Was Sie verdienen dürfen

Gehaltsvergleich Ein häufiger Diskussionspunkt bei Betriebsprüfungen sind die Chefbezüge. Wer Streit mit dem Fiskus vermeiden will, sollte wissen, was in der Branche üblich ist.

Schlusslicht: Im Vergleich mit der Industrie schneiden Chefs im Handwerk bei den Gehältern deutlich schlechter ab. – © handwerk magazin

Was Sie verdienen dürfen

Für viele GmbH-Geschäftsführer endet die Betriebsprüfung mit Magenschmerzen. Oft streiten Unternehmer und Prüfer über die Höhe der gesamten Vergütungen – also über die Summe von monatlichem Gehalt plus Tantieme und Pensionszusage. Die Finanzbeamten wittern hier schnell eine verdeckte Gewinnausschüttung. Für den Gesellschafter-Geschäftsführer bedeutet das hohe Steuernachzahlungen. Um dieser Gefahr vorzubeugen, müssen GmbH-Chefs gute Argumente für die Höhe ihrer Bezüge parat halten. Aktuelle Daten bietet die Gehaltsstruktur-Analyse von BBE media in Neuwied. Danach verfügen GmbH-Geschäftsführer im Handwerk aktuell im Schnitt über ein Jahresgehalt von 86684 Euro. „Die Werte variieren aber von Branche zu Branche“, sagt BBE-Projektleiter Peter Rath. So liegt das durchschnittliche Festgehalt bei Schreinermeistern mit 70180 Euro deutlich darunter, während Handwerker der Nahrungs- und Genussmittelbranche im Schnitt fast 110000 Euro vereinbart haben (siehe Tabelle). „Betriebsprüfer betrachten das Festgehalt niemals isoliert“, sagt Andreas Paasch, Steuerberater der DanRevision Gruppe in Flensburg.

Verträge müssen wasserdicht sein

Die Prüfung erfolgt in drei Schritten. „Zuerst zerlegt der Beamte den Gesellschafter-Vertrag in seine Bestandteile, um zu prüfen, ob er wasserdicht verfasst ist“, so Paasch. Der Chef hat schon im ersten Check verloren, wenn er Überstundenvergütungen vereinbart hat. Das werten die Beamten immer als verdeckte Gewinnausschüttung. Nach dem Vertragscheck geht es um die einzelnen Bestandteile des Vertrags. Der Prüfer nimmt die Regelungen zu Festgehalt, Tantieme und Pensionszusagen bis zum Geschäftswagen unter die Lupe. Eine reine Tantiemevereinbarung ist unzulässig. Erst nach der Detailanalyse prüft der Fiskaldiener, ob die Höhe in ihrer Summe angemessen ausfällt. Genau da setzt der Fremdvergleich an.

Abweichungen schlüssig begründen

Der Durchschnittswert für Tantiemen des Geschäftsführers im Handwerk liegt bei 21806 Euro, so das Ergebnis von BBE. „Für den Fremdvergleich sind nur die Branchenwerte für ähnliche Betriebe relevant“, erklärt Thomas Schnacken, Steuerberater in Nürnberg. Vergleichbar sind Unternehmen mit einer ähnlichen Mitarbeiteranzahl, Umsatzgröße und Angebotsstruktur. Abweichungen nach oben lassen sich durch Spezialisierung, durch Erfolg mit innovativen Produkten oder durch eine überdurchschnittliche Umsatzsteigerung rechtfertigen. „Fallen die Bezüge gegenüber dem Fremdvergleich nur unwesentlich höher aus, akzeptieren die Betriebsprüfer das ohne Diskussion“, so Paasch.

Aktuell sieht Schnacken noch eine Falle: In der Krise haben viele GmbH-Unternehmer das Festgehalt entsprechend ihren rückläufigen Erträgen für ein, zwei Jahre heruntergesetzt. Betriebswirtschaftlich gesehen ist das clever, steuerrechtlich dagegen sehr gefährlich: „Der Betriebsprüfer könnte davon ausgehen, dass eigentlich dieser niedrigere Ansatz der angemessene ist – für die Vergangenheit und die Zukunft“, kommentiert Schnacken.

cornelia.hefer@handwerk-magazin.de

Online exklusiv

Eine Übersicht über die üblichen Tantiemen im Handwerk und einen Gehaltsrechner finden Sie unter
handwerk-magazin.de/ gehaltsvergleich

Tabelle Tantieme