Vertragsrecht -

Profis beauftragen

Inkassofirmen | Warum immer selbst dem Geld hinterherrennen und sich laufend über säumige Kunden ärgern? Inkassoprofis helfen effizient und gegen geringes Entgelt.

20000 Euro Außenstände hat Zentralheizungs- und Lüftungsbauermeister Walter Fintelmann in Höhbeck bei Lüchow. „Damit können wir leben, wenn das Geld in vertretbarer Zeit hereinkommt“, sagt der Betriebswirt des Handwerks. Zusammen mit fünf Beschäftigten erzielt er einen jährlichen Umsatz von 400000 Euro. Zu 80 Prozent sind Privatkunden die Auftraggeber. Neue Heizung, Wartung – kurz alles, was im Haus so anfällt. „An der Zahlungsmoral“, so Fintelmann, „hat sich bei uns in den vergangenen Jahren nicht viel geändert.“ Ein Erfahrungsstrang jedoch zieht sich die ganze Zeit durch: „Die alte Oma, der wir die Heizung repariert haben, zahlt die Rechnung sofort, einige andere Kunden, die eher großspurig auftreten, lassen sich dagegen sehr viel Zeit.“ Immerhin musste der Betrieb schon lange keinen ganz großen Totalausfall bei den Forderungen verkraften. Der höchste Betrag waren 3000 Euro – ein Bauträger hatte die eingebaute Heizungsanlage einfach nicht bezahlt. Fintelmann weiß sehr wohl, weshalb er vor allem bei solchen Kunden besonders vorsichtig ist.

Konkret bedeutet dies, dass jeder neue Kunde zunächst mit einer Bonitätsauskunft von Creditreform überprüft wird. Zwar musste Walter Fintelmann zunächst einmal Mitglied des nächsten Vereins Creditreform werden, „dafür bekomme ich aber die Auskünfte schnell und preiswert“, lobt er. Auf welchem Weg, das kann er sich aussuchen, es geht via Internet, Fax oder telefonisch. Ihm liegt der Griff zum Hörer am meisten. „Innerhalb einer halben Stunde habe ich die Auskunft mit der dreistelligen Bewertung im Schulnotensystem“. Fällt die gut aus, kann aus dem Auftrag des neuen Kunden ein Werkvertrag werden und die Arbeit beginnen.

Kurz mahnen, dann abgeben

Zahlt einer der neuen oder alten Kunden dann wider Erwarten seine Rechnung doch nicht, schickt Fintelmann eine Mahnung raus. Kommt daraufhin kein Geld, gibt er das Inkasso der kleineren und mittleren Beträge ab der 2. Mahnung an die Kreishandwerkerschaft Uelzen, Lüchow-Dannenberg weiter (siehe auch Seite 26, 27). Kommt dann immer noch kein Geld, beauftragt das Unternehmen Creditreform mit dem Inkasso. Bei größeren Beträgen geht der Fall nach der
1. Mahnung sofort zu Creditreform. „Mit durchweg gutem Erfolg“, lobt Walter Fintelmann seinen Dienstleister.

Die 1879 gegründete Creditreform gehört zu den größten Inkassofirmen Deutschlands. Unter der Dachorganisation Verband der Vereine Creditreform in Neuss (www.creditreform.de) wird in 130 örtlichen Vereinen mit insgesamt 4000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 460 Millionen Euro
zusätzlich zu Bonitätsauskünften auch das gesamte Spektrum des Forderungsmanagements angeboten.

Beim Inkasso prüft Creditreform nach erhaltenem Auftrag zunächst die wirtschaftlichen Verhältnisse des Schuldners. „Damit werden die Realisierungsaussichten der Forderungen bereits im Vorfeld abgeklopft“, sagt Michael Bretz von Creditreform in Neuss. Im Anschluss wird gemahnt. Hat der säumige Kunde dann immer noch nicht gezahlt, kann Creditreform in Absprache mit dem Handwerksunternehmer einen spezia-
lisierten Vertragsanwalt mit dem gerichtlichen Mahnverfahren beauftragen. Auch Creditreform setzt verstärkt das
Telefoninkasso ein, weil im direkten Gespräch in vielen Fällen so Lösungen erreicht werden, beispielsweise angemessene Ratenzahlungen.

„Wer eine solche Vereinbarung ganz sicher abschließen möchte, macht es mit einem selbstschuldnerischen Schuldanerkenntnis“, betont Thomas Wachter, Notar in München. In dem Schriftstück steht, welchen Betrag der Kunde dem Handwerker schuldet, in welchen Raten dieser zurückzuzahlen ist und dass die Summe, plus Zinsen, auf einen Schlag fällig wird, wenn eine Rate ausbleibt. „Wird das beim Notar beurkundet, ist die Anerkenntnis ein vollstreckbarer Titel, wenn die Ratenzusage platzt“, erklärt Wachter. Der Handwerker kann damit direkt über einen Rechtsanwalt oder den Gerichtsvollzieher in die Zwangsvollstreckung einsteigen.

Alternative Gläubigerpool

Wer jetzt ein Inkassounternehmen testen will, kann das zum Beispiel mit Atriga machen. Weil handwerk magazin mit Atriga kooperiert, gibt es dort günstige Konditionen für hm-Abonnenten. Mehr dazu lesen Sie auf Seite 10 ff. und unter www.handwerk-magazin.de (dort Button „Außenstände“ anklicken).

In Fällen überschuldeter Firmen- oder Privatkunden freilich greift klassisches Inkasso zunächst einmal ins Leere. Alternativ zum rücksichtslosen Kampf unter den Gläubigern, an dessen Ende oft die Insolvenz ohne Quote steht, offeriert deshalb Rechtsanwalt Ulrich Weistermann von der proCon treuHand GmbH in München (www.procon-treuhand.de) eine Lösung per Gläubiger-Pool. „In der Liquiditätskrise haben Schuldner und Gläubiger das gleiche Interesse, die schnelle Überwindung der Probleme. Dabei ist aber nicht Konfrontation, sondern Kooperation durch Information, Offenheit, Moderation und Kont-rolle der Schlüssel zum Erfolg“, erklärt Weistermann. Der Pool funktioniert so:

Der Schuldner setzt einen neutralen und unabhängiger Pool-Manager ein, der die Gläubiger regelmäßig informiert und an den Entscheidungen beteiligt, von denen sie betroffen sind.

Zahlungs-, Sicherheits- und Controllingkonzepte werden mit den Gläubigern abgestimmt, die übliche Konfrontation einer Krisensituation wird durch eine umfassende Kooperation ersetzt.

Dabei verhindert der Pool, dass besonders rücksichtslos auftretende Gläubiger eine Insolvenz zulasten fairer Geschäftspartner auslösen. Was die Pool-Lösung kostet, hängt vom Gegenstandswert und vom Aufwand ab.

harald.klein@handwerk-magazin.de

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