Während die Politik in Berlin über den Bau-Turbo streitet, kämpfen Handwerker auf der Baustelle mit dem Chaos. Andreas Scheibe macht klar: Der Schlüssel zur Problemlösung liegt nicht in der Koalition, sondern direkt in den Händen der Ausführenden. Mehr dazu in einer neuen Ausgabe seiner Kolumne „Der professionelle Bauablauf“.

Mal ehrlich, wer hat im neuen Jahr schon nicht mindestens einmal geflucht? Handwerker sehen sich einem Dauer-Dilemma ausgesetzt: Auf der einen Seite steht der politische Ruf nach Tempo und die Vision vom „Bau-Turbo“. Doch diese politischen Versuche ändern an der Realität auf der Baustelle gar nichts.
Die Realität ist: Während in Berlin und Brüssel über jeden Millimeter Bau-Turbo ewig gestritten wird und alles so lange dauert, ist es nach wie vor so, dass die Ausführungsunterlagen von Planern an Handwerker in den letzten Jahren schlechter und schlechter geworden sind. Wenn überhaupt noch etwas geplant wurde! Wir stecken mitten im Dreck, zwischen politischen Versprechen und Planungs-Vakuum.
Die Kapitulation der Planung: Wenn Sie übernehmen müssen
Das ist das Hauptproblem: Architekten und Planer haben immer häufiger keine Ahnung, was sie Handwerkern eigentlich als saubere, ausführungsreife Planung zu liefern haben. Oder noch schlimmer: Sie versuchen, alle Planungsaufgaben in verzweigten Klauseln auf den Auftragnehmer zu übertragen. Klauseln wie:
„Die Fortführung der Planung […] erfolgt […] durch den AN“
sind VOB-Fallen. Das OLG München hat das schon vor Jahrzehnten geklärt: So geht’s nicht! Trotzdem tauchen diese Tricks immer wieder in den Leistungsverzeichnissen auf. Hier wird Ihnen stillschweigend und unbezahlt die Verantwortung für das Projekt untergejubelt – und damit auch das Risiko für alle späteren Fehler. Das ist nicht nur unfair, das ist unprofessionell.
Ihr Weg zum Anführer: Das Chaos beenden
Eines ist klar: Sie sollten nur das liefern, was sauber ausgeschrieben und geplant wurde. Aber Handwerker kennen sich zu wenig damit aus, wie sie solche Probleme wirklich gewinnbringend handeln können.
- Monetär: Wie können Sie Planungsaufgaben abrechnen? Wie Nachträge auf den Weg bringen und durchsetzen?
- Noch wichtiger: Ihr Personal steigt aus! Wenn Sie Ihre Baustellen nicht im Griff haben und die Kommunikation mit Planer und Bauherrn nicht funktioniert, dann verschleißen vor allem eines: unsere Mitarbeiter. Die guten Leute gehen, weil sie keinen Bock auf diesen unprofessionellen Bauablauf haben.
Genau hier liegt Ihre Macht: Wer sich auf Augenhöhe mit den anderen, also mit Architekten, Planern und Bauherrn bewegt, der kann im Game mitspielen und auch führen. Erst recht, wenn die anderen nicht wissen, was sie zu liefern haben, damit die Baustelle ein Erfolg wird.
Ihre Waffen für den eigenen Bau-Turbo: Klare Kante für Rendite und Ruhe
Euer Job besteht heute zu 50 Prozent aus Handwerk und zu 50 Prozent aus strategischer Dokumentation. Das ist der Schlüssel zu Ruhe und Rendite. Wer schreibt, der bleibt. Machen Sie sich diese Themen zu eigen und bringen Routine ins Team:
- Vorbemerkungen prüfen: Rund 80 Prozent solcher Klauseln sind rechtlich häufig unwirksam. Lassen Sie sich keine „inklusive“- oder „einschließlich“-Klauseln ohne Vergütung unterjubeln.
- Nachträge sauber ankündigen und durchsetzen: Wenn der Bauherr zusätzliche oder geänderte Leistungen verlangt, dann erst beauftragen lassen, bevor Sie leisten.
- Störungsorientierte Dokumentation: Wenn die Baustelle ins Stocken gerät, weil Pläne fehlen oder Entscheidungen ausbleiben, dann dokumentieren Sie diese Pflichtverletzungen des Auftraggebers systematisch. Nutzen Sie diese Daten, um Ihren Anspruch auf Bauzeitnachträge durchzusetzen.
Die Politik mag versuchen zu regeln, aber am Ende sind Sie am Drücker. Nur wer strategisch agiert, kann das Chaos beenden und die Rendite raufbringen.
Über den Autor Andreas Scheibe:

Andreas Scheibe hat selbst als Planer und Projektleiter in großen Firmen gearbeitet, später den väterlichen Handwerksbetrieb übernommen und umgekrempelt. Seine Erfahrung bezahlte er laut eigener Aussage mit viel „Schweiß und Blut“, aber auch viel Geld. Es entstand die Idee zum „professionellen Bauablauf“!
Mit der Continu-ING GmbH (vob.de) verfolgt er heute als Coach und Mentor eine Mission: Das Handwerk muss wieder für seine Leistung anerkannt und entsprechend vergütet werden. Schluss mit dem „Sozialhandwerker“, der sich nicht zu wehren weiß und auf Kosten sitzen bleibt. Vom Handwerker als Getriebener zum aktiven Projekttreiber. Wichtige Fragen sollen endlich geklärt werden: Was sind meine Rechte, was meine Pflichten? Wie sieht es mit den
Pflichten anderer aus? Was kann und muss ich fordern, um störungsfrei arbeiten zu können? Wie gelingt der Sprung vom letzten, missachteten Glied im Bauablauf zu einer Position auf Augenhöhe mit Fachplaner und Auftraggeber? Andreas Scheibe möchte neue Sichtfelder für Handwerker eröffnen.
"Stark im Handwerk – das Buch für Handwerker im VOB-Projektgeschäft"
Im August 2021 ist das erste Buch "Stark im Handwerk" von Andreas Scheibe erschienen. Darin beweist der Experte, dass die in der VOB viel Potenzial und auch viel Geld für Handwerker steckt. Aus der Praxis weiß handwerk-magazin-Kolumnist Scheibe, dass das Bild, welches Auftraggeber, Architekten und Planungsbüros oft vom Handwerker haben, meist kein ruhmreiches ist. Zwar sind die ausführenden Firmen nach deutschen Standards sehr gut ausgebildet und wissen technisch bestens Bescheid, doch von einer Sache hat man Ihnen nichts erzählt: Welche Rechte sie haben! Und auch nicht, dass sie eigentlich und zuallererst auf Augenhöhe mit Auftraggeber und Fachplaner stehen. "Der Handwerker ist zwar der letzte in der Reihenfolge bezogen auf den Bauablauf, aber der letzte Depp ist er noch lange nicht", erklärt Andreas Scheibe.
In diesem Zusammenhang kommt der Autor in seinem Buch sowohl auf die Rechte und Pflichten eines Handwerkers als auch auf die Rechte und Pflichten der anderen Projektbeteiligten zu sprechen. Denn genau diese sind im Detail in der VOB geregelt. Die Formulierungen klingen jedoch oft kompliziert und die Anwendung ist daher auch sehr unbeliebt – zu Unrecht, wie der Autor findet. Das Buch von Andreas Scheibe weckt nicht nur Interesse für das Projektgeschäft, sondern auch für das Durchsetzen von Rechten und Einfordern von Pflichten, sowie den spielerischen Umgang mit Paragrafen. Das Ziel: Handwerk muss wieder Spaß machen, gerecht bezahlt werden und zu alter Stärke zurückfinden.
Neues Buch: "Der professionelle Bauablauf – Das Schritt-für-Schritt System um deine Liquidität nachhaltig zu sichern"
Im August 2023 erschien das bereits dritte Buch von Andreas Scheibe „Der professionelle Bauablauf“. In diesem Buch sind viele Jahre Erfahrung in der Durchführung und auch Beratung von hunderten Handwerksunternehmen eingeflossen. Daraus entstanden ist ein praxiserprobtes und sofort umsetzbares Schritt-für-Schritt System welches mehr Klarheit und Sicherheit im Bauablauf für Handwerker verspricht. In diesem Buch geht es um notwendige Fähigkeiten um standardisierte Ablaufpläne zu erstellen, hochprofitable Nachträge durchzusetzen und berechtigte Forderungen darzulegen, zu begründen und zu verhandeln.
In seinem Buch geht Andreas Scheibe auch auf die 47 häufigsten und teuersten Fehler in VOB-Projekten ein, und wie sich diese verhindern lassen. Am Ende geht es darum, einen standardisierten Schriftverkehr einzuführen und Projekte strukturiert und profitabel abzuwickeln. Und das nach den Spielregeln der VOB.
