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Fotograf Florian Wagner: Abenteuer vor der Haustüre

Ein Hund, fünf Pferde und sechs Abenteurer: Fotograf Florian Wagner aus Oberammergau ritt mit seinem Team für einen Arbeitsauftrag von der Zugspitze bis nach Sylt. 66 Tage wildes Deutschland.

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Einzige Bedingung für Florian Wagners Auftrag war: Am Ende der Reise des Fotografen musste ein Buch darüber erscheinen, dessen Handlung in Deutschland stattfindet. Aus Verlegenheit schlug der Pferdefreund seinem Verlag spontan vor: „Ich könnte durch Deutschland mit dem Pferd reiten und mit dem Helikopter zurückfliegen.“ So weit der Auftrag: Abenteuer Deutschland.

Der Pferdefutter-Sponsor

Die Vorbereitungen dauerten zehn Monate. Alleine hätte der 48-jährige Fotograf die Tour nicht geschafft. Deshalb stellte er ein Team aus fünf Begleitern zusammen: vom Assistenten über den Begleitfahrzeugfahrer bis zum Routenplaner und Pferdebetreuer. Denn eine Expedition mit Pferden muss perfekt organisiert sein. Das fange schon bei der optimalen Auswahl des Futters an. Florian Wagner machte einen Produzenten ausfindig, der Zusatzfutter herstellt. Stolz berichtet der Pferdebesitzer: „Der Hersteller sponsert mit seinem Pferdefutter die 30 besten Springreiter der Welt – und uns.“

Freiheitsliebender Abenteurer

Angesprochen auf sein Fotografenhandwerk, schmunzelt Florian Wagner und kommentiert: „Wenn es so weitergeht werde ich noch gut.“ Im Laufe seiner bisherigen Berufslaufbahn hat der selbsternannte „freiheitsliebende Abenteurer“ schon Bilder von Menschen und Tieren für Werbung, Ausstellungen und Modeproduktionen sowie für Reportagen und Bücher gemacht.
Mit dem Fotografieren angefangen hat Florian Wagner nach seinem Schulabschluss. Für ein Jahr war er, unter anderem auch als Cowboy, in Australien unterwegs. Mit dabei: sein Fotoapparat. Was er arbeite, wurde er in Down Under gefragt. Der junge Mann antwortete damals selbstbewusst, dass er fotografiere. Nach seiner ersten Bildveröffentlichung stand für Florian Wagner fest: „Ich bin Fotograf.“ Das war der Ausgangspunkt für seine Laufbahn als Berufsfotograf – ohne eine entsprechende Ausbildung absolviert zu haben. Denn Fotograf ist ein anerkannter dreijähriger Ausbildungsberuf im Handwerk.
Für sein Fotoprojekt Abenteuer Deutschland hat der Fotograf keine Mühen gescheut. Aufnahmen hat er zum Beispiel auch aus der Luft per Drohne und vom Hubschrauber aus gemacht. Die Kameraausstattung sowie Essen und Ausrüstung für Mensch und Pferd wogen mehrere Tonnen. Auch an das Betriebswirtschaftliche hat Florian Wagner gedacht. Um seine Gesamtkosten (250.000 Euro) zu reduzieren, ließ er sich nicht nur das Pferdefutter – sondern auch die Pferdestärken sponsern. Ein Automobilhersteller stellte einen Geländewagen zur Verfügung. Auch sein Handwerkszeug, die Kamera, bekam er gestellt.

Cooles Deutschland

Bei Florian Wagner hat die Reise prägende Eindrücke hinterlassen: „Deutschland ist viel cooler, als die Deutschen es machen.“ Seine Gruppe habe viel Freundlichkeit erlebt. Nur in zwei Situationen während der mehr als zwei Monate habe er das angeblich so „typisch Deutsche“ erlebt: Ein Polizist habe ihnen als „selbsternannter Umweltpolizist“ aus Sorge vor dem zu kurz kommenden Naturschutz mit einer Anzeige gedroht. Außerdem habe ihnen ein „Mittfünfziger, der aussah wie ein 17-jähriger Rocker“, wegen Pferdeäpfeln auf der Straße empört lauthals nachgeschrien.
Doch weil Florian Wagner auf seiner Reise durch Deutschland viel mehr Hilfsbereitschaft und Offenheit erfahren hat, will er davon etwas zurückgeben: „Ich will anderen Menschen durch meine Abenteuer-Deutschland-Tour Mut machen und zeigen, dass jeder seine Träume verwirklichen kann.“ Umsetzen muss diese aber letztendlich jeder selbst.

Von der Zugspitze nach Sylt

Start war am Fuße der Zugspitze: 66 Tage und 1.700 Kilometer später erreichten die Abenteurer ihr Ziel Sylt. Im Durchschnitt legten die Deutschland-Reisenden etwa 30 Kilometer pro Tag zurück, bis auf den Begleitfahrer, alle im Sattel per Pferd.

Acht Bundesländer bereiste Fotograf Florian Wagner mit seinen fünf Begleitern während ihrer Tour: Los ging es am 7. Juli 2013 am Fuße des mit 2.962 Metern höchsten Berges Deutschlands, der Zugspitze in Bayern. Die Route führte die Gruppe weiter über Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg sowie Niedersachsen und Hamburg. Das Ziel der Tour, die nördlichste deutsche Insel Sylt im Bundesland Schleswig-Holstein, erreichte die Reisegruppe am 10. September 2013 – nach mehr als zwei Monaten.

Die tägliche Herausforderung bestand darin, einen für die Pferde geeigneten Weg zu finden, bei dem keine Autobahnen, Schienen, Flüsse und Kanäle die Reiseroute beeinträchtigen. Trotz sorgfältiger Planung musste die Strecke immer wieder kurzfristig geändert werden.

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