abzugsbetrag recht deutlich aus", sagt Kucz.

Überblick über Chancen und Risiken des Investitionsabzugsbetrags verschaffen

Das gesamte Projekt bereitete er gemeinsam mit einem Experten der renommierten Kanzlei Ecovis vor. Andreas Kannengießer hat sich als Steuerberater mit Sitz in Rosenheim auf die Betreuung mittelständischer Firmen spezialisiert. Mindestens einmal im Monat realisiert er für einen seiner Mandanten einen Investitionsabzugsbetrag. Unternehmer Kucz unterstützte er auch bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung der Investitionen, bei der Liquiditätsplanung sowie bei der steueroptimalen Gestaltung. "Die Vorgaben für den Investitionsabzugsbetrag wurden Anfang 2017 nochmals gelockert. So können heute noch mehr Betriebe als früher davon profitieren", sagt Kannengießer.

Grund genug also, sich über die Chancen und Risiken dieses Steuer-Instrumentes einen Überblick zu verschaffen. Unternehmer können für geplante Anschaffungen bis zu 40 Prozent ihrer Ausgaben vorab steuerlich geltend machen. Maximal 200.000 Euro akzeptiert der Fiskus für den Vorabzug. Das Betriebsvermögen darf im vorangegangenen Jahr maximal 235.000 Euro betragen. Für Einnahmen-Überschuss-Rechner gilt eine Grenze von 100.000 Euro beim steuerlichen Gewinn. Das bestätigte jetzt auch nochmals das Finanzgericht Schleswig-Holstein. Ein Selbstständiger (Az.: 4 K 37/16) hatte geklagt. Die Kappung, so seine Meinung, verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz und sei daher verfassungswidrig. Die Richter verneinten das.

Unternehmen in der Verlustzone sollten auf Investitionsabzugsbetrag verzichten

Der Investitionsabzugsbetrag erweist sich in den meisten Fällen für Unternehmen als sinnvoll. "Es ist Sinn und Zweck, Steuern zu senken und Investitionen zu fördern", sagt Kannengießer. Bei Firmen, die sich dagegen in der Verlustzone befinden, sieht das etwas anders aus. "Der IAB würde die Verluste noch erhöhen. Für diese Firmen ist es besser, darauf zu verzichten“, so der Steuerberater. Innerhalb von drei Jahren muss der Firmenchef dann investieren – und zwar in ein bewegliches Wirtschaftsgut des Anlagevermögens. "Das kann auch gebraucht sein", so Kannengießer. Unter den IAB fallen etwa die Anschaffung einer Maschine oder Betriebs- und Geschäftsausstattung.

Besondere Vorsicht ist allerdings beim Firmenwagen geboten. Hintergrund: Das Wirtschaftsgut muss nach der Anschaffung zu mindestens 90 Prozent betrieblich zum Einsatz kommen. Die Regel greift bis Ende des Folgejahres nach dem Kauf. Im Anschaffungsjahr und im darauf folgenden Jahr muss es im Betrieb bleiben.

Grenzwerte während der Ansparphase nicht überschreiten

Wer also beim Firmenwagen seine private Nutzung pauschal mit der Ein-Prozent-Methode versteuert, bekommt in der Regel ein Problem. Das Finanzamt geht gleich von einem höheren Privatanteil aus – und verweigert den IAB. So sehen das auch das Finanzgericht München (Az.: 7 K 2748/13) sowie das Finanzgericht Sachsen-Anhalt (Az.: 2 K 1191/12). Wer also seinen Geschäftswagen privat nutzen will, muss unbedingt ein Fahrtenbuch führen, um im Zweifel eine 90-prozentige Nutzung dokumentieren zu können. Beim Firmenwagen (wie auch prinzipiell bei anderen Wirtschaftsgütern) kann sich noch eine weitere Hürde ergeben: Die Grenzwerte darf man während der Ansparphase nicht überschreiten.

Angenommen, ein Unternehmer hat seinen Privatwagen in einem Jahr zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt, weil ihm kein anderes Auto für lange Strecken zur Verfügung stand – dann wird es automatisch der Firma zugeordnet und erhöht damit das Betriebsvermögen, wenn es auch fälschlicherweise nicht bilanziert wird. "Der Investitionsabzugsbetrag kann dann rückwirkend unzulässig werden, falls der Grenzwert von 235.000 Euro so überschritten wird. Bei der nächsten Betriebsprüfung fällt das auf. Steuernachzahlungen sind eine Folge", so Silke Grieger, Steuerberaterin der Kanzlei Ecovis in Rostock, die sich unter anderem auf Handwerksbetriebe und steuerliche Optimierung von Unternehmensstrukturen spezialisiert hat. Die Expertin weiß aber aus ihrer Beratungspraxis, wie vorteilhaft der IAB sonst für die Firmen sein kann. "Für Unternehmer, deren Geschäfte rund laufen, ist er eine tolle Möglichkeit, um die Steuern zu drücken", fasst sie zusammen.

