Handwerk boomt, trotz zögerlicher Kreditvergabe

Das Handwerk an Rhein und Ruhr hat die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise gut verkraftet. Der von der Handwerkskammer Düsseldorf zweimal jährlich erhobene Geschäftsklima-Index weist einen Anstieg gegenüber der Frühjahrsumfrage um dreizehn Punkte auf aktuell 86 Punkte aus – der höchste Wert seit 19 Jahren.

An Rhein und Ruhr hat sich die Auftragslage erholt. – © Aktion modernes Handwerk
Besonders stark vom steilen Aufschwung profitierten Firmen mit mehr als fünf Beschäftigten, das Bau- und Ausbaugewerbe sowie – nach längerer Durststrecke – die für den Bedarf von Industrie und Gewerbe produzierenden Branchen. Erstmals seit drei Jahren haben mehr Handwerksunternehmen Beschäftigung auf- statt abgebaut.

Die Umfrageergebnisse auf einen Blick:
– Jedes dritte Handwerksunternehmen berichtet von einer gegenüber Frühjahr verbesserten Geschäftslage. 73 Prozent der Betriebe erzielten in diesem Zeitraum gute oder zufriedenstellende Umsätze.
–  Die Auslastung der Betriebe erreicht mit 76 Prozent bereits wieder das Niveau der letzten Hausse der Jahre 2006 bis 2008.
–  Die Ertragslage der Unternehmen hat sich ebenfalls leicht verbessert. Die Zahl der Unternehmen, die gestiegene Bezugskosten für Energie und Rohstoffe an den Verbraucher weiterreichen konnten, übersteigt den Anteil der Firmen, die Preiszugeständnisse machen mussten.
–  Das Handwerk hat auf die Nachfragesteigerung mit einer Ausweitung seiner Kapazitäten reagiert. 21 Prozent der Unternehmen melden einen Beschäftigungszuwachs.
–  Auch die Investitionsentwicklung zeigt einen, noch verhaltenen, Aufwärtstrend. Jede fünfte Firma wendete in den zurückliegenden sechs Monaten mehr Geld für Anlagen, Maschinen und Gerät auf (Herbst 2009: 13 Prozent). Der Anteil der Firmen, die Investitionen zurückgefahren haben, halbierte sich gegenüber der Frühjahrsumfrage von 37 auf 20 Prozent.
– Eine noch stärkere Investitionstätigkeit der Handwerker wird durch eine zögerliche Kreditpolitik der Banken behindert. Immer noch 38 Prozent der Firmen (im Frühjahr 43 Prozent) – darunter überdurchschnittlich viele Zulieferer und Kfz-Werkstätten – melden restriktive Praktik der Geldinstitute bei der Kreditvergabe.

Der Konjunkturverlauf nach Branchengruppen: Die rasante Konjunkturerholung wird hauptsächlich von den Bereichen Bau und Metall getragen. Aber auch die verbrauchernahen Handwerke verzeichneten eine spürbare Nachfragebelebung.

– Stabil nach oben zeigt das Klimabarometer in den Handwerke für den gewerblichen Bedarf (Index: 84 Prozent). Die Branchengruppe profitiert von der anhaltend dynamischen Entwicklung im Auslandsgeschäft der Industrie. Die Branchengruppe der Metall-, Elektro- und Maschinenbauunternehmen blickt mit besonderer Zuversicht nach vorn. 28 von 100 Firmen sehen eine weitere Belebung ihres Geschäftsgangs voraus.
– So auch – mit identischen Werten – die Werkstattbetriebe des Kraftfahrzeuggewerbes (Geschäftsklimaindex aktuell: 85 Prozent). Für die nennenswerte Aufhellung des Konjunkturklimas im Vergleich zum Frühjahr (68 Prozent) sorgte vor allem die Belebung im Neu- und Gebrauchtwagengeschäft.
– Deutlich erwärmt hat sich das Geschäftsklima auch in den Handwerken für den privaten Bedarf (Friseure, Massschneider, Schuhmacher, Goldschmiede, Uhrmacher). Der Geschäftsklimaindex der Branchengruppe kletterte gegenüber der Frühjahrsumfrage von 60 auf 74 Prozent. Vor allem das Vertrauen auf Nachfrageimpulse im Weihnachtsgeschäft prägt die Stimmungslage der Handwerke mit Ladengeschäft.
– Angeführt wird der Konjunkturzug in diesem Herbst, angetrieben von den öffentlichen Bauinvestitionen infolge des Konjunkturpakets II, jedoch vom Bauhandwerk und den Ausbaugewerken. Sie kommen aktuell auf historisch hohe Geschäftsklima-Indices von 91 und 88 Prozent.

Das Auslaufen des Investitionsprogramms dämpft allerdings die Erwartungen in den gebäudenahen Branchen: während 41 Prozent der Bau- und 38 Prozent der Ausbau-Unternehmen die aktuelle Geschäftslage positiv bewerten, schätzen nur gut 20 Prozent der Firmen auch die Zukunftsperspektiven für 2011 ähnlich günstig ein.

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