Wirtschaft -

Soloselbstständige Trend zu Einzelkämpfern im Handwerk

Von wegen Kümmerexistenzen: laut aktueller Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk der Uni Göttingen (ifh) sind inzwischen 42 Prozent der Handwerksbetriebe Soloselbständige ohne Mitarbeiter. Schuld daran ist nicht Erfolgsmangel, sondern bewusstes unternehmerisches Kalkül.

Wie die Studie „Soloselbständigkeit im Handwerk“ des ifh Göttingen belegt, gibt es im deutschen Handwerk einen klaren Trend zu Ein-Personen-Unternehmen (EPU). War die Anzahl der ohne Mitarbeiter tätigen Handwerksbetriebe bis zur Jahrtausendwende noch rückläufig, gab es zwischen 1995 und 2010 eine Zunahme von 241 Prozent. Besonders nach der Öffnung des Handwerks für zulassungsfreie Berufe 2004 registrierten die Wissenschaftler in einigen Handwerkszweigen ein Plus von mehreren 100 Prozent.

Keine Kümmerexistenzen

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist nach Einschätzung des ifh, dass die Einzelkämpfer nur zu einem relativ kleinen Teil Kümmerexistenzen sind, die am Rande des Existenzminimums leben. In den meisten Fällen liegen der Soloselbstständigkeit bewusste Entscheidungen zugrunde. Das zeigen auch mehr als 30 Kurzbiografien, die die Datenanalyse ergänzen und die Vielfalt der Erwerbsbiografien exemplarisch aufzeigen.

Handwerksorganisation zwiegespalten

Die Handwerksorganisation steht der gestiegenen Soloselbstständigkeit nach Einschätzung der ifh-Experten ratlos gegenüber. Einerseits gelten die Einzelkämpfer als Bereicherung, weil sie auch Nischen bearbeiten, die für die größeren Betriebe zu klein. Andererseits besteht Zurückhaltung: Es lohne sich doch nicht, sich um die Ein-Personen-Unternehmen besonders zu kümmern, denn sie zahlten doch kaum Beiträge und seien in der Regel bald wieder vom Markt verschwunden. Um die Kleinstunternehmen stärker in die Handwerksorganisation einzubinden, raten die Wissenschaftler zu speziellen Qualifizierungs- und Beratungsmaßnahmen für diese Betriebsgruppe.

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