Selbstauskunft Eigene Zahlen prüfen

Wer sich vor ausbleibenden Aufträgen und hämischen Gerüchten schützen will, sollte ab und zu die Zahlen der eigenen Firma abrufen.

– Selbstauskunft

Eigene Zahlen prüfen

  • Anbieter: Bei Dun & Bradstreet, Euler-Hermes, atriga und Bürgel können Firmen einmal jährlich kostenlos eine Selbstauskunft bestellen. Creditreform schickt seinen Mitgliedern unaufgefordert und ebenfalls jährlich eine Selbstauskunft.
  • Korrektur: Nach Auskunft der Anbieter korrigieren diese falsche Angaben in den Bonitätsauskünften umgehend. Gesetzlich verpflichtet sind sie dazu bei Verbrauchern, Einzelunternehmern und Personenfirmen, nicht aber bei GmbHs.

Außenstände: Nach Auskunft Auftrag

Viele Betriebe schützen sich mit Bonitätsauskünften vor schlechten Zahlern und werden selbst daran gemessen. Weshalb Sie den Informationen nicht blind vertrauen sollten.

Dorit Wagner, Buchhalterin der Abraham Gerüstbau GmbH in Neubrandenburg, holt nach jedem Auftrag eine Bonitätsauskunft von Creditreform ein. „Bei Kleinaufträgen bis 1000 Euro telefonisch, bei größeren Summen detaillierter und online“, berichtet sie. Durch die Auskünfte und die detaillierte Angabe der Ausfallwahrscheinlichkeit erhält sie eine schnelle und direkte Einschätzung der Bonität des Kunden und ob das Geschäft empfehlenswert ist oder nicht. Z

usätzlich schützt sich der Betrieb mit 45 Beschäftigten und 3,5 Millionen Euro Jahresumsatz gegen Forderungsausfall durch eine Warenkreditversicherung bei atradius, die mit Creditreform zusammenarbeitet. „Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, freut sich Wagner.Derart sichern sich die wenigsten Handwerksbetriebe gegen säumige Kunden ab. Viele aber holen zumindest bei größeren Aufträgen eine Bonitätsauskunft ein. Doch nicht immer sind die Informationen zutreffend, was Unternehmer durch eine Selbstauskunft leicht feststellen können.

Korrekturwunsch auf der Liste

Auch bei der Abraham GmbH stimmt die Bonitätsauskunft nicht komplett. „Wir haben mit 216, also einer Schulnote 2,16 einen guten Index“, so Dorit Wagner. „Doch der könnte noch besser sein, wenn Creditreform bei der nächsten Berechnung berücksichtigt, dass wir Skonti nutzen und damit unsere Liquidität besser als in der Auskunft ist.“ Cornelia Tempel von Creditreform Neubrandenburg hat diese ergänzende Information von Dorit Wagner schon in die Datenbank aufgenommen.

Auch Bauunternehmer Reinhard Lachner aus München nutzt Bonitätsauskünfte und hat Verständnis, wenn ein neuer Geschäftspartner sich erst mal über die Kreditwürdigkeit seiner Vitus Lachner GmbH mit zwölf Mitarbeitern und einer Million Euro Umsatz jährlich erkundigt. Prüfungsangst hat der Obermeister der Bauinnung München dabei nicht, schließlich hat die Firma immer pünktlich gezahlt. Umso mehr erstaunte es ihn, als ein Subunternehmer die Zusammenarbeit ablehnte. Begründung: schlechte Noten bei Creditreform. Lachner ging der Sache auf den Grund: „Die haben nur die Zahlen der Bilanz angesehen, doch das gibt ein schiefes Bild.“ Nachdem er weitere Unterlagen eingereicht hatte, korrigierte Creditreform die Note nach oben.

Selbstauskunft eingeholt

Bauunternehmer Reinhard Lachner und Ulrich Hartmann, Geschäftsführer der Elektro Hartmann GmbH in Lindau mit drei Angestellten und 500000 Euro Jahresumsatz, verschafften sich auf Bitte von handwerk magazin per Selbstauskunft Klarheit über ihr Rating. Mit der Bewertung waren beide nicht zufrieden. Die Angaben basierten nur auf den Bilanzzahlen. „Die Bilanz zeigt nicht, dass ich persönlich mit erheblichem Privatvermögen hinter der Firma stehe“, so Hartmann. Deshalb zeige die Note nicht das reale Risiko. Zusätzlich hat Hartmann bei Bürgel angefragt, da stimmten die Fakten, die Note war besser, „doch warum, das war genauso wenig nachvollziehbar“.

Zahlen vom Vorjahr

Viel Feinarbeit können die Auskunfteien angesichts der Datenbestände kaum leisten. Der Münchner Anwalt Oliver Maaß, Kanzlei Heisse, Kursawe, Eversheds, hat ausgerechnet, dass jeder D&B-Mitarbeiter für 40.000 Unternehmen zuständig ist. Nach Ansicht von Hilmar Toppe, Jurist bei der Bauinnung München, begrenzt auch die Herkunft der Daten ihre Qualität: „Sie kommen oft aus dem Unternehmensregister, sind also vom Vorjahr.“

Nach Erfahrung von Hartmut Drexel, Leiter der Betriebswirtschaftlichen Abteilung der Handwerkskammer München, sind die Infos „zum Teil sehr gut, zum Teil sehr schlecht“. Nur sei ihnen das nicht anzusehen.Aber die Note, die am Ende herauskommt, sieht immer objektiv und unverrückbar aus. Was tatsächlich dahintersteckt, konnte Reinhard Lachner bei seinem „Zahlungsindex“ feststellen, der das Zahlungsverhalten bewertet. Er hatte 90 von 100 möglichen Punkten. Doch er hat seine Zweifel am Wert der Aussage: „Dahinter stehen bei mir acht Lieferungen für insgesamt 13.200 Euro, das ist nicht repräsentativ, unser Gesamtvolumen liegt jährlich bei über 250.000 Euro.“

Rufschaden beseitigen

Trotzdem ist „gegen die Benotung rechtlich kaum etwas zu machen, wenn die Fakten stimmen“, sagt Maaß. Anders bei unrichtigen Fakten. Das hat Maaß für eine Firma durchexerziert, bei der plötzlich gewohnte Aufträge ausblieben. Auf Nachfrage erfuhr Maaß den Grund: Bonitätsnote vier. Es zeigte sich, die Daten waren unrichtig. Die die Firma bestand auf Reparatur ihres Rufs durch Widerruf gegenüber den Empfängern.

Maaß: „Erst vor Gericht lenkte die Auskunftei ein.“Bleibt die Frage, wie die Unternehmen sich außer durch Bonitätsauskünfte schützen können. Die wichtigsten Mittel sind für Hilmar Toppe Sicherheiten und kontrollierte Zahlungsabläufe, „große Vorausleistungen vermeiden“. Nur diese Bausteine zusammen ergäben ein perfektes Forderungsmanagement, bei dem die Bonitätsauskunft lediglich die Eingangstür ist.