Politik -

Georg Schlagbauer: Schwerpunkte seiner Arbeit vorgestellt

Der neue Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Georg Schlagbauer, hat die Schwerpunkte seiner Arbeit vorgestellt. Wirtschaftsverkehr, Meistervorbehalt und Ausbildung stehen dabei im Fokus.

Für den Kammerpräsidenten steht derzeit neben dem Erhalt des Meistervorbehalts, die konsequente Fortsetzung, aber auch stete Evaluierung der erfolgreichen Nachwuchsarbeit, der Umbau bzw. die Neuausrichtung der kommunalen Beschäftigungsprogramme, die drohende Zurückdrängung und Belastung des Wirtschaftsverkehrs, die konsequente Verfolgung eines weiteren Bürokratieabbaus sowie der Einsatz für eine nachhaltige und vorausschauende Gewerbeflächenpolitik ohne eine ausschließlich Fokussierung auf die Wohnraumprobleme, im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Verbesserte Infrastruktur

Für die reibungslose Abwicklung des Wirtschaftsverkehrs in München und Umgebung forderte Schlagbauer u.a. Verbesserungen bei den Ampelschaltungen und bei der Verästelung des Straßennetzes. Die ins Spiel gebrachte verstärkte Nutzung sog. Elektro- und Lastenfahrräder sei für das Handwerk dabei aber nur „in sehr eingeschränktem Maße darstellbar." Neben dem Ausbau der Infrastruktur für den ÖPNV müsse z.B. die Radwegeplanung künftig stärker als bisher auf die Gewinnung attraktiver und sicherer Fortbewegungsräume für den Radverkehr ausgerichtet werden. Eine vorrangige Führung des Radverkehrs entlang landschaftlich oder städtebaulich reizvoller Strecken, vorzugsweise durch Wohngebiete, würde dann auch zu einer Belebung der Nahversorgung in den Stadtvierteln führen und dem Handwerk nützen. Die Förderung der E-Mobilität stellt aus Sicht des neuen Kammerpräsidenten einen Kernpunkt im Rahmen geeigneter Luftreinhaltemaßnahmen dar.

Nachwuchsförderung

In seinem Statement ging der Kammerpräsident auch ausführlich auf das Thema Berufsnachwuchs ein. Im Bezirk der Handwerkskammer wurden bis Ende Juli 4.634 neu abgeschlossene Lehrverträge registriert. Trotz stabiler Konjunktur und guten Meldungen vom Arbeitsmarkt ist das ein leichter Rückgang um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Der Kammerpräsident: „Eine Berufsausbildung im dualen System ist die beste Grundlage, um in die berufliche Karriere zu starten. Diese Überzeugung teilt heute aber leider nicht mehr jeder. Hier müssen wir ansetzen und Eltern, Lehrer und Arbeitsagenturen noch stärker von der Leistungsfähigkeit des Handwerks überzeugen und die Jugendlichen zunächst für Praktika in unseren Betrieben gewinnen." Viele der 'weichen Faktoren', die der sog. 'Generation Y' heutzutage wichtig sind, wie flexible Arbeitszeiten, die Selbstverwirklichung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, seien gerade im Handwerk realisierbar, erklärte Schlagbauer.

Auch im neuen Ausbildungsjahr werden wieder viele Lehrstellen im Handwerk unbesetzt bleiben. Um dieser Entwicklung wirkungsvoll zu begegnen, spricht die Handwerkskammer neue Zielgruppen an, die gut zum Handwerk passen. Um beispielsweise junge Flüchtlinge über die Vorteile einer Berufsausbildung im Handwerk zu informieren, hat die Kammer in Kooperation mit dem bayerischen Arbeitsministerium extra einen Akquisiteur eingestellt. Auch Jugendliche, die sich zu Beginn einer Berufsausbildung schwer tun, will das Handwerk verstärkt gewinnen.

Ernste Sorgen über das Vorgehen der EU

Ernste Sorgen bereitet dem Handwerk auf europäischer Ebene weiterhin das Vorgehen der EU im Bereich der regulierten Berufe. „Wir sehen hier die Gefahr, dass am Ende des Evaluierungsprozesses der Meistervorbehalt mit den beiden Säulen der Gefahrengeneigtheit sowie der Ausbildungsleistung für einige Gewerke wegfallen könnte", sagte der Kammerpräsident. Wozu der Wegfall des Meistervorbehalts führt, zeige u.a. das Beispiel der Fliesenleger, die diesem nicht mehr unterliegen: Ende 2003, noch vor dem Wegfall, gab es in München lediglich 119 Betriebe. Seitdem ist die Zahl der eingetragenen Fliesenleger in der Landeshauptstadt auf 2.544 regelrecht explodiert. Allerdings ohne positive Auswirkungen auf die Zahl der Auszubildenden: Bildeten die Münchner Fliesenlegerbetriebe 2003 noch 25 Lehrlinge aus, sei die Zahl mittlerweile auf gerade einmal neun Auszubildende gesunken.

Schlagbauer: „Das Vorgehen der EU würde auch unser bewährtes duales System der beruflichen Bildung gefährden. Dieses hat nicht zuletzt dazu beigetragen, dass Deutschland wirtschaftlich so viel besser dasteht, als die meisten anderen Länder in Europa."

Interview im nächsten handwerk magazin

Ein ausführliches Interview mit Georg Schlagbauer zu seinen Vorhaben als neuer Kammerpräsident lesen Sie in der kommenden Ausgabe des handwerk magazin. Die Ausgabe erscheint am 4. September. Dazu finden Sie dann auch einen Mitschnitt des Interviews auf handwerk-magazin.de/videos

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