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Diese Städte versprechen bessere Geschäfte

Mittelstandsfreundliche Kommunen: Mit besserem Service werben 39 Städte, Gemeinden und Landkreise um kleine und mittelständische Unternehmen. Handwerksunternehmer profitieren von der Standortpolitik.

Dass seine Kommune Unternehmen mehr Service bieten möchte, erfuhr Ulrich Schaub vor einigen Jahren vom Bürgermeister seines Ortes. Die Idee gefiel ihm: „Als Handwerksunternehmen muss man auch guten Service bieten, warum dann nicht auch die Stadt?“ Salzkotten, wo Schaub als Seniorchef einen SHK-Betrieb mit 15 Mitarbeitern führt, ist eine von 39 ausgezeichneten mittelstandsfreundlichen Kommunen in Deutschland.

Mit dem Erhalt des Gütezeichens verpflichten sich die Verwaltungen, Standards einzuhalten, die Unternehmern die Arbeit erleichtern sollen. Kern der mittelstandsorientierten Kommunalverwaltungen sind 14 Serviceversprechen, die unter den Begriffen Transparenz, Planungssicherheit und Kundenorientierung zusammengefasst werden . Dazu gehört beispielsweise, dass die Verwaltungen innerhalb eines Tages auf Anrufe oder Mails reagieren, Beschwerden werden nach spätestens drei Tagen beantwortet. Handwerksunternehmer Schaub kann das bestätigen. Bei Problemen reicht ein Anruf, von den meisten Ansprechpartnern hat er sogar die Handynummern: „Das läuft total unproblematisch“, sagt der Handwerksmeister.

Kommune bezahlt nach 15 Tagen

Ein großer Vorteil für kleine und mittlere Unternehmen: Die Kommunen verpflichten sich, Rechnungen innerhalb von 15 Arbeitstagen zu bezahlen. „Das kann für Unternehmen existenziell sein“, weiß Karin Wiemers, Geschäftsführerin der Gütegemeinschaft Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltungen. Plant ein Unternehmer einen Neubau, verspricht die Verwaltung die Bearbeitung der Unterlagen innerhalb von 40 Tagen. Baugenehmigungen werden verlässlich erteilt, das heißt, Unternehmer erhalten Rechtssicherheit und müssen nicht mit Klagen oder Widersprüchen rechnen. Die Verwaltungen bieten an, alle Angelegenheiten innerhalb von fünf Tagen im Unternehmen zu besprechen. Soll beispielsweise ein Grundstück bebaut werden, bringt ein Treffen vor Ort viele Vorteile: „So können sich alle Beteiligten das Grundstück anschauen, auch der Architekt kann zum Beispiel dabei sein“, sagt Karin Wiemers. Der Service wird von den Unternehmen gut angenommen. „Vor Ort kann man viele Dinge unproblematischer besprechen“, ist sich die Geschäftsführerin sicher.

Unternehmen geben Rückmeldung

Die Initiative der mittelstandsfreundlichen Kommunen entstand aus einem Modellprojekt, an dem zwischen 2001 und 2004 unterschiedliche Städte und Landkreise in Nordrhein-Westfalen beteiligt waren. Im Jahr 2006 gründeten zwölf Kommunen dann die RAL Gütegemeinschaft Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltungen e.V. An der Erarbeitung der Kriterien waren unter anderem das Wirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen und die regionalen Handwerkskammern beteiligt. „Das Ziel ist, Unternehmen in den Kommunen zu halten und neue Unternehmen zu gewinnen“, sagt Karin Wiemers. Alle zwei Jahre wird von einer neutralen Institution überprüft, ob die Kommunen die Kriterien einhalten. Im selben Turnus werden auch die Unternehmer zu ihrer Zufriedenheit mit dem Service der Städte und Gemeinden befragt. „Die Kriterien sollen laufend weiterentwickelt werden“, sagt Wiemers. Mittlerweile sind 39 Städte, Gemeinden und Landkreise in neun deutschen Bundesländern Mitglied in dem Zusammenschluss (siehe Karte).

Die Umsetzung der Serviceversprechen hat aber nicht nur Vorteile für Unternehmen, sondern auch für die Kommune selbst, sagt Karin Wiemers: „Man tauscht sich mit anderen Kommunen aus und arbeitet an der eigenen Organisation.“ Das glaubt auch Handwerksunternehmer Ulrich Schaub: „Wenn die Stadt so geführt wird wie ein vernünftiger Handwerksbetrieb, dann kann das doch nur gut sein.“  

Das können Sie erwarten

Mit dem Gütezeichen verpflichten sich die Kommunen, Serviceversprechen einzuhalten, die Unternehmern die Arbeit erleichtern.

Transparenz versprechen die mittelstandsfreundlichen Kommunen. Das heißt: Unternehmer, die einen