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Konjunkturreport Handwerk: Lage hervorragend, Ausblick verhaltener

Geht das Konjunkturhoch im Handwerk zu Ende? Noch ist die Geschäftslage der Betriebe hervorragend. Aber der Ausblick für 2020 fällt verhaltener aus, auch weil die Industrie schwächelt. Trotzdem sollte der Gesamtumsatz im Handwerk 2020 um drei Prozent steigen.

Das Handwerk hat weiter Hochkonjunktur, die aktuelle Geschäftslage der Betriebe ist hervorragend. Aber die Geschäftsaussichten für 2020 lassen eine schwächere Handwerkskonjunktur als 2019 erwarten – jedoch auf einem im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen immer noch hohen Niveau. Dieses Fazit zieht der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) aus seiner Konjunkturumfrage bei über 20.000 Unternehmen in ganz Deutschland. In Zahlen bedeutet das: 2019 erwartet der ZDH ein Umsatzplus von vier Prozent, 2020 von drei Prozent.

Ganz anders die Lage in der deutschen Gesamtwirtschaft: Ein mageres halbes Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt prognostizieren Bundesregierung und Sachverständigenrat für 2019 (siehe Grafik). Die Prognosen für 2020 bewegen sich zwischen 0,9 und 1,4 Prozent. „Der Aufschwung ist beendet, bislang ist jedoch nicht von einer breiten und tiefgehenden Rezession auszugehen“, brachte es Christoph Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, bei der Präsentation des Gutachtens auf den Punkt.

Viele Unsicherheiten

Natürlich ist auch das Handwerk nicht abgekoppelt von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, deshalb ist der Ausblick der Betriebe für 2020 mit Unsicherheiten behaftet. „Die Industriekonjunktur hängt entscheidend vom Außenhandel ab, und dieser wird weiter von Handelsstreitigkeiten und dem Schlingerkurs beim Brexit belastet“, erklärt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. Sollten weitere Belastungsfaktoren hinzukommen, würde das auch die Binnenkonjunktur beeinträchtigen und das Handwerk nicht unberührt lassen.

Professor Dr. Kilian Bizer, Direktor des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh), sieht für 2020 eine dreigeteilte Konjunkturentwicklung im Handwerk. „Die industrienahen Handwerksbetriebe und Zulieferer werden deutliche Einbußen hinnehmen müssen“, erklärte er im Gespräch mit handwerk magazin. Im Bau und Ausbau sei dagegen aufgrund der Auftragslage speziell im Wohnungsbau kein Abschwung in Sicht. „Und in den konsumnahen Handwerken wird es darauf ankommen, wie stark sich die Wirtschaftslage insgesamt eintrübt“, so der Forscher. Noch gebe es ja hohe Tarifabschlüsse und eine gute Beschäftigungsentwicklung in Deutschland. Insgesamt, so Bizer, sei die Wirtschaftslage aber deutlich volatiler geworden.

Wie schwer es zurzeit ist, Vorhersagen zu treffen, zeigt der Geschäftsklimaindex des ifo-Instituts, der nach einem Sinkflug in den letzten Monaten im November wieder leicht gestiegen ist.

Handwerk auf Spitzenniveau

Zurück zum Handwerk: Die aktuelle Geschäftslage verbleibt auf Spitzenniveau. 62 Prozent der Betriebsinhaber melden gute Geschäfte, nur 7 Prozent schlechte. Besonders gut läuft es weiter am Bau und beim Ausbau: 97 Prozent der Betriebsinhaber dieser Gewerke sprechen von einer guten bis befriedigenden Geschäftslage, wobei das Urteil „gut“ deutlich überwiegt. Bei den Lebensmittelhandwerken melden 92 Prozent gute bis zufriedenstellende Geschäfte. Und bei den konsumnahen privaten Dienstleistern sind es 88 Prozent der befragten Betriebe.

Handwerker für den gewerblichen Bedarf spüren allerdings zunehmend die Konjunkturschwäche der Industrie, 88 Prozent halten ihre derzeitige Geschäftslage für gut oder befriedigend, im Vorjahresherbst lag dieser Wert noch bei 94 Prozent. Auch im Kraftfahrzeug-Bereich wird die Lage verhaltener beurteilt. Mit gut oder befriedigend bewerten 89 Prozent der Betriebsinhaber ihre aktuelle Geschäftslage.

Beschäftigtenentwicklung: Noch mal 40.000 mehr

Zusätzlich 40.000 Mitarbeiter haben die Betriebe 2019 eingestellt, insgesamt sind damit weit über 5,5 Millionen im Handwerk beschäftigt. Für 2020 erwartet das Handwerk erneut eine positive Beschäftigungsentwicklung, auch wenn die Suche nach Fachkräften nach wie vor sehr schwer und für viele Betriebe erfolglos ist.

Beschäftigtenentwicklung Noch mal 40.000 mehr

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Branchentrends

  • Augenoptiker
    Lage: Im ersten Halbjahr 2019 ging der gesamte Brillenoptikumsatz bezogen auf das Vorjahr leicht zurück. Auch im dritten Quartal setzte sich diese Entwicklung fort.
    Trend: Unter Einbeziehung der großen Filialisten ergibt sich insgesamt ein Umsatzanstieg von circa zwei Prozent.
  • Bäcker
    Lage: Trotz positiver Umsatzentwicklung nahm die Zahl der Beschäftigten und auch die der Betriebe leicht ab. Der Konzentrationsprozess nimmt zu.
    Trend: Es entwickelt sich eine neue Bäcker-Szene, die sich stärker mit der Gastronomie beschäftigt und Events anbietet.
  • Baugewerbe
    Lage: Für 2019 wird ein Umsatzwachstum von 8,7 Prozent auf 137,5 Milliarden Euro erwartet. Das Wachstum betrifft alle drei Bausparten gleichermaßen. Bei den Beschäftigten geht der Verband von einem Anstieg auf 855.000 aus.
    Trend: 2020 soll es ein Umsatzplus von fünf Prozent auf 145 Milliarden Euro geben, das entspricht der erwarteten Preisentwicklung.
  • Elektro- und Informationstechnische Handwerke
    Lage: Laut Herbstumfrage des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) beurteilen 98 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage positiv (80,9 Prozent „gut“, 17,1 Prozent „befriedigend“).
    Trend: 28,4 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass sich die geschäftliche Situation noch verbessern wird, knapp zwei Drittel (62,7 Prozent) rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung.
  • Fleischer
    Lage: Die Umsätze entwickelten sich im dritten Quartal 2019 gut, nachdem das Statistische Bundesamt für das zweite Quartal ein Umsatzwachstum von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auswies. Die Ladengeschäfte der Fleischer waren in den letzten Monaten gut ausgelastet.
    Trend: Größter Hemmschuh bleibt der anhaltende Mangel an qualifizierten Mitarbeitern. Im Einzelfall führt dies zur Ablehnung von Aufträgen beim Catering, der Reduzierung von Öffnungszeiten oder gar der Schließung von Filialen.
  • Friseure
    Lage: Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks erwartet für 2019 eine moderate Steigerung der Umsätze. Insgesamt profitiert die Branche von der nach wie vor hohen Konsumfreude der Verbraucher.
    Trend: Gute Friseurdienstleistungen bleiben gefragt. Salons, die mit Qualität und Service überzeugen, haben Umsatzsteigerungen, die deutlich über den für 2019 erwarteten 2,5 Prozent des Gesamtmarktes liegen.
  • Gebäudereiniger
    Lage: Die Konjunkturaussichten für 2019 bleiben überwiegend positiv. 62,1 Prozent der Betriebe bezeichnen die Lage als gut, 33,3 Prozent als befriedigend. 64 Prozent der Unternehmen gehen 2019 von steigenden, 28,1 Prozent von gleichbleibenden Umsätzen aus. 7,8 Prozent erwarten sinkende Umsätze.
    Trend: Nur noch 47,7 Prozent der Betriebe rechnen weiter mit steigenden, 46,2 Prozent mit gleichbleibenden und 6,1 Prozent mit sinkenden Umsätzen.
  • Kfz-Gewerbe
    Lage: Die Branche leidet unter der Krise der Autoindustrie. Nur rund 20 Prozent bewerten laut Zentralverband ihre Geschäftslage im dritten Quartal als gut, für das vierte Quartal sind die Aussichten noch schlechter. .
    Trend: Einen Markt sieht der Verband in der Hardware-Nachrüstung für ältere Dieselfahrzeuge.
  • Maler und Lackierer
    Lage: 2019 wird ein weiteres Umsatzplus erwartet, das preisbereinigt allerdings deutlich geringer ausfällt als in anderen Sparten der Bauwirtschaft. Die starken konjunkturtreibenden Effekte des Wohnungsneubaus haben weniger Bedeutung.
    Trend: Entscheidend ist, ob Binnenkonjunktur und Verbraucherverhalten robust bleiben.
  • Metall
    Lage: Knapp drei Viertel der baunahen Metall- und Stahlbauer beurteilten die Geschäftslage zum Ende des dritten Quartals mit gut bis sehr gut. Ein anderes Bild zeichnet sich in der Feinwerkmechanik ab. 40 Prozent der Unternehmen bewerten die aktuelle Lage als nicht einmal mehr ausreichend oder ungenügend.
    Trend: Die Umsatzerwartungen für 2020 im Metallbau belaufen sich auf rund drei Prozent. Damit wird 2020 für den Metallbau sicherlich kein Krisenjahr, die Erwartungen sind allerdings verhalten. Aber nur jeder vierte Feinwerkmechaniker plant in der nahen Zukunft Neuanschaffungen.
  • Orthopädie-Technik
    Lage: Die Umsatz- und Erlössituation der Betriebe und Sanitätshäuser stieg im dritten Quartal 2019 im Vergleich zum Jahr 2018 leicht an.
    Trend: Aktuell ist die Branche in Verhandlungsgesprächen mit einer Vielzahl von Kostenträgern, um die bislang über Ausschreibungen geregelten Versorgungen in Verhandlungsverträge zu überführen.
  • Sanitär Heizung Klima
    Lage: Es herrscht eine deutlich positive Grundstimmung für die Gewerke Installateur und Heizungsbauer, Ofen- und Luftheizungsbauer, Klempner sowie Behälter- und Apparatebauer. Der positive Stimmungstrend wird durch einen Auftragsbestand von 11,7 Wochen unterstrichen.
    Trend: Die verstärkte Geldanlage in die eigenen vier Wände wird das Sanierungsgeschäft weiter stabil halten. Auch für die nächsten drei Monate ist mit einer stabilen Auftragslage zu rechnen.
  • Tischler/Schreiner
    Lage: Die Betriebe erreichen aktuell durch die Bank weg betriebswirtschaftliche Topwerte und haben sich insbesondere in den vergangenen zwei Jahren sehr gut entwickelt. Die Umsätze steigen seit Jahren, auch 2019 wird es ein Plus geben.
    Trend: Wie dieser Prozess weitergeht, lässt sich derzeit nur schwer absehen. Dennoch gäbe es laut Bundesinnungsverband keinen Grund, nicht zuversichtlich zu bleiben.

Prognosen zur Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts

Vorübergehender Abschwung, aber keine Rezession, so lassen sich die wichtigsten Prognosen für die deutsche Wirtschaft zusammenfassen. Allerdings hat zum Beispiel die Bundesregierung ihre Prognose für 2020 von 1,5 auf ein Prozent abgesenkt.

rognosen zur Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts

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Geschäftslage: Weiter auf hohem Niveau

Die Geschäftslage im dritten Quartal 2019 erreichte in allen Gewerkegruppen des Handwerks weiterhin ein hohes Niveau. Allerdings liegen die Geschäftslagebewertungen der Betriebe zum Teil deutlich unter dem Spitzenniveau aus dem Herbst 2018. Das stabile Hoch der Baukonjunktur lässt weiterhin mehr als 70 Prozent der Betriebe in den Bau- und Ausbaugewerken zu einer guten Lageeinschätzung kommen.

Gewerk befriedigend gut
Bau 24 73
Ausbau 25 72
Gewerblicher Bedarf 33 55
Kraftfahrzeuge 47 42
Lebensmittel 41 51
Gesundheit 38 52
Persönliche Deinstleistungen 40 48

Auslastung : Nahezu am Limit

Auf einem Allzeithoch liegt mit 84 Prozent insgesamt die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten. Auf den Höchstwerten aus dem Herbst 2018 bleibt die Kapazitätsauslastung mit 90 bzw. 89 Prozent bei Bau- und Ausbau. Zugenommen hat sie in den Lebensmittelbetrieben (plus 4 Prozent).

Investitionen: Immer noch hoch

Beinahe alle Gewerkegruppen sind bei ihren Investitionsplanungen für 2020 vorsichtig. Da die Geschäftsentwicklung aber weiter aufwärtsgerichtet ist, fällt die Investitionstätigkeit im langfristigen Vergleich immer noch hoch aus. Hier die Erwartungen der Betriebe für die nächsten Monate (Angaben in Prozent).

Gewerk weniger unverändert mehr
Gesamthandwert 20 63 17
Bau 22 64 14
Ausbau 17 66 17
Gewerblicher Bedarf 24 60 16
Kraftfahrzeuge 21 56 23
Lebensmittel 21 63 16
Gesundheit 18 61 21
persönliche Dienstleistungen 16 66 18

Verkaufspreise : Kunden müssen mehr bezahlen

In vielen Gewerken und Regionen übersteigt die Nachfrage nach handwerklichen Waren und Dienstleistungen das Angebot. Konsequenz für die Verbraucher: Die Preise steigen. Hier die Erwartungen der Betriebe für die nächsten Monate (Angaben in Prozent).

Gewerk sinkend unverändert steigend
Gesamthandwerk 5 68 27
Bau 6 67 27
Ausbau 4 64 32
Gewerblicher Bedarf 9 72 19
Kraftfahrzeuge 5 70 25
Lebensmittel 61 39
Gesundheit 3 85 12
persönliche Dienstleistungen 2 72 26

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