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Sachverständige im Handwerk: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Im Handwerk gibt es 6000 Sachverständige. Sie erstellen Gutachten über Waren, Leistungen und Preise von Handwerkern und unterstützen im Rahmen von Gerichtsverfahren den Richter darin, ein fachlich korrektes Urteil zu fällen. Hier die wichtigsten Fakten.

Themenseite: Sachverständige im Handwerk

1. Wer ist ein öffentlich bestellter Sachverständiger des Handwerks?

Öffentlich bestellte Sachverständige zeichnen sich durch besondere Sachkunde, Objektivität und Vertrauenswürdigkeit aus. Sie unterliegen der Aufsicht durch die zuständige Handwerkskammer.

Öffentlich bestellte Sachverständige sind alle Personen, die von einer öffentlich-rechtlichen Institution bestellt und vereidigt wurden. Nach § 91 Abs. 1 Nr. 8 der Handwerksordnung ist es Aufgabe der Handwerkskammer, Sachverständige zur Erstattung von Gutachten über Waren, Leistungen und Preise von Handwerkern und vom handwerksähnlichen Gewerbe zu bestellen und zu vereidigen.

2. Ist die Bezeichnung Sachverständiger rechtlich geschützt?

Nach § 404 Abs. 2 Zivilprozessornung (ZPO), oder auch § 73 Abs. 2 (Strafprozessordnung) StPO sollen öffentlich bestellte und allgemein vereidigte Sachverständige ausgewählt werden. Das Gesetz hat gute Gründe für die Bevorzugung der öffentlich bestellten Sachverständigen. Gutachter, die nicht ausreichend qualifiziert sind, können sich als Sachverständige bezeichnen und auf dem Markt betätigen, da in Deutschland die Bezeichnung "Sachverständiger" nicht rechtlich geschützt ist. Demgegenüber müssen öffentlich bestellte Sachverständige ihre besondere Sachkunde und ihre persönliche Eignung nachweisen und sich strengen Prüfungen unterziehen. Die Prüfung umfasst jeweils auch die persönliche Eignung, insbesondere die Zuverlässigkeit. Es besteht Fortbildungspflicht. Bei Pflichtverletzungen des Sachverständigen entzieht die Handwerkskammer die Zulassung durch Verwaltungsakt.

Die Bezeichnung als öffentliche bestellter Sachverständiger des Handwerks wie der von der Handwerkskammer verliehene Rundstempel, den nach richtiger Ansicht nur öffentlich bestellte Sachverständige verwenden dürfen, ist daher durchaus ein Gütesiegel.

3. Wer kann von der zuständigen Handwerkskammer als Sachverständiger des Handwerks bestellt und vereidigt werden?

Die Grundlagen und Voraussetzungen für die öffentliche Bestellung und Vereidigung ergeben sich im einzelnen aus den von den Handwerkskammern erlassenen Sachverständigenordnungen (SVO). Die SVO bestimmt das Auswahl- und Bestellungsverfahren, nach dem die Handwerkskammern die öffentliche Bestellung durchführen, normiert die Rechte und Pflichten der Sachverständigen und regelt die rechtlichen Beziehungen zwischen Sachverständigen und Handwerkskammer.

4. Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für die öffentliche Bestellung und Vereidigung zum Sachverständigen des Handwerks.

Grundsätzlich die Eintragung in die Handwerksrolle oder dem Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke oder handwerksähnlichen Gewerbe seit drei Jahren (praktische Erfahrung in unternehmerisch leitender Funktion eines Handwerksbetriebes).

Dann die persönliche Eignung. Die wird nachgewiesen durch ein polizeiliches Führungszeugnis, Auszug aus dem Gewerbezentralregister, Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Finanzamt und Krankenkasse.

Wichtig ist der Nachweis der besonderen Sachkunde (überdurchschnittliche Fachkenntnisse), der notwendigen praktischen Erfahrung sowie der Fähigkeit, Gutachten zu erstatten. Diese besondere Fachkunde wird nach einem von den Handwerkskammern ausgearbeiteten Verfahren, das neben der Erstellung eines Probegutachtens und eines schriftlichen Testes auch ein mündliches Fachgespräch vor einem kompetenten Ausschuss vorsieht, durch die Handwerkskammern mit Unterstützung des zuständigen Fachverbandes festgestellt.

Hinzu kommen geordnete wirtschaftliche Verhältnisse (evtl. Schufa-Auskunft).

5. Muss ein handwerklicher Sachverständiger in die Handwerksrolle eingetragen sein?

Ein Sachverständiger kann auch öffentlich bestellt und vereidigt werden, wenn er zur selbständigen Ausübung eines Handwerks berechtigt (Meisterprüfung, Dipl.-Ing.) ist, aber nicht eingetragen ist. Dafür muss er aber in den letzten zehen Jahren mindestens sechs Jahre in einem Handwerksbetrieb des Gewerkes, für das er bestellt werden will, praktisch tätig gewesen ist, davon mindestens drei Jahre als Handwerksunternehmer oder in betriebsleitender Funktion.

Außerdem muss er seine Niederlassung als Sachverständiger oder, falls eine solche nicht besteht, seinen Hauptwohnsitz im Bezirk der Handwerkskammer haben und die übrigen vorgenannten Voraussetzungen erfüllten.

