Wirtschaft -

EEG: Die Kleinen werden bei der Energiewende nicht entlastet

Keine Rabatte für Handwerksbetriebe mit hohem Energieverbrauch, eine Umlagepflicht für Eigenverbraucher – das neue EEG, das am 1. August in Kraft tritt, enthält bittere Pillen für das Handwerk und neue Herausforderungen.

Themenseite: EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz)

Auf Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist Hermann Gütler derzeit gar nicht gut zu sprechen. „Die Reform des EEG- Gesetzes ist eine mittlere Katastrophe“, schimpft der Inhaber der Stelzenmühle nahe Bad Wurzach. „Gegenüber großen Industrieunternehmen werden kleine und mittlere Betriebe weiter massiv benachteiligt.“

Müller Gütler kann diese Behauptung mit konkreten Zahlen untermauern. Rund 10 000 Tonnen Dinkel, Roggen und Weizen verarbeitet er im Jahr. Hierfür benötigt er ungefähr 0,7 Gigawattstunden (GWh) Strom. Für diesen muss er den bisherigen Regierungsplänen zufolge die EEG-Umlage in voller Höhe bezahlen. Das macht bei 0,0624 Euro pro kWh satte 43 680 Euro. Er profitiert also auch in Zukunft nicht von Ausgleichsregelungen für Unternehmen mit besonders hohem Energieverbrauch. Denn für Strom, der oberhalb des Schwellenwerts von einer GWh verbraucht wird, müssen lediglich zehn Prozent EEG-Umlage gezahlt werden. Ab zehn GWh werden sogar nur ein Prozent Umlage für Unternehmen berechnet.

Die neue Ausgleichsregelung für stromverschlingende Industriebranchen ist einer der Eckpfeiler der EEG-Reform. Auch nach deren voraussichtlichem Inkrafttreten am 1. August 2014 müssen Industrieunternehmen aus 68 Branchen nur dann die volle Umlage zahlen, wenn die Stromkosten niedriger als 16 Prozent der Bruttowertschöpfung sind. Die großzügigen Beihilfeleitlinien, die die EU-Kommission am 9. April vorlegte, machen dies möglich.

Umlage für Eigenversorger

Weitere Eckpunkte der Reform sind Mengenbegrenzungen und reduzierte Vergütungssätze für alle erneuerbaren Energien. Außerdem sollen auch Betriebe, die ihren Öko-Strom selbst produzieren (sogenannte Eigenversorger), die EEG-Umlage bezahlen. Wollen sie weiteren Strom in öffentliche Netze einspeisen, müssen sie diesen selbst vermarkten (siehe Kasten).

© handwerk-magazin.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen