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Bundestagswahl 2017 Das erwartet das Handwerk von der neuen Bundesregierung

Im September wird die neue Bundesregierung gewählt. Wir wollten von Handwerksunternehmern und Vertretern der Handwerksorganisationen wissen, was sie von der neuen Bundesregierung erwarten. Hier die Antworten.

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Die Erwartungen des Handwerks an die Politik sind genau so vielfältig wie die Probleme, mit denen sich Handwerksunternehmer und Handwerksorganisationen täglich konfrontiert sehen. Egal ob Bürokratieabbau, steuerliche Entlastungen, Planunsgssicherheit im Zuge des Diesel-Skandals oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf - es gibt für jeden andere wichtige Forerungen. Aber lesen Sie selbst.

"Wir ersticken im stetig zunehmenden Verwaltungsaufwand"

Patrick Haag, Installateur- und Heizungsbauermeister und 1. Vorsitzender der Junioren des Handwerks Frankfurt-Rhein-Main: "Ich wünsche und fordere: Ein Endjahr für alle Handwerker, ab wann sie in Rente gehen können. Zum Beispiel mit 63 Jahren ohne Abzüge. Oder man müsste 45 Jahre im Handwerk arbeiten, um in Rente ohne Abzüge zu gehen."

Karim Kudsi, Vorstand der TGA Rohrinnensanierungs AG aus Fürth, stört sich in ertser Linie am anhaltenden Bürokratie-Overflow: "Es vergeht nicht ein Jahr, in dem nicht neue Gesetze und Vorschriften auf den Weg gebracht werden. Das Problem dabei ist, dass ungeachtet von Sinn und Zweck der jeweiligen Gesetze die Formulierungen nicht selten derart wachsweich ausgestaltet sind, dass selbst bei gewissenhafter Einhaltung regelmäßig Beanstandungen im Rahmen von Betriebsprüfungen zu erwarten sind. Gewinner sind die Steuerberater und Rechtsanwälte, Verlierer die Unternehmen. Es findet keine Bürokratiekonsolidierung sondern weitere Eskalationsstufen statt. Jüngstes Beispiel sind die GoBD Richtlinien. Wir ersticken im stetig zunehmenden Verwaltungsaufwand."

Handwerk fordert Erleichterungen und Einkommenssteuerreform

"Weniger Globalisierung, mehr Hinwendung zur deutschen Wirtschaft. Weniger Vorteile für Großunternehmen, auch Handwerker brauchen Erleichterungen", fordert Mario Roth, Bäckermeister und Vorstand bei den Handwerksjunioren Limburg-Weilburg.

Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern sowie des Bayerischen Handwerkstags (BHT): „Schon Alt-Bundeskanzler Ludwig Erhard wusste, dass was verteilt werden will, vorher erst erwirtschaftet werden muss. Das gilt natürlich besonders für den Staat. Wir würden uns daher sehr wünschen, dass dieser Grundsatz von der neuen Bundesregierung beachtet wird. Im Vordergrund sollten daher steuerliche Rahmenbedingungen stehen, die Anreize und Möglichkeiten zum (Er-)Wirtschaften geben. Eine Einkommensteuerreform mit einer echten Entlastung ist mehr als überfällig. Die Mehrzahl der Handwerksbetriebe sind Einzelunternehmer und Personengesellschaften. Für diese ist die Einkommensteuer gleichzeitig die Unternehmenssteuer. Die Unternehmen brauchen finanziellen Spielraum, um Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen und zu sichern. Aber auch die Arbeitnehmer leiden unter der Einkommensteuerbelastung. Daher haben der Abbau der kalten Progression im Einkommensteuertarif, die Beseitigung des Mittelstandsbauchs sowie die Abschaffung des Solidaritätszuschlags für uns allerhöchste Priorität.“

Erwartungen an die neue Bundesregierung

Rückkehr zur Meisterpflicht

Markus Hergesell, Fliesenlegermeister und 1. Vorsitzender im Landesverband Junioren des Handwerks Hessen, wünscht sich von der neuen Bundesregierung: "Lösungsvorschläge, um den Fachkräftemangel zu minimieren. Und die Rückkehr der Meisterpflicht im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk."

"Die Energiewende muss weiter vorangetrieben und im Handwerk weiter auf den Meisterbrief gesetzt werden", erwartet Dennis Kern, Meister für Heizung und Sanitär, Gebäudeenergieberater und 1. Vorsitzender der Junioren des Handwerks Offenbach/Main, von der neuen Bundesregierung.

Handwerk muss mehr Aufmerksamkeit zuteil werden

Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart: „Ein Aspekt ist uns in Stuttgart ganz besonders wichtig: Wir brauchen in Sachen Luftreinhaltepolitik endlich eine verlässliche Rechts- und Planungssicherheit. Deshalb fordern wir von der Politik ein nachhaltiges und zukunftsweisendes Verkehrskonzept, um Klima- und Umweltschutz, lebenswerte Innenstädte mit guter Nahversorgung, Gesundheitsschutz für die Bevölkerung und vor allem die Wirtschaftstätigkeit des Handwerks zu sichern. Es ist doch längst überfällig, unsere Betriebe informieren zu können, welche Investitionen in den Fuhrpark zukunftsweisend sind.“

Weibliches Unternehmerinnentum muss gefördert werden! Wir müssen dringend Lösungen finden, um die Vereinbarkeit von Unternehmerinnentum und Mutterschaft zu verbessern. Zudem sollten Frauen in Führungsrollen deutlicher dargestellt werden“, wünscht sich Margit Niedermaier, Unternehmerin und Pressesprecherin des Bundesverbandes der Unternehmenfrauen.

Der selbstständige Bauunternehmer, Maurer- und Betonbaumeister, Bastian Lotz erwartet von der neuen Bundesregierung, die " Erhaltung der SOKA-Bau, um Schwarzarbeit besser kontrollieren zu können. Das zu kippen wäre ein Rückschlag. Sowie die Einhaltung von Tariflöhnen, auch bei Ein-Mann-Betrieben, im Bezug auf ARGEn".

Beate Bliedtner, Malermeisterin, Sachverständige und Dozentin sowie Landesvorsitzende der UFH Berlin, erwartet, "dass dem Handwerk, dessen Unternehmerinnen und den geschaffenen Arbeitsplätzen, genausoviel Aufmerksamkeit und Unterstützung zuteil wird, wie den DAX Unternehmen".

"Die Digitale Welt der Industrie 4.0 mit ihren Vorteilen muss umgesetzt werden. Bei der Umsetzung von BIM am Bau hängen wir schon nach. Der Bau- und Ausbau muss papierlos werden. Die Technik ist da", meint Michael Matulka, Metallbauermeister und 1, Vorsitzender der Handwerksjunioren Hanau.

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