6. Wo kann ein öffentlich bestellter Sachverständiger des Handwerks helfen?

Ein öffentlich bestellter Sachverständiger des Handwerks kann helfen, wenn

  • eine unabhängige fachliche Beratung oder Information benötigt wird,
  • ein Schaden beurteilt oder eine Schadensursache ermittelt werden,
  • eine Sache bewertet wird,
  • ein fachlicher Streit gerichtlich oder außergerichtlich geklärt werden muss,
  • der tatsächliche Zustand eines Gegenstandes, etwa zu Beweiszwecken, festgestellt werden soll.

7. Was machen Sachverständige bei Gerichtsverfahren?

Gutachten öffentlich bestellter Sachverständiger genießen eine hohe Glaubwürdigkeit und stellen oft die Basis einer gütlichen Einigung dar. Die Sachverständigen des Handwerks übernehmen bei gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen Kunden und Handwerkern die Rolle eines Helfers der Richter, die den Sachverstand dieser Fachleute zu Rate ziehen. Auch außerhalb eines Gerichtsverfahrens können sie als Privatgutachter tätig werden und sich gutachterlich äußern zu:

  • erbrachten handwerklichen Leistungen
  • noch zu erbringenden handwerklichen Leistungen
  • Kostenvoranschlägen, Sanierungskonzepten, Zeit- und Restwertermittlungen im Zusammenhang mit handwerklichen Leistungen

8. Was ist der Aufgabenbereich des öffentlich bestellten Sachverständigen des Handwerks?

Der Aufgabenbereich des öffentlich bestellten Sachverständigen des Handwerks lässt sich grob in die p rivate Sachverständigentätigkeit und die gerichtliche Sachverständigentätigkei t unterteilen. In beiden Bereichen gibt der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige des Handwerks Auskunft über Lehr- und Erfahrungssätze aus seinem Wissensgebiet. Er stellt Tatsachen aufgrund seines besonderen Wissens fest und beurteilt aufgrund seiner Sachkunde und seiner Erfahrung tatsächliche Sachverhalte, nimmt Stellung und erteilt fachlichen Rat. Rechtsfragen werden jedoch nicht von Sachverständigen beantwortet.

9. Wer kann einen öffentlich bestellten Sachverständigen des Handwerks beauftragen?

Grundsätzlich kann jedermann gegen Vergütung einen Sachverständigen mit einer Gutachtenerstellung beauftragen.

10. Was kostet ein Sachverständiger des Handwerks?

Der Sachverständige rechnet allein mit seinem Auftraggeber ab. Die Höhe der Abrechnung hängt vom Stundensatz des Sachverständigen und vom zeitlichen Umfang der Arbeit, die er für Sie leistet, ab. Die Honorare sind im Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz definiert und liegen, je nach Gewerk, zwischen 65 und 100 Euro pro Stunde. Hinzu kommen Fahrtkosten und Mehrwertsteuer.

11. Hat die Tätigkeit Vorteile für den eigenen Betrieb?

Vorteile für den eigenen Betrieb hat die Tätigkeit eher nicht: Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige müssen ihre Angebote von denen ihres Unternehmens strikt trennen, eine Vermischung ist nicht zulässig. Wer dagegen verstößt, riskiert die weitere Bestellung. Deshalb ist laut Experten auch dringend davon abzuraten, eine Sachverständigentätigkeit als Rettungsanker für einen maroden Betrieb anzusehen.

12. Wie muss ein Gutachten aussehen?

Mit zwei Sätzen ist es nicht getan – ein Gutachten muss formal und inhaltlich bestimmten Anforderungen genügen. In der Regel sind Gutachten von öffentlich durch die Handwerkskammern bestellten und vereidigten Sachverständige schriftlich vorzulegen; auf Aufforderung durch das Gericht müssen sie jedoch auch in Verhandlungen mündlich erläutert werden.

Das Gutachten muss allgemeinverständlich sein, Fachausdrücke und Fremdwörter müssen vor allem beim mündlichen Vortrag erläutert werden. Das Gutachten darf ausschließlich auf die Fragestellung des Auftraggebers Bezug nehmen. Es muss im Interesse aller Beteiligten und entsprechend dem in der Fragestellung strukturierten Beweisbeschluss übersichtlich gegliedert sein.

Bei Gerichtsgutachten sind die Beweisfragen, die beantwortet werden sollen, aus dem Beweisbeschluss des Gerichtes als einleitende Fragestellung aufzunehmen. Bei Privatgutachten sollte der Inhalt des Auftrages, also die dem Sachverständigen vorgelegten Fragen, an den Anfang des Gutachtens gestellt werden.

War ein Ortstermin Bestandteil der Gutachtertätigkeit, muss angegeben werden, wer wann geladen worden ist, wann der Ortstermin stattgefunden und wer daran teilgenommen hat. Zudem sollte knapp der Ablauf des Ortstermins dargestellt werden.

Der Sachverständige sollte festhalten, welche Arbeitsunterlagen gegebenenfalls einbezogen wurden.

Der Hauptteil des Gutachtens setzt sich aus folgenden Bereichen zusammen: möglichst detaillierte Beschreibung des Ist-Zustandes unter Beachtung der dem Gutachten vorangestellten Frage; Darlegung des Soll-Zustandes und Vergleich mit der Leistungsvereinbarung; Beurteilung der Leistung.

Hat der Sachverständige den Auftrag, Rechnungen oder Preise zu prüfen, sollte er die einzelnen Rechnungsposten wie bei einem detaillierten Angebot angeben. Nur so ist es dem Adressaten des Gutachtens möglich, wirklich vergleichen zu können.

An den Schluss gehören die Formel „Vorstehendes Gutachten habe ich nach bestem Wissen und Gewissen neutral und objektiv erstattet“ sowie Stempel und Unterschrift.

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