Wirtschaft -

Jeder zehnte Gründer versucht trotz Insolvenz den Neuanfang

Hohe Schulden, kein Job und dazu das Image des Versagers - wenn Existenzgründer scheitern, können die Konsequenzen hart sein. Allerdings führt das unternehmerische Aus keineswegs zwangsläufig in den Ruin, wie Forschungsergebnisse des "Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung" (ZEW) zeigen.

Gründer, die ihr Unternehmen vor Eintritt der Zahlungsunfähigkeit aufgeben, haben demnach deutlich bessere Perspektiven als Unternehmer, die bis zur Insolvenz auf dem Markt bleiben.

So berichten zwei Drittel der Unternehmer, die ein Insolvenzverfahren durchlaufen haben, über finanzielle Probleme. Geldsorgen hat demgegenüber nur knapp jeder zweite Gründer, der sein Unternehmen vor der Insolvenz geschlossen hat.

Besonders gravierend wirkt sich eine Insolvenz auf das persönliche Ansehen aus: Während 50 Prozent der wegen Zahlungsunfähigkeit gescheiterten Unternehmer über einen Reputationsverlust berichten, trifft dies nur auf halb so viele Gründer zu, die ihr Unternehmen rechtzeitig aufgegeben haben.

Weniger ausgeprägt schlägt sich der Zeitpunkt der Geschäftsaufgabe im späteren beruflichen Status nieder. So finden gut zwei Drittel der ohne Insolvenzverfahren ausgeschiedenen Unternehmer in den ersten drei Jahren nach Marktaustritt eine Anstellung oder sind als Freiberufler tätig. Das trifft auch auf gut 60 Prozent der Unternehmer zu, die zahlungsunfähig wurden. Unabhängig von Insolvenz oder Nicht-Insolvenz ist allerdings knapp jeder fünfte in den zurückliegenden drei Jahren gescheiterte Gründer derzeit arbeitslos.

Aus Sicht der Studienautoren bemerkenswert ist der hohe Anteil der Unternehmer, die nach dem Misserfolg eine erneute Gründung wagen. "Erstaunlich" sei insbesondere, dass auch von den nach einer Insolvenz ausgeschiedenen Existenzgründern jeder Zehnte innerhalb von ein bis drei Jahren wieder ein Unternehmen eröffne.

Allerdings ist bei vielen Mehrfachgründern nach Einschätzung eines für die Studie befragten Sanierungsberaters der Misserfolg vorprogrammiert. Häufig handele es sich hier um Unternehmer, die "nichts anderes können als genau das, womit sie schon mehrfach insolvent gegangen sind".

Die Studie des ZEW wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und in Kooperation mit Creditreform durchgeführt.

Die komplette Studie zum Download: "Ursachen für das Scheitern junger Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihres Bestehens"

(ddp/Hendrik Roggenkamp/sel )

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