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Uhrenmekka im Porträt Glashütte: 175 Jahre Uhrmacherhandwerk aus Sachsen

Eine Kleinstadt, die mit Handwerk Karriere machte: Glashütte ist ein verschlafenes Örtchen im sächsischen Müglitztal, das in den letzten 175 Jahren zum deutschen Uhrenmekka wurde. Die knapp zehn Marken der Stadt sind für viele Uhren-Fans immer eine Geschenkidee – egal ob Weinachten oder Geburtstagsfeier.

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Das Zifferblatt einer Uhr ist Teil des Stadtwappens von Glashütte, da­rüber kreuzen sich zwei Hämmer: ein Anblick, der viel sagt über die Historie des kleinen Städtchens, die vor 175 Jahren eine entscheidende Wendung nahm. Denn 1875 wurde das Uhrmacherhandwerk in Glashütte heimisch – zuvor war dort der Bergbau am wichtigsten gewesen. Doch mit dem Versiegen der Kupfer- und Silbervorräte holte man den Dresdener Uhrmacher Ferdinand Adolph Lange nach Glashütte, der dort die erste Uhrenfabrikation eröffnete.

Ein Anfang mit Folgen: Heute gilt die von ihm gegründete Manufaktur A. Lange & Söhne als eine der feinsten Adressen in Deutschland. Und das Handwerk rund um die Zeit sorgt dafür, dass die ganze Stadt prosperiert.

Wiederaufbau nach der Wiedervereinigung 1990 

Dass dies heute noch – oder besser wieder – so ist, hat mit dem Urenkel von Ferdinand Adolph Lange zu tun, mit Walter Lange. Nach der Wiedervereinigung begann er den Wiederaufbau des Familienunternehmens, das mit Gründung der DDR enteignet worden war. Die Enteignung betraf alle örtlichen Uhrenfirmen, die man im volkseigenen Betrieb VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) ­zusammenfasste.

In Glashütte ist man ­heute der Meinung, dass es ohne Walter Langes entschlossenen Neuanfang keine florierende Uhrenindustrie in Sachsen gäbe. Deshalb wurde ihm in Glashütte ein Denkmal gesetzt: Auf dem Platz vor der St.-Wolfgang-Kirche steht seit wenigen Wochen Walter Lange in Bronze.

"Glashütter Regel": Mindestens 50 Prozent der Wertschöpfung findet vor Ort statt 

Das Erbe pflegen heute knapp zehn Marken, die vor Ort ihre Uhren herstellen. Das ist so vorgeschrieben: Laut der „Glashütter Regel“ darf eine Uhr nur dann die Herkunftsbezeichnung „Glashütte“ tragen, wenn mindestens 50 Prozent der Wertschöpfung am Uhrwerk vor Ort geleistet werden. Das tun neben A. Lange & Söhne unter anderem Nomos Glashütte, Moritz Grossmann, Union Glashütte, Mühle-Glashütte und Wempe. Zu diesem kleinen, feinen Kreis gehört auch Glashütte Original. Die Marke hegt und pflegt die Uhrmacherkunst und hat bei Uhrwerken eine Fertigungstiefe von mehr als 95 Prozent.

Der Tradition hat sich auch Nomos Glashütte verschrieben. 1990 von Roland Schwertner gegründet, ging es stets um erschwingliche Mechanik. Mit Erfolg: Nach eigenen Angaben baut niemand in Deutschland mehr mechanische Uhren als Nomos – alle mit eigenen Uhrwerken. Und das ist laut Geschäftsführer Uwe Ahrendt wesentlich für Glashütte: „Unsere Stadt ist vielleicht nicht die schönste und auch nicht besonders groß. Aber was die Menschen hier leisten und vorantreiben – das ist für mich etwas Besonderes. Das lässt mich für die nächsten 175 Jahre Gutes hoffen.“

Jubiläum wird mit Sondermodellen gefeiert:

Glashütte Original
Glashütte Original

widmet dieses Sondermodell dem Glashütter Uhrmacher Helwig, der vor 100 Jahren ein Fliegendes Tourbillon konstruiert hat.

Das Tourbillon sorgt durch seine Bewegung dafür, dass sich die Schwerkraft nicht negativ auf die Präzision der Uhr auswirkt. „Fliegend“ heißt, dass es nur einseitig gelagert ist – wie beim Handaufzugswerk der Golduhr „Alfred Helwig Tourbillon 1920“.

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NOMOS Lambda white
Nomos Glashütte

feiert das Jubiläum der Uhrmacherkunst in Glashütte mit dem Sondermodell „Lambda“ aus Edelstahl mit weißem, schwarzem oder blauem Zifferblatt. Dessen Optik ist unverwechselbar: In der oberen Hälfte wird die Gangreserve des Automatikwerks in einem großzügigen Bogen angezeigt, darunter steht lediglich die durch eine feine Skalierung angedeutete
Kleine Sekunde.

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„Homage to F.A. Lange“
A. Lange & Söhne:

Mit der Jubiläumsedition „Homage to F.A. Lange“ feiert die Manufaktur ein Doppeljubiläum: das 175-jährige der Gründung sowie den 30. Jahrestag der Wiedergründung durch Walter Lange.

Von links: Handaufzugsmodell „1815 Thin Honeygold“, der Handaufzugs- Chronograph „1815 Rattrapante Honeygold“ sowie „Tourbograph Perpetual Honeygold“ mit Tourbillon und ewigem Kalender.


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