Innovatives Heizsystem | Unzufriedenheit macht erfinderisch. Mit seinem Erdsolarfeststoffspeicher verspricht Karl-Heinz Österwitz, die Heizkosten um bis zu 50 Prozent zu drosseln.
Wärme intelligent speichern
Ein echter Tüftler ist Karl-Heinz Österwitz. Besonders interessant findet er innovative und ökologische Heizsysteme. „Es gibt schließlich immer etwas zu verbessern“, beschreibt er seinen inneren Antrieb. So existiert bei thermischen Solaranlagen seiner Meinung nach das Problem, dass „sehr viel überschüssige Wärme ungenutzt auf dem Dach bleibt“. Der55-jährige Ingenieur aus Werder bei Potsdam hatte daher die Idee, thermische Solaranlagen mit Sole-Wasser-Wärmepumpen zu koppeln. Doch diese Wärmepumpen benötigen maximal 22 Grad Celcius Quellentemperatur. „Nur dann sind sie richtig effektiv“, so Österwitz. Blieb also die Frage, wo es so eine Wärmequelle gibt?
Die Lösung ist seiner Meinung nach einfach und naheliegend: Was normalerweise ungenutzt an Sonnenstrahlung auf das Dach trifft, bräuchte man nur in die Erde unter die Bodenplatte eines Hauses zu bringen. Die Natur verfahre schon seit jeher nach diesem Verfahren, so der Unternehmer. Dennoch bleibe die Frage, wie sich die Wärme speichern lasse, „genau hier ist der Knackpunkt“.
Österwitz reichert daher die Erde unter der Bodenplatte mit Feuchtigkeit an, weil feuchte Erde auf grund ihrer riesigen Oberfläche als idealer Wärmespeicher gilt. Die Feuchtigkeit kann weder nach oben noch seitlich entweichen, denn die Wärme ist unter der Bodenplatte eingeschlossen und der Speicher zu den Seiten hin zu. Schließlich koppelt der Tüftler die thermische Solaranlage mit einer Wärmepumpe und dem von ihm entwickelten Erdsolarfeststoffspeicher. Die überschüssige Wärme lässt sich im Erd-
reich speichern und steht der Wärmepumpe zur Verfügung. Da ein Liter Wasser von der Sonne mit ca. 0,628 Kilowattstunden verdampft wird, wird bei der Kondensation des Dampfes im Erdspeicher eine in etwa gleiche Wärmemenge gewonnen. Dies vollzieht sich dann bei der Kondensation an der Soleleitung der Wärmepumpe, was somit als Energie genutzt werden kann. Die Temperatur im Erdsolarfeststoffspeicher steuert Österwitz über die Solarregelung. Sie wird so lange wie möglich auf dem optimalen Wert gehalten.
Nachfrage trotz Krise
Österwitz’ Erdsolarfeststoffspeicher hat bei Einfamilienhäusern je nach Grundfläche zwischen 120 und 250 Tonnen Masse und damit ein riesiges Speichervolumen. 15 Häuser konnte seine Resona Alternative Heiztechnik in Werder damit schon ausrüsten. Der lange Winter 2005/2006 hat den Unternehmer mit Tüftlerpassion dazu bewogen, ein Gebrauchsmuster und das Patent für den Erdsolarfeststoffspeicher einzureichen. Der Prüfbericht der Recherchebehörde des europäischen Patentamtes erteilte einen positiven Zwischenbescheid, „Über den ich mich natürlich riesig gefreut habe“, sagt Österwitz. Vor Nachahmern braucht er jetzt also keine Angst mehr zu haben. „Schließlich gehört doch etwas mehr dazu, einen Erdsolarfeststoffspeicher zu bauen, als zu tüfteln“, ist er überzeugt. Denn letztlich komme es auf Auslegung und Ausführung an. Die Kosten für den Klimaerdspeicher bewegen sich im Rahmen der Kosten für Bohrungen von Erdsonden, wobei die Erdarbeiten separat berechnet würden.
Altbautauglich
Die Speicher sind nicht nur im Neubau, sondern auch für die Altbausanierung nutzbar. Hierfür wurden außenliegende Speicher konzipiert und schon bei einigen Bauherren errichtet.
„Trotz allgemeiner Krise greift die Nachfrage nach meinem Produkt in diesem Jahr zum ersten Mal bundesweit“, freut sich der Unternehmer. Erstmals kann er dieses Jahr auch große Bauvorhaben mit der Erdspeichertechnologie realisieren. „Die Finanzierungsbedingungen über Landes- und Bundesfördermittel für Altbausanierung sind derzeit günstig wie nie“, sagt er. Seine Erfindung drückt die CO² -Emissionen und reduziert die Heizkosten um 20 bis 50 Prozent. Durch geeignete Deckenstrahlungs-, Fußboden- und Wandheizungen lasse sich der Klimaerdspeicher nicht nur zum günstigen Heizen, sondern auch zum Kühlen nutzen.
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