Gehaltsvergleich im Baugewerbe: Lohnen sich Führungspositionen?

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Lohn- und Gehalts-Check

Ob es sich lohnt, im Bauhandwerk eine Führungsposition einzunehmen, hat handwerk magazin in einem Lohnvergleich bei drei Berufsfeldern untersucht. Das Ergebnis wirft einige Fragen auf.

In Branchen wie Bau oder Metall und Elektro gibt es bereits einheitliche Versorgungswerke. – © sykono/iStockphoto

Lohnt sich Qualifikation im Baugewerbe? handwerk magazin hat anhand des Online-Gehaltschecks „lohnspiegel.de“ untersucht, wie groß die Unterschiede in der Entlohnung zwischen Arbeitnehmern mit und ohne Führungsposition sind.

Im Baugewerbe gilt seit dem 01. 12. 2011 ein neuer Mindestlohntarifvertrag: Ungelernte Arbeitnehmer verdienen demnach mindestens 10 Euro Bruttostundenlohn im Osten, und 11,05 im Westen und in Berlin. Für gelernte Arbeitnehmer und Fachwerker gilt im Westen ein Bruttostundenlohn von mindestens 13,40 Euro (Berlin 13,25 Euro). Im Osten allerdings ist die Regelung für gelernte Fachkräfte entfallen, hier gilt für alle Arbeitnehmer im Baugewerbe die Untergrenze von 10 Euro, ungeachtet deren Qualifikation.

Mindestlohn hat zu Lohnangleichung im Osten geführt

Diese Situation hat in den neuen Bundesländern dazu geführt, dass sich die Löhne gelernter und ungelernter Arbeiter angeglichen haben, wie das Ergebnis einer groß angelegten Untersuchung zeigt. Facharbeiter werden nur geringfügig besser entlohnt als einfache Arbeiter. Die Autoren der Studie sehen dies als ein gefährliches Signal an die Arbeitnehmer, „dass sich…

…eine Investition in Ausbildung oder Qualifikation weniger lohnt.“

Anhand des Online-Gehaltschecks haben wir Fallbeispiele für Maurer, Straßenbauer und Fliesenleger durchgespielt. Fach- und ungelernte Arbeiter können nach den Datensätzen zwar nicht verglichen werden, dafür aber der Bruttostundenlohn von Beschäftigten mit und ohne Leitungsfunktion. Die Gehaltsdaten sind jeweils berechnet für einen Mann mit 10 Jahren Berufserfahrung in einem Betrieb mit weniger als 100 Mitarbeitern:

Führungsverantwortung wird nicht groß entlohnt

Die Ergebnisse zeigen in Ost und West gleichermaßen keine großen Gehaltsunterschiede zwischen Beschäftigten mit und ohne Leitungsposition in den gewählten Berufsfeldern. Besonders gering ist der Unterschied bei den Fußboden- und Fliesenlegern in den neuen Bundesländern. Gerade einmal neun Cent mehr Bruttostundenlohn erhält laut lohnspiegel.de eine Führungskraft in dem Bereich (9,94 / 9,85 Euro). Auch die Maurer-Führungskräfte erhalten mit 11,26 Euro nur 54 Cent mehr Stundenlohn als ihre Kollegen ohne Vorgesetztenfunktion. Bei den Straßen und Tiefbauern schlägt sich die Leitungsposition immerhin mit einem Unterschied von 1,62 Euro (13,72 / 12,04 Euro) nieder.

In den alten Bundesländern…

…sind die Gehaltsunterschiede ähnlich ausgeprägt, wenn auch die Gehälter erwartungsgemäß wesentlich höher sind. So verdienen auch hier Fußboden- und Fliesenleger mit Leitungsposition nur 12 Cent mehr in der Stunde (13,27 / 13,15 Euro), bei Maurern sind es 68 Cent (14,41 / 13,73 Euro) und im Straßen- und Tiefbau ist der Gehaltsunterschied mit 2,10 Euro (17,14 / 15,04 Euro) wie im Osten im Verhältnis relativ deutlich ausgeprägt.

Fehlende Anreize zur Qualifikation?

Insgesamt werfen diese Ergebnisse die Frage auf, ob sich Leitungspositionen in den genannten Berufen wirklich lohnen. Die blanken Gehaltszahlen jedenfalls lassen vermuten, dass die Betriebe Anreize, Führungspositionen einzunehmen, nicht über die Bezahlung vermitteln. Das ist eine fragwürdige Situation – insbesondere deshalb, weil sie die Beschäftigten nicht dazu anregen dürfte, sich weiter zu qualifizieren.

Die Ergebnisse im Überblick:

Lohncheck Baugewerbe:
Die Zahlen nach Berufsfeldern (Bruttostundenlohn in Euro)
West: Mit Leitungsfunktion West: Ohne Leitungsfunktion Ost: Mit Leitungsfunktion Ost: Ohne Leitungsfunktion
Maurer: 14,41 13,7311,2610,72
Straßen- und Tiefbauer: 17,1415,0413,7212,04
Fußboden- und Fliesenleger: 13,2713,159,949,85
Fall: Mann, zehn Jahre Berufserfahrung, in einem Betrieb mit weniger als 100 Beschäftigten, bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden.