Josef Zündorf ist Inhaber der Bonner Sattlerei Bresgen und polstert vor allem Oldtimer. Für handwerk magazin testete er die Sitze des neuen BMW 530d GT.
Echtes oder Kunstleder?
Die Garage steht voller alter Schönheiten: Ein beigefarbener Mercedes 300 SL, Baujahr 1967. Ein BMW 503 aus dem Jahre 1957. Ein knallroter Triumph TR4. „Im Frühling ist hier immer die Hölle los“, erklärt Josef Zündorf, Inhaber der Bonner Auto-Sattlerei Bresgen. „Da wollen die Besitzer ihre Schätze wieder fit machen lassen für die Saison.“
Aus all den Raritäten fällt einer heraus: ein BMW 530d Gran Turismo, Baujahr 2010. Zündorf steigt ein, sucht nach dem Zündschloss – vergeblich, denn der Wagen startet auf Knopfdruck. Der Sattler schüttelt den Kopf: „Bei neuen Autos weiß man nie, wie die einfachsten Dinge funktionieren.“ Auf der Fahrt spielt die Technik ihm manch einen Streich. Der Blinker hört gar nicht mehr auf zu blinken. Der Scheibenwischer wischt, obwohl es nicht mehr regnet. „Aber schön ist er, der BMW“, sagt Zündorf. „Die Sitze sind gut gemacht. Und fahren tut er sich gut.“ Der Sattler steigt aus und öffnet die hintere Tür: „Jetzt muss ich mir das Auto aber mal genau anschauen.“
Wie gefällt dem Fachmann das Leder?
Die Qualität ist hoch. BMW hat das Material auch gut verarbeitet. Die wesentliche Frage, die Sie mir stellen sollten: Ist das alles echtes Leder?
Warum?
Heute ist Kunstleder geprägt wie Originales und riecht auch so. Und echtes Leder scheint künstlich, weil es sehr gleichmäßig geprägt ist. Auch hier ist es kaum zu unterscheiden. Fühlen Sie mal! An der Seite ist das Material dünner und nicht echt. Nur auf den Oberseiten der Sitze ist echtes Leder verarbeitet. So sparen die Firmen.
Was sagen Sie zum hellen Ton?
Beige ist derzeit bei Kunden beliebt. Das sieht auch schön aus – bis man sich mit einer nassen
Jeans draufsetzt. Mir gefallen Cognac-Töne besser. Das ist ein klassischer Lederton fürs Auto.
Wie sehen das Ihre Kunden?
Im vergangenen Jahr wollte mal eine Kundin für ihr dunkelblaues Käfer-Cabrio knallgelbe Ledersitze. Da musste ich gegensteuern. Sattler wollen Originale wiederherstellen. Beim Mercedes 190 SL heißt das zum Beispiel: silbernes Auto, rotes Leder. Es gibt keine schönere Kombination.
Sibylle Schikora
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