Investitionsabzugsbetrag kann auch nachträglich gebildet werden

Handwerkschef Kim Buttron nutzte den Investitionsabzugsbetrag für seinen Fuhrpark. Er ist Geschäftsführer des Heizungsbetriebes Buttron Rechtenbach GmbH in Hungen mit vier Mitarbeitern. Er bildete drei Jahre vor dem Kauf von zwei Firmenwagen, die ausschließlich betrieblich genutzt sind, den Abzugsbetrag. Im Jahr der Anschaffung löste er wie vom Fiskus vorgesehen den IAB wieder auf. "Wir erstellen jedes Jahr eine Investitionsplanung und überlegen dann, wie viel Geld wir dafür ausgeben werden. Wir avisieren auch, in welchem Monat und Jahr wir die Anschaffung vornehmen", sagt Buttron. Das ist dann die Grundlage, mit der er den Investitionsabzugsbetrag kalkuliert. "Wir wollen uns von Anfang an in einem realistischen Rahmen bewegen", so Buttron. Dabei muss er die einzelnen vorgesehenen Anschaffungen nicht einmal benennen. "Diese strenge Regel wurde zum Jahresanfang 2017 aufgehoben", sagt Steuerexperte Kannengießer. So können Unternehmer das Instrument einfacher ausschöpfen. Schließlich ergibt sich in jedem Jahr im Unternehmen ein Ersatzbedarf an beweglichen Wirtschaftsgütern.

Der IAB darf sogar noch nachträglich gebildet werden – und der Firmenchef kann ihn später sogar noch aufstocken. Man muss bedenken: Viele Betriebsprüfungen enden mit einer satten Nachzahlung. "Lässt sich ein Investitionsabzugsbetrag im Nachhinein noch bilden, kompensiert er die Nachsteuern", so Kannengießer. Das gilt für Jahre, in denen die Steuerveranlagung noch offen ist. Für den Fiskus ist es darüber hinaus nur relevant, dass bezogen auf den Zeitpunkt der Bildung bereits beim Unternehmer die Absicht bestand, zu investieren.

Investitionsabzugsbetrag ist kein zinsloses Fiskus-Darlehen

Den IAB einfach als Chance zum Steuernsparen zu nutzen, funktioniert nicht. Falls beispielsweise eine Maschine am Ende doch nicht angeschafft wird, ist er wieder rückgängig zu machen. Das führt zu einer Steuernachzahlung plus Zinsen. Und zwar rückdatiert auf den Zeitpunkt der Bildung. Der Zinssatz liegt bei sechs Prozent per anno.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Fällt die Entscheidung gegen die Investition innerhalb von 15 Monaten nach Ablauf des Jahres, in dem er gebildet wurde, wird er kostenneutral wieder aufgelöst. "Es kann aber sein, dass der Fiskus dann nochmals nach den Gründen fragt", sagt Grieger.

Steuervorteil durch Sonder-AfA erhalten

Im Idealfall wird der IAB erst planmäßig bei Anschaffung des Wirtschaftsgutes aufgelöst. Der Gewinn erhöht sich, doch ein legaler Rechentrick erhält einen Großteil des Steuervorteils: Zur regulären AfA kommen 20 Prozent Sonder-AfA. Der Investitionsabzugsbetrag lohnt sich deshalb für viele Handwerksunternehmer. "Der IAB ist immer auf den Einzelfall abzustellen. Dieser ist mit Blick auf die Steuersituation, also die Progression zu prüfen – und auch mit Blick auf die jeweilige Liquiditätslage", so Kannengießer.

Michael Steinert, stellvertretender Abteilungsleiter Betriebswirtschaftliche Beratung der Handwerkskammer Wiesbaden, sieht das ähnlich. Der betriebswirtschaftliche Berater unterstützt Handwerkschefs bei ihren Investitionsentscheidungen. "Am Ende sollten aber immer die betrieblichen Belange im Vordergrund stehen und erst im nächsten Schritt die steuerlichen Details diskutiert werden", so der Experte. "Es wird sicherlich niemand allein aus fiskalischen Gründen Geld ausgeben."

