Joker im Fuhrpark

Auto | Transporter mit Pritsche und Doppelkabine sind beliebt im Handwerk. Sie sind multifunktional, transportieren Material und Mannschaft und können auch schwere Anhänger ziehen.

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Joker im Fuhrpark

Nicht nur die Leute vom Bau schätzen die leichten Pritschenfahrzeuge mit Einzel- oder Doppelkabine. Auch in anderen Handwerken hat man die Vorzüge erkannt, Mitarbeiter und Material praktisch zum Einsatzort zu transportieren. Besonders die Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht sind beliebt, denn hier bremst noch keine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 km/h Mann und Material, und jeder Alt-Führerscheininhaber darf diese Fahrzeuge mit Führerschein Klasse Drei oder dem neuen EU-Führerschein Klasse B bewegen.

Ein großer Nachteil ist jedoch die geringe Nutzlast bei den 3,5-Tonnern. Bei den Pritschenvarianten mit Einzelkabine und Platz für drei Personen sind bis zu 1,5 Tonnen Nutzlast die Regel. Bei der Doppelkabine mit Platz für sieben Mitfahrer verringert sich die Nutzlast schnell um rund 200 Kilo.

So bietet zum Beispiel der VW Crafter mit Doppelkabine, ein beliebtes Fahrzeug im Handwerk und Baugewerbe, mit der längsten aller möglichen Pritschen (3,6 Meter Ladelänge) eine effektive Nutzlast von gerade mal einer Tonne.

Iveco Daily: Der Lastenträger

Wem solch geringe Nutzlasten zu wenig sind, muss zur nächsthöheren Fahrzeugklasse greifen. Sowohl bei den 4,6-Tonnern (zum Beispiel VW LT, Mercedes Sprinter, Ford Transit) als auch bei den 6,5-Tonnern (Iveco Daily, Renault Master Maxi) verbessert sich das Verhältnis von Nutzlast zu Eigengewicht deutlich. Zum Beispiel beim Iveco Daily: Als 6,5-Tonner-Pritschenwagen mit Doppelkabine bietet er bis zu 3,5 Tonnen Nutzlast. Diese Tragfähigkeit erklärt auch, warum sich solche Transporter als echte Konkurrenz zum klassischen 7,5-Tonner entwickeln: Sie können gleich viel oder sogar mehr bei deutlich weniger Kosten transportieren. Ein 7,5-Tonner mit 4,2-Meter-Pritsche trägt gerade noch 3,4 Tonnen Nutzlast. Das kann ein 6,5-Tonner-Daily auch und bietet dabei noch eine Doppelkabine mit Platz für sieben. Und deutlicher billiger in der Anschaffung ist er zudem.

Mercedes Sprinter: Der Vielseitige

Mercedes beschränkt sich mit der Neuauflage des Sprinters auf 5 Tonnen Gesamtgewicht. Mit einer Bandbreite von 88 bis 184 PS deckt Mercedes alle Einsatzmöglichkeiten mit der passenden Motorisierung ab. Da sich viele Einsätze einer Doppelkabine auf den Mannschaftstransport und das Ziehen eines leichten Hängers im städtischen Umfeld beschränken, ist die Motorisierung mit 88 PS meist ausreichend. Wer viel auf Landstraßen unterwegs ist, sollte sich allerdings für eine Motorleistung um 130 PS entscheiden, man will ja auch am Berg schließlich noch vorwärts kommen. Auch überdurchschnittliche Anhängelasten bis zu 3,5 Tonnen sind mit einer kräftigeren Motorisierung leichter beherrschbar. Ob es bei Mercedes gleich der starke 184-PS-V6-Motor sein muss? Sicher nicht, schließlich ist der 150-PS-Biturbo ein glänzendes und obendrein noch recht sparsames Triebwerk.

Ford Transit: Der Geländegängige

Die Doppelkabiner-Modelle des Ford Transit bauen auf einem Blechprofil-Rahmen auf. Mit Frontantrieb gibt es nur den leichten FT 300. Ab 3,3 Tonnen sind auch die Transit-Doppelkabiner reine Heckantriebler. Eine Option ist der 3,5-Tonner mit Allradantrieb. Eindeutig mit zwei Tonnen am nutzlaststärksten ist der 4,3-Tonner Transit.

Fiat Ducato: Das Leichtgewicht

Auch der frontangetriebene Fiat Ducato und seine baugleichen Brüder Peugeot Partner und Citroën Jumper sind bereits als Viertonner erhältlich. Immerhin 1800 Kilo Nutzlast sind damit machbar, die 3,5-Tonner bieten um 1400 Kilo Nutzlast und sind mit dem Ford Transit und dem Renault Master die Leichtgewichte in der Konkurrenz.

Die zwei Meter breiten Alu-Pritschen, die die Importeure stets ab Werk liefern, bieten in der Regel 204 cm lichte Breite. Die Ladelängen reichen bis 340 cm. Wer Ladelängen um vier Meter benötigt, wird nur noch bei Hersteller Iveco fündig: 4,10 und 4,50 Meter lange Pritschen sind beim Modell Daily im Programm.

Renault Master: Der Sparsame

Dass oft genug schon knapp drei Meter Pritsche reichen, zeigt der Erfolg des Renault Master (baugleich mit Opel Movano) als Doppelkabiner: Für leichte Einsätze eignet er sich allemal, seine Motoren sind kräftig, sparsam und langlebig . Zudem kann auch Renault mit einem automatisierten Schaltgetriebe aufwarten. Vor allem auf Kurzstrecken und schaltintensiven Stadteinsätzen ist das Quickshift-Sechsgang-Getriebe nicht nur eine echte Erleichterung für den Fahrer, es schont erwiesenermaßen die Kupplung und senkt den Kraftstoffverbrauch in Größenordnungen von knapp zehn Prozent.

Wichtig für die mitfahrenden Kollegen ist das Platzangebot. Während die klassischen Drei-Tonner in der Regel nur drei Sitzplätze anbieten, sind es in der Konkurrenz der 3,5-Tonner und darüber stets vier Sitzplätze auf der Rückbank. Der neue Fiat Ducato ist an dieser Stelle mit einem Innenmaß von 175 cm besonders breit, was einigermaßen Schulterfreiheit für die vier Hinterbänkler bedeutet: Zum Vergleich: Die nahezu baugleichen Passagierzellen von Sprinter und Crafter messen hier nur 166 cm.

Eine Kipp-Pritsche als Extra kann gerade im Bau sehr nützlich sein. Ab Werk wird sie allerdings nicht überall angeboten. Aber Hersteller wie Dautel oder Meiller liefern neben den üblichen Stahl-Kipppritschen spezielle Leicht-Kipper aus Alu, die eine Gewichtsersparnis von bis zu 300 Kilo ermöglichen. Diese kippbaren Alu-Pritschen sind allerdings nicht so robust wie Stahl-Pritschen.

Robert Domina

reinhold.mulatz@handwerk-magazin.de