Bleiben Sie gesund

Vorsorge | Im Alltag müssen Unternehmer zahlreichen Belastungen standhalten. Zeit für Ausgleich fehlt oft. Aber nur wenn Chef und Mitarbeiter wohlauf sind, läuft es auch im Betrieb rund. Und die Versicherer honorieren Fitness überdies.

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    Fitness erhaltenWerner Klotter, Elektrotechnik GmbHDer Bauch muss weg: Werner Klotter (li.) hat mit seinem Mitarbeiter Günther Nagel um 1000 Euro gewettet, wer von den beiden es am schnellsten schafft, in den nächsten zwölf Monaten die überflüssigen Kilos abzuspecken.
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    Fitness erhaltenWerner Klotter, Elektrotechnik GmbHDer Bauch muss weg: Werner Klotter (li.) hat mit seinem Mitarbeiter Günther Nagel um 1000 Euro gewettet, wer von den beiden es am schnellsten schafft, in den nächsten zwölf Monaten die überflüssigen Kilos abzuspecken.
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    Chef und Meister sind RisikogruppenÜberproportionaler Anstieg: Unternehmer und Meister litten 2009 deutlich häufiger unter Erkrankungen am Bewegungsapparat und hatten mehr mit wachsendem Druck und Stress zu kämpfen als noch in den Vorjahren.
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    Mitarbeiter fördernRalf, Katrin und Peter Hoppen (v. li.), Hoppen InnenausbauDas Geschäftsführer-Team von Hoppen Innenausbau in Mönchengladbach sieht Gesundheitsvorsorge im Betrieb als wichtiges Instrument der Mitarbeiterbindung und zur Rekrutierung neuer Fachkräfte.

Bleiben Sie gesund

Es muss sich was ändern. So geht es nicht weiter. Das hat Werner Klotter, 50 Jahre, in diesem Herbst beschlossen. Die vergangenen drei Jahre hat der Unternehmer und Inhaber eines Elektrobetriebs mit 60 Mitarbeitern in Rheinau-Freistett nur für das Unternehmen geschuftet: Reorganisation stand an, Klotter hat neue Niederlassungen in Freiburg und Nordbaden eröffnet, er musste neue Leute suchen, einstellen und einarbeiten. Das war Stress rund um die Uhr. „Seit 2006 habe ich mich nur noch für den Betrieb engagiert. Sport, Bewegung und Ausgleich sind dabei auf der Strecke geblieben“, sagt Klotter im Rückblick. Bis vor vier Jahren war der Unternehmer begeisterter Marathonläufer – mit regelmäßigen Trainingseinheiten, gesunder Ernährung und alljährlicher Teilnahme an Wettkämpfen: 2004 ist Klotter den New-York-Marathon mitgelaufen. 2005 hat er zwei Langstrecken in Freiburg und in Berlin gemeistert; 2006 stand dann nochmals der New-York-Marathon auf dem Programm. Vor drei Jahren war dann Schluss, die Zeit reichte nicht mehr. „In den vier Jahren, in denen ich gelaufen bin, war ich nie krank. Als ich keinen Sport mehr gemacht habe, ging es dann los: oft erkältet, Bluthochdruck, Neurodermitis. Und, natürlich habe ich zugenommen: 15 Kilo“, berichtet Klotter.

Besondere Belastungen

Unternehmer im Handwerk sind besonderen Belastungen ausgesetzt, die andere Arbeitnehmer nicht haben: Stress mit Kunden und Lieferanten, steigender Druck in wirtschaftlich angespannten Zeiten und die ständige Verpflichtung gegenüber Mitarbeitern, Betrieb und Familie. Diese Verantwortung, beruflich und privat, lässt zu wenig Zeit für eine gesunde Ernährung, notwendigen Ausgleich oder einfach Entspannung, um sich wieder zu regenerieren und damit die eigene Fitness zu erhalten. Wer aber gesund lebt, ist nicht nur widerstandsfähiger gegen Stress und Belastungen, sondern kann – als angenehmen Nebeneffekt
– auch seine Versicherungsbeiträge für die eigene Vorsorge senken. Da rüber hinaus sollten Chefs überlegen, wie sie die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, als wichtigster Produktionsfaktor im Betrieb,
fördern und erhalten. Für Klotter steht jetzt erst mal abnehmen auf dem Programm: Die 15 Kilo zu viel sollen wieder runter. Denn neben Gesundheit und Fitness spielt für den Unternehmer auch die Optik eine Rolle: „Fett habe ich vor allem am Bauch angesetzt. Als Unternehmer muss man aber beim Kunden einen guten Eindruck machen – und dazu gehört auch eine gute Figur.“
Damit stand der Entschluss, für Gesundheit und Optik abzuspecken, fest. Der 50-Jährige hat vor zwei Wochen seine Ernährung umgestellt, mit seinem 14-jährigen Sohn im Keller einen Fitnessraum
eingerichtet, und viermal die Woche geht Klotter abends wieder zum Lauftraining. „In den letzten zwei Wochen habe ich schon zwei Kilo abgenommen“, berichtet er stolz. Mit diesem Programm verfolgt der Unternehmer ein bestimmtes Ziel: Im September 2010 will er nach vier Jahren wieder seinen ersten Halb-
Marathon in Karlsruhe laufen.

Krankheitstage steigen

Als zusätzliche Motivation hat Klotter mit seinem Mitarbeiter Günther Nagel um 1000 Euro gewettet: Nagel muss in den nächsten zwölf Monaten von seinen 145 Kilo runter und auf unter 100 Kilo kommen. Klotter soll dann statt 87 Kilo nur noch 72 Kilo auf die Waage bringen. Wer im nächsten Jahr dann noch zu viel Gewicht mit sich rumträgt, muss zahlen. Das Risiko, aufgrund von Zeitmangel und Stress die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen, ist gerade im Handwerk gestiegen. „Im ersten Halbjahr 2009 haben wir bei Unternehmern und Meistern einen überproportionalen Anstieg von psychischen Krankheiten sowie Muskelund Skeletterkrankungen registriert. Dazu gehören Rücken-, Bandscheibenoder Knieprobleme aufgrund körperlicher Belastung, aber auch Stress-Symptome, die psychische Krankheiten verursachen“,
erklärt Olaf Haase, Referent für Gesundheitsmanagement bei der IKKGesundplus (siehe dazu Infografik auf Seite 19). Wichtig sei als erster Schritt in die richtige Richtung „die bewusste Entscheidung, mehr auf die eigene Gesundheit zu achten“, wie Haase betont. Zu dieser Entscheidung gehören neben einer
gesunden Ernährung auch regelmäßiger Sport und bewusste Entspannungim Alltag (siehe Checkliste unten). So ist Klotter vorgegangen: Der Unternehmer will wieder gesünder leben und nimmt sich die Zeit für mehr Bewegung, um so einen gesunden Ausgleich zum betrieblichen Alltagsstress zu schaffen.
Die Entscheidung für ein gesünderes Leben hat außerdem positive Nebeneffekte: Die für Unternehmer wichtigen Versicherungen honorieren körperliche Fitness. Die Gesellschaften stufen die Beiträge
für die private Krankenversicherung, die Berufsunfähigkeitspolice oder die Risiko-Lebensversicherung herunter (siehe Tabellen auf Seite 22 und 23). Die private Krankenversicherung führt zum Beispiel vor Aufnahme eines Interessenten eine schriftliche Gesundheitsprüfung durch. Die Interessenten müssen
hier verschiedene Fragen beantworten, die Rückschlüsse auf ihren allgemeinen Gesundheitszustand zulassen: Größe und Körpergewicht werden abgefragt, stationäre Untersuchungen und Behandlungen in den vergangenen drei Jahren sowie die regelmäßige Einnahme von Arzneimitteln werden überprüft.
„Gesunde Menschen schneiden natürlich am besten ab. Bei Vorerkankungen wie einem Bandscheibenvorfall erheben die privaten Krankenversicherungen einen Risikozuschlag oder schließen bestimmte Leistungen im Vertrag aus“, erklärt Markus Reis, Leiter Produktmanagement Krankenversicherung beim Münchener Verein. Ähnlich gehen die Berufsunfähigkeitsversicherer vor, wenn sie auch etwas andere Schwerpunkte setzen. Wichtig für den Abschluss dieser Police sind die
wahrheitsgemäße Angabe von eventuellen Vorerkrankungen und die interne Risikoeinstufung der jeweiligen Berufsgruppe. Fliesenleger oder Dachdecker müssen wegen des erhöhten Gesundheitsrisikos
für dieselbe versicherte Summe dreimal mehr zahlen als ein gleichaltriger Büroarbeiter. „Wer gesundheitlich vorbelastet ist mit Allergien, einer Sportoder Unfallverletzung hat es oft schwer, überhaupt einen Vertrag zu bekommen“, erklären Verbraucherschützer. Auch das Verschweigen von Vorerkrankungen
zahlt sich nicht aus – im Gegenteil. „Wie bei der privaten Krankenversicherung müssen Gesundheitsfragen auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung korrekt beantwortet werden, sonst riskiert man den Versicherungsschutz“, rät der unabhängige Versicherungsberater Hans-Hermann Lüschen aus Berlin.

Gesundheit zahlt sich aus

Mit seiner guten Gesundheit konnte Herbert Leierer bei der Assekuranz punkten. Der 50-jährige Malermeister aus Fürstenfeldbruck bei München ist seit 2003 privat beim Münchener Verein krankenversichert. Leierer ist Nichtraucher, hat keine Vorerkrankungen oder -verletzungen, ist insgesamt fit und zahlt „als Selbständiger für die private Versicherung nur die Hälfte im Vergleich zur gesetzlichen
Krankenkasse“, sagt der Malermeister. Als Selbständiger müsste er in der gesetzlichen Krankenkasse mit 14,9 Prozent den Höchstbeitrag zahlen (siehe GKV-Checkliste auf Seite 22).
Dem eingeschränkten Leistungssystem der GKV will sich Leierer nicht mehr ausliefern: „Ich sehe die private Versicherung als gute Vorsorge fürs Alter oder bei Krankheit: Man wird dann medizinisch gut versorgt, bekommt zum Beispiel die richtigen Medikamente und Fachärzte, die eine gesetzliche Kasse dann vielleicht nicht mehr zahlt oder in Zukunft auch nicht mehr zahlen kann.“ Aber natürlich gehe das nur, wenn man sich die private Absicherung auch im Alter noch leisten könne, schränkt er ein. Auf der anderen Seite schätzt Leierer die Eigenverantwortung, die ihm die private Vorsorge einräumt. „Man weiß immer, was die Leistungen des Gesundheitssystems kosten.“ Und dann gehe man auch eigenverantwortlicher
mit dem Gut Gesundheit um, unterstreicht Leierer. Der 50-Jährige fühlt sich fit, sitzt nicht nur im Büro, ist viel unterwegs, räumt allerdings ein, dass ihm der Betrieb nur wenig Zeit für regelmäßigen Sport lasse.
„Für mich ist es wichtig, einen Ausgleich zum täglichen Stress mit Mitarbeitern und Kunden zu schaffen. Das brauche ich“, stellt Leierer immer wieder fest. Entspannen und Abschalten kann er am besten bei Rad-Touren im Münchner Umland, im Freundeskreis oder beim Training im Schützenverein. Für gesunde Unternehmer wie Leierer lohnt sich der Abschluss einer privaten Krankenversicherung auch über 40.
„Der Beitrag, den der Kunde monatlich zahlt, richtet sich nach dem Eintrittsalter, aber auch nach dem allgemeinen Gesundheitszustand und dem Leistungsniveau, das man bei der privaten Vorsorge
versichert“, sagt Reis.
Eine weitere Möglichkeit für Unternehmer, die Beiträge zu senken, ist zum Beispiel der vereinbarte Selbstbehalt (siehe Rechnung unten). Finanzielle Erleichterung bei den Kosten für Gesundheit und Pflege wird 2010 allerdings auch der Staat ermöglichen: Berufstätige könne dann mit dem „Bürgerentlastungsgesetz Krankenversicherung“ mehr von ihren Beiträgen für die Kranken- und Pflegeversicherung absetzen. Der Fiskus muss die Ausgaben für die medizinische Grundversorgung anerkennen. Für Mitarbeiter vorsorgen Gesundheitsvorsorge sollte aber auch im Betrieb eine wichtige Rolle spielen: Denn bei den Angestellten sind Krankheiten im Muskel-Skelett-Bereich sowie psychische
Erkrankungen ebenfalls sprunghaft angestiegen, wie Haase von der IKK berichtet: „Die Belegschaft wird aufgrund des demografischen Wandels immer älter. Das führt zu längeren Krankzeiten. Außerdem steigen die körperlichen und psychischen Belastungen durch zunehmenden Stress.“
Mittlerweile haben aber viele Unternehmer im Handwerk dieses Problem erkannt und setzen auf spezielle Maßnahmen zur Gesundheitsförderung im Betrieb . „Im Handwerk hat ein Umdenken stattgefunden: Mitarbeiter sind der wichtigste Produktionsfaktor. Wenn sie ausfallen, kostet das Geld – gerade bei Langzeiterkrankungen“, erklärt Haase. Ums Geld geht es Ralf Hoppen und seinen beiden Mit-Geschäftsführern, Frau Katrin und Cousin Peter Hoppen, nicht. Bei dem Unternehmer-Team stehen die Mitarbeiterbindung und die Rekrutierung von neuen Fachkräften im Vordergrund. „Viele unserer Wettbewerber verlieren gute Mitarbeiter an größere Unternehmen“, sagt Ralf Hoppen.
Als im Betrieb die Idee aufkam, die Gesundheitsvorsorge verstärkt zu fördern, hat sich das Dreier-Team an die regionale IKK gewendet. Hier fühlte man sich gut aufgehoben, „weil wir wussten, dass sie spezielle Programme für Rücken- und Bandscheibenprobleme anbieten. Denn das sind im Handwerk die häufigsten Krankheitsursachen“, so der 46-Jährige. Heute bietet der Betrieb jedes Jahr ein
Anti-Stress-Training für seine Mitarbeiter an, bezahlt den Angestellten Maßnahmen, um das Rauchen aufzuhören, übernimmt die Grippeschutzimpfung und kooperiert mit einem Apotheker, damit im Betrieb Medikamente gegen Erkältung oder Kopfschmerzen zur Verfügung stehen. „Unsere Jungs kommen mit
dem Kopf unterm Arm arbeiten, weil sie meinen, sie hätten keine Zeit zum Arzt zu gehen. Dann können wir unseren Teil dazu beitragen, dass sie schneller gesundwerden“, sagt Hoppen. Als Gesundheitsapostel
sieht sich der Unternehmer nicht, hält sich aber privat an die Spielregeln: Er geht regelmäßig laufen und verzichtet auf das Genussrauchen, wenn er sich mit seiner Frau auch mal eine gute Flasche Rotwein gönnt.