Wie wichtig stabile und zukunftsfähige Strukturen für das junge Handwerk sind, erläutert die Bundesvorsitzende Sara Hofmann in ihrem Kommentar zur Umsetzung notwendiger Reformen.

Die Bundesregierung hat in mehreren Bereichen entscheidende Reformen angekündigt: Gesundheitswesen, Steuern, Rente, Energie. Die Grundsatzentscheidungen sollen bis zur parlamentarischen Sommerpause getroffen werden. Es ist richtig, dass diese Themen nun auf der politischen Agenda ganz oben stehen. Für junge Handwerkerinnen und Handwerker sind stabile und zukunftsfähige wirtschaftspolitische und gesellschaftliche Strukturen essenziell. Vor allem mit Blick auf Existenzgründungen und Betriebsübernahmen im Handwerk muss die Bundesregierung zügig die richtigen Weichen für verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen stellen.
Besonderes Augenmerk muss dabei auf die Höhe der Lohnnebenkosten gerichtet werden. Der Gesamtsozialversicherungsbeitrag hat mittlerweile die 40-Prozent-Marke überschritten. In zehn Jahren könnte dieser Beitrag laut einiger Prognosen bei 50 Prozent liegen. Das belastet Beschäftigte und Betriebe massiv, erschwert den erfolgreichen Aufbau eines Handwerksbetriebs und führt zu wirtschaftlichen Unwägbarkeiten. Junge Handwerkerinnen und Handwerker, die eine Betriebsgründung oder -übernahme erwägen, brauchen jedoch Planungssicherheit und die Aussicht auf dauerhafte Rentabilität. Daher muss die Politik dafür sorgen, dass die Beitragslast von Betrieben und Beschäftigten konstant bei unter 40 Prozent gehalten wird.
In diesem Zusammenhang ist eine Reform des gesamten Gesundheitssystems notwendig, da dieses System vor massiven Herausforderungen durchhohe Kosten und strukturelle Ineffizienzen steht. Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung und der sozialen Pflegeversicherung ist äußerst angespannt. Eine der Ursachen für diese Schieflage ist die unzureichende Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen. Das junge Handwerk ist jedoch auf ein generationengerechtes, stabiles und zukunftsfähiges Sozialversicherungssystem angewiesen. Die Bundesregierung muss daher den Vorschlägen der Expertenkommission folgen, wonach versicherungsfremde Leistungen künftig vollständig aus Bundessteuermitteln, statt durch Versicherte und Arbeitgebende zu finanzieren sind.
Um mehr junge Frauen für den Existenzaufbau im Handwerk zu gewinnen, muss zudem eine tragfähige Lösung beim von den Koalitionsparteien angekündigten Mutterschutz für Selbstständige gefunden werden. Bei der Umsetzung dieses wichtigen Vorhabens muss auf praxisnahe und bürokratiearme Regelungen geachtet werden. Zudem dürfen keine zusätzlichen finanziellen Belastungen auf Handwerksbetriebe zukommen.
Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, dicke politische Bretter zu bohren. Wichtig sind nun lösungsorientierte, sachliche Debatten und ein abgestimmtes Gesamtpaket statt parteipolitischer Taktiererei, damit Mittelstand und Handwerk auch in Zukunft prosperieren können.
