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Familienplanung: Wenn Handwerkerchefs in Elternzeit gehen

Gleiches Recht für alle: Auch Arbeitgeber haben bei der Geburt eines Kindes Anspruch auf Elternzeit. Rechtsanwältin Bettina Trojan erklärt, worauf es beim Elterngeld für Selbständige ankommt.

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Berechnungsgrundlage

Bei Selbstständigen dient das Kalenderjahr vor der Geburt des Kindes als Berechnungsgrundlage. Dabei wird von dem Gewinn eine Pauschale für bestehende Pflichtversicherungen abgezogen: für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung (9 Prozent), gesetzliche Rentenversicherung (10 Prozent), Arbeitslosenversicherung (2 Prozent) und eventuell die Kirchensteuer (8 Prozent). Dieser Betrag wird bei Selbständigen nach Steuerklasse 4 ohne Faktoren versteuert. Was danach übrig bleibt, wird als Berechnungsgrundlage für das Elterngeld in Höhe von 65 beziehungsweise 67 Prozent herangezogen. Wie Festangestellte beziehen auch Selbstständige als Sockelbetrag mindestens 300 Euro pro Monat, maximal beträgt das Elterngeld auch bei ihnen 1800 Euro.  

Gewinnanrechnung

Der Geldzufluss während der Elterngeldbezugszeit wirkt sich grundsätzlich schädlich aus und zwar unabhängig davon, wann er erarbeitet wurde. Weil der Gewinn voll auf das Elterngeld angerechnet wird, sollten Selbständige nach Empfehlung von Expertin Trojan ihren Gewinn ständig im Blick haben. Bei hohen Gewinnen sei eine Investition in Anlagen und Maschinen jedoch wenig sinnvoll, da diese steuerlich nicht voll auf den Monat angerechnet werden.

Ersatzbeschäftigung

Wer einen Mitarbeiter als Chef-Ersatz beschäftigt, sollte darauf achten, dass der Lohn für die Aushilfe der üblichen Höhe für die Tätigkeit im Betrieb entspricht. Sonst könnte es Probleme bei der steuerlichen Anrechung geben.

Ruhendes Gewerbe

Wenn ein Unternehmer während der Elternzeit keine Einnahmen erzielt oder sogar Verluste schreibt, kann es passieren, dass die Elterngeldstellen die Abmeldung des Gewerbes verlangen. Das kommt nach Aussage von Rechtsanwältin Bettina Trojan vor allem im süddeutschen Raum vor.  

Gewinn im Elternzeitjahr

Erzielt ein Betrieb während der Elternzeit des Chefs höhere Einnahmen als in den Jahren zuvor, werden die Behörden in der Regel misstrauisch. Schließlich lässt es sich schlecht darstellen, dass ein Betrieb ohne den Chef mehr Gewinn erzielt als ohne ihn.  

Steuerklassenoptimierung

Wer als Chef eine Elternzeit plant, sollte sich frühzeitig Gedanken um die richtige Steuerklasse machen, damit das Elterngeld möglichst hoch ausfällt. Spätestens sieben Monate vor dem errechneten Geburtstermin sollte dann der Wechse in eine günstigere Steuerklasse erfolgen.

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