Übersicht: Darauf achtet der Fiskus

Die Finanzbeamten nehmen den Investitionsabzugsbetrag in der Regel gründlich unter die Lupe. Er zählt zu den wichtigsten Prüfschwerpunkten der Fiskaldiener. Bei den folgenden Unternehmertypen schauen deutsche Finanzämter erfahrungsgemäß besonders genau hin:

Gründer

Wer seinen Betrieb erst aufbaut und noch nicht am Markt aktiv ist, kann den IAB auch schon bilden. Es ist nicht wichtig, dass bereits Umsätze erzielt werden. Die Firma muss sich aber in der Eröffnungsphase befinden. Konkret heißt das: Die Kredite sollten schon beantragt sein, das Gewerbe angemeldet und Kostenvoranschläge vielleicht ebenfalls schon vorliegen. Das sollte der Jungunternehmer gut dokumentieren.

Insolvente Unternehmer

Unternehmer dürfen den Investitionsabzugsbetrag nicht dafür einsetzen, in schwierigen Zeiten ihre Liquidität durch die erzielte Steuerersparnis zu steigern. Zeichnet es sich also ab, dass der Betrieb nicht mehr investieren kann, muss der IAB aufgelöst werden. Es handelt sich sonst um Steuerverkürzung, also Steuerhinterziehung. Spätestens am Tag der Insolvenz sollten Unternehmer aktiv werden – und das Problem mit dem Steuerberater klären.

Nachfolger

Im letzten Wirtschaftsjahr vor einer Staffelübergabe an die nächste Generation durfte in der Vergangenheit von den Übergebern kein Abzugsbetrag für geplante Investitionen mehr gebildet werden. Mittlerweile geht das: Der Bundesfinanzhof hat den generationenübergreifenden IAB möglich gemacht (Az.: IV R 14/12). Wer hier aktiv wird, sollte sich seine Investitionsabsicht aber gut überlegen und das Vorhaben dokumentieren, falls Nachfragen kommen.

Vergleich: Der Investitionsabzugsbetrag als Finanzierungsinstrument

Der Investitionsabzugsbetrag verschafft dem Unternehmer einen Liquiditätsvorteil durch die anfängliche Steuerersparnis. Hier eine Kreditfinanzierung im Vergleich zum IAB:

Angenommen der Handwerkschef investiert 375.000 Euro in eine neue Maschine und nutzt dazu noch 25.000 Euro Eigenkapital, bei einem Steuersatz von 38 Prozent. Der IAB beträgt 150.000 Euro und die daraus resultierende Steuererstattung dann 57.000 Euro. Wenn er eine Kreditfinanzierung ohne Steuerersparnis vornehmen würde, ergibt sich bei einer Laufzeit von fünf Jahren eine Tilgung von 70.000 Euro. Bei einem Zinssatz von 2 Prozent zusätzlich 7.000 Euro im ersten Jahr.

Alternative IAB:

Der Unternehmer bildet im Vorjahr des Kaufs einen Inves­titionsabzugsbetrag. Er erzielt eine Steuer-ersparnis von 57.000 Euro, wenn er zeitnah seine Steuererklärung abgibt. Die Liquidität, die der Unternehmer durch den IAB gewinnt, lässt sich direkt für die Investition nutzen. Die Steuerersparnis im ersten Jahr beläuft sich auf 57.000 Euro bei einem Steuersatz von 38 Prozent. Der Kredit reduziert sich dadurch auf 293.000 Euro (350.000 Euro abzüglich 57.000 Euro Steuerersparnis).

Musterrechnung: Steuervorteil des Investitionsabzugsbetrags nutzen

Dass der Investitionsabzugsbetrag bares Geld wert ist, zeigt die Musterrechnung. So viel Steuern kann ein Unternehmer sparen, wenn er 150.000 Euro in eine Maschine mit einer Nutzungsdauer von zwölf Jahren laut AfA-Tabelle investiert:

Position Betrag
Anschaffungskosten Maschine 150.000 €
40% Investitionsabzugsbetrag 60.000 €
Steuerersparnis bei 40% Steuersatz 24.000 €
Auflösung Investitionsabzugsbetrag von 60.000 €:
AfA-Grundlage (150.000 € – 60.000 € IAB)
= 90.000 €
20% Sonder - AfA von 90.000 € 18.000 €
8,33 % reguläre AfA von 90.000 € + 7.497 €
AfA insgesamt = 25.497 €
Steuerersparnis (von 25.497 € bei 40% Steuersatz) = 10.199 €
Steuerersparnis insgesamt (24.000 € + 10.199 €) = 34.199 €



Verwandte Inhalte
© handwerk-magazin.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen