Geldanlage: „Derzeit spricht viel für Aktien“

Hans Joachim Reinke, seit dem Sommer Chef von Union Investment, will den Anlagenotstand mit einer neuen Fonds-Generation überwinden, sagt er im Gespräch mit handwerk magazin.

Fondsanbieter haben es derzeit nicht leicht. Viele Anleger streben nach Sicherheit, fühlen sich insbesondere mit Aktienfonds aber nach der Finanzkrise nicht ganz wohl. Festgeld bringt aber auch kaum noch Zinsen. Und über langfristige Anleihen schwebt das Damoklesschwert steigender Zinsen, was Kursverluste bedeuten würde.

In diesem Umfeld hat Union Investment jetzt reagiert. Der Fondanbieter der Volks- und Raiffeisenbanken bietet neuerdings „für jeden Anleger, der dies wünscht, eine aktive Steuerung seiner Geldanlage in jeder Marktphase“. Dies sagte der neue Vorstandsvorsitzende Hans Joachim Reinke im Interview mit handwerk magazin.

In den so genannten „PrivatFonds“ soll das Geld der Kunden sicher angelegt werden, wobei der Anleger aus drei möglichen Sicherheits-Definitionen auswählt kann. Aus Sicht von Reinke spricht derzeit viel für Aktien. Zahlreiche Unternehmen hätten überraschend gute Zahlen vorgelegt. Und relativ hohe Dividendenrenditen sichern das Engagement nach unten ab. Auf der Anleiheseite rät er nur zu erstklassige Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit.

Handlungsbedarf beim Thema „Beipackzettel“, einem Informationsblatt für Finanzprodukte, sieht Reinke derzeit nicht. „Offene Investmentfonds sind ohnehin das am höchsten regulierte und transparenteste Produkt auf dem Finanzmarkt“, betont Reinke. Deshalb ändere sich für Union Investment in der Praxis vorerst nichts. Lesen Sie hier das ausführliche Interview mit dem Union-Investment-Chef.

handwerk magazin: Herr Reinke, die Finanzkrise hat viele Anleger sind stark verunsichert. Was raten Sie ihnen?
Hans Joachim Reinke: Tatsächlich ist das Sicherheitsbedürfnis deutscher Anleger durch die Krise deutlich angestiegen. Unsere Marktforschung zeigt, dass für drei Viertel aller Befragten die Sicherheit beim Thema Geldanlage an erster Stelle steht; für über 60 Prozent ist Sicherheit jetzt noch wichtiger geworden. Und obwohl die Fondsbranche selbst Opfer und nicht Auslöser der Finanzmarktkrise war, ist gerade hier Kundenvertrauen verloren gegangen. Im derzeitigen Niedrigzinsumfeld ergibt sich ein echter Anlagenotstand. Daher kommen Anleger nicht umhin, neben den Risiken auch die Chancen zu sehen, die der Kapitalmarkt bietet.

Wie können Anleger diese Chancen nutzen?
Reinke: Offene Investmentfonds sind generell ein probates Mittel dafür. Mit der richtigen Aufteilung seines Geldes in Aktien-, Renten- und Geldmarktfonds kann der Anleger seine Risiken streuen und seine Chancen optimieren. Und wer auch diese Aufteilung einem Profi überlassen möchte, für den bieten sich Vermögensverwaltungsfonds an. Wir selbst haben in diesem Bereich Mitte des Jahres eine ganz neue Generation an den Markt gebracht, die PrivatFonds.

Was ist neu an diesen Fonds?
Reinke: Wir haben bewusst auf starre Quoten für einzelne Anlageklassen verzichtet, genauso wie auf eine Orientierung an festen Vergleichsindizes. Wir bieten jedem Anleger, der dies wünscht, eine aktive Steuerung seiner Geldanlage in jeder Marktphase. Gleichzeitig will der Anleger sein Geld sicher anlegen. Sicherheit wird aber sehr unterschiedlich definiert. Die einen verstehen darunter, dass sich ein Experte um ihre Geldanlage kümmert und zum jeweiligen Zeitpunkt in die beste Anlageklasse investiert. Andere definieren Sicherheit so, dass sie von den Schwankungen an den Kapitalmärkten nicht überrascht werden wollen. Und eine dritte Gruppe gibt ihre Schmerzgrenze an, in der sie Verluste tolerieren könnte, die dann als absolute und gesicherte Wertuntergrenze gilt und von der aus eine positive Rendite erwirtschaftet werden soll.

Und wo sehen Sie derzeit die besten Anlagechancen?
Reinke: Derzeit spricht viel für Aktien: attraktive Dividendenrenditen, überraschend gute Zahlen von Unternehmen und das anhaltend niedrige Zinsniveau. Amerikanische und europäische Aktien sind jetzt relativ günstig. Auf der Anleiheseite würde ich derzeit bei Staatsanleihen nur zu erstklassigen Papieren mit kurzer Laufzeit raten. Zudem sind Anleihen von Unternehmen mit bester Bonität zu empfehlen, und als Beimischung auch Anleihen aus Schwellenländern in einheimischer Währung.

Anlagen in heimischer Währung bedeuten aber Währungsrisiken.
Reinke: Das stimmt, aber die Währungschancen überwiegen. Weil viele Schwellenländer deutlich stärker wachsen als die Euro-Zone, dürften auf lange Sicht auch deren Währungen gegenüber dem Euro aufwerten.

Und was ist mit Rohstoffen?
Reinke: Hier könnte man kurzfristige Kurskorrekturen zum Positionsaufbau nutzen, da wir mittelfristig mit einer anziehenden Weltkonjunktur rechnen, was bei vielen Rohstoffen preistreibend wirken dürfte.

In Europa laufen die Konjunkturprogramme aus. Sind die Wachstumskräfte in den Schwellenländern stark genug, um die „alte Welt“ zu beflügeln?
Reinke: Ich bin optimistisch. Zwar ist das beherrschende Thema an den Kapitalmärkten derzeit die hohe Verschuldung einiger Staaten, weshalb die Zentralbanken dieses Jahr wohl auf Zinserhöhungen verzichten werden. Wir sehen jedoch für 2010 in allen Regionen wieder eine zunehmende Wirtschaftsleistung bei gleichzeitig geringen Inflationsraten. So prognostizieren wir für 2011 ein BIP-Wachstum in den USA von 2,4 Prozent, in Euroland von 1,4 Prozent, in Deutschland von 1,9 Prozent und Japan von 1,3 Prozent. Globaler Spitzenreiter bleibt China mit 9,0 Prozent gefolgt von Indien mit 8,3 Prozent.

Die Anleger bewegt auch das Thema „Beipackzettel“, mit dem Banken über die Chancen und Risiken von Finanzprodukten informieren. Reichen die bisherigen Angaben, um Vergleichbarkeit und Übersichtlichkeit zu erreichen?
Reinke: Ich denke schon. Es ist ja erklärtes Ziel der Politik, eine möglichst hohe Vergleichbarkeit der Anlageprodukte herzustellen. Der „Beipackzettel“ soll die Transparenz der angebotenen Produkte für den Verbraucher erhöhen. Im Beratungsgespräch bei Fondsanlagen wird allerdings schon seit langem im Zuge der Dokumentationspflicht von der Bank ein Informationsblatt zum Fonds ausgehändigt. Offene Investmentfonds sind das am höchsten regulierte und transparenteste Instrument auf dem gesamten Finanzmarkt. Deshalb ändert sich für uns in der Praxis vorerst nichts.

Inwiefern sind Fonds transparenter als zum Beispiel Lebensversicherungen und Zertifikate?
Reinke: Fonds sind transparenter sowohl hinsichtlich der Kosten, der Preisfestsetzung als auch der Werte, in die ein Fonds investiert. In den Verkaufsprospekten werden alle wesentlichen Kosten eines Fonds ausgewiesen. Der Preis eines Fonds wird täglich durch den Markt ermittelt. In den Rechenschaftsberichten finden sich detailliert sämtliche Werte mit den exakten Summen wieder, in die der Fonds zu einem bestimmten Stichtag investiert war. Diesem Standard müssen sich Lebensversicherungen und Zertifikate erst einmal stellen.

Aber Lebensversicherungen sind bei den Deutschen als Altersvorsorgeprodukt beliebt.
Reinke: Die Versicherer haben es bisher besser verstanden als die Asset Manager, das Thema Sicherheit mit ihren Produkten zu verbinden. Interessanterweise existiert die Kapitallebensversicherung aber praktisch nur in Deutschland. Es wird zwar ein gesetzlicher Mindestzins garantiert, der jetzt nur noch 2,25 Prozent beträgt. Aber damit kommt man nicht weit. Langfristige private Altersvorsorge muss mindestens zwei Seiten beinhalten: einen gewisser Schutz vor Verlust gepaart mit chancenträchtigen Investments. Optimal ist hier in meinen Augen zum Beispiel die fondsbasierte Riester-Rente. So garantiert beispielsweise Union Investment mit seiner UniProfiRente zum einen den gesetzlich vorgeschriebenen Schutz des eingesetzten Kapitals, und zum anderen partizipiert der Kunde an den Renditechancen der internationalen Aktienmärkte.

Dennoch zögern Privatanleger. Müssten nicht auch aktiv verwaltete Fonds günstiger werden?
Reinke: Unser Haus hat sich dem aktiven Fondsmanagement verschrieben. Denn nur mit aktivem Management lassen sich die Märkte schlagen, während ein Anleger mit einem Indexfonds aufgrund der Kosten grundsätzlich schlechter als der Markt abschneidet. Der Erfolg unseres aktiven Managementansatzes lässt sich an der hohen Quote von Fonds ablesen, die regelmäßig ihre Vergleichsindizes schlagen. Deshalb liegen wir auch seit 2005 durchgehend beim Feri-Ranking in der absoluten Spitzengruppe und seit September 2009 durchgehend auf Platz 1. Natürlich gibt es das Research und die gesamte Administration der Fonds für den Kunden nicht umsonst. Aber dennoch sind unsere Fonds im Branchendurchschnitt günstiger als die der Konkurrenz. So lagen Ende 2009 die Gesamtkosten von Aktienfonds im Branchendurchschnitt bei 1,76 Prozent und Rentenfonds bei 1,11 Prozent, während Aktienfonds von Union Investment mit 1,42 Prozent beziehungsweise Rentenfonds mit 0,87 Prozent zu Buche schlugen. Deshalb sehe ich an dieser Stelle für uns keinen Handlungsbedarf.