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Kfz-Police: Preisunterschied von über 400 Prozent

Autofahrer sollten unbedingt prüfen, ob sie nicht eine günstigere Kfz-Versicherung finden. „Die Chance, dass man ein besseres Angebot findet und sind relativ hoch“, sagt Thomas Köhne von der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht. Sehr viele Autofahrer könnten durch einen Vergleich schnell mehrere hundert Euro sparen, rät der Leiter des Instituts für Versicherungswirtschaft.

Das ist das Fazit einer umfassenden bundesweiten Analyse der aktuellen Preisunterschiede für neue Kfz-Policen. Bei „bedarfsgerechten“ Policen ermittelte die Studie Preisunterschiede, die im Extremfall bis zu rund 2600 Euro reichen. Was einem Preisunterschied von rund 440 Prozent entspricht. Bei der geringsten Spannbreite ergibt sich immer noch ein Preisunterschied von rund 670 Euro oder 130 Prozent.

„Erhebliche Prämienunterschiede gibt es bei jedem der 200 untersuchten Musterfälle und für jeden der 10 Musterkunden“, so Köhne. „Wie hoch das persönliche Sparvolumen ist, kann nur jeder selbst Kunde durch einen Vergleich feststellen“, erläutert der Versicherungsexperte. Dabei sollte man nicht nur auf den Preis, sondern zudem auf die Leistung achten.

Als bedarfsgerechte Policen gelten Angebote, die über 82 Prozent der Standardleistungen des Vergleichsrechners der Unternehmensberatung Nafi aus Höxter enthalten. (www.nafi-auto.de). Dazu gehört ein 100 Millionen-Schutz in der Autohaftpflichtversicherung sowie weitgehend eingeschränkte Leistungskürzung bei grob fahrlässigen Fahrfehlern in der Vollkaskoversicherung.

Das reale Sparpotential, der rund 38 Millionen privaten Pkw-Besitzer, kann die Studie aber nicht feststellen. Grund: Die Preise für bestehende Verträge wurden nicht erhoben. „In den ersten zwei bis drei Jahren nach dem Abschluss der Police ist das Sparvolumen aber weitgehend mit den ermittelten Preisunterschieden am Markt vergleichbar“, schätzt Uwe Schumacher, Vorstand der Direct Line Versicherung, die die Köhne-Studie in Auftrag gegeben hat.

Branchenweit rechnet die Direct Line in diesem Jahr mit dem ersten deutlichen Preisanstieg in der Autoversicherung seit 2004. Je nach Anbieter würden die Anhebungen im Schnitt zwischen acht bis 15 Prozent liegen. „Einzelne Tarife können sogar noch deutlich teurer werden.“ Daher dürften die meisten Autofahrer in diesem Jahr ein doppeltes Ausstiegsrecht haben. Bei Beitragserhöhung gilt ein Sonderkündigungsrecht. Autofahrer können daher in diesem Jahr meist noch nach dem regulären Stichtag, dem 30. November, ihren Versicherer wechseln.

Tipp: Entscheidend ist der Eingang der Rechnung. Steigt die Prämie nur um einen Cent, kann mit einer Frist von einem Monat nach Eingang der Rechnung gekündigt werden. Ganz wichtig: Es kommt nicht auf den Gesamtbetrag an. Der Kunde hat ein Wahlrecht. „Schon wenn eine Sparte, etwa die Haftpflicht minimal steigt, kann der gesamte Vertrag gekündigt werden, auch wenn gleichzeitig die Vollkasko deutlich billiger wird“, erläutert der Kölner Rechtsanwalt Michael Bücken von der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Aus Kostengründen stellen die Versicherer Rechnungen mit der einfachen Post zu. Daher können sie kaum beweisen, wann und ob der Brief überhaupt zugestellt wurde. Das Risiko des ordentlichen Zugangs der Rechnung trägt aber immer die Assekuranz. Ohne vorherige Information darf nicht einfach ein erhöhter Beitrag abgebucht werden. „Passiert dies doch, sollten der Kunde rasch reklamieren", rät Gesine Reisert, Verkehrsanwältin aus Berlin. "Wenn sich der Kunde beschwert, dann wird meist einfach eine neue Rechnung zugestellt." Wer dann seine Rechnung beispielweise erst im Januar 2012 erhält, hat natürlich ebenfalls die ganze normale Sonderkündigungsfrist von einem Monat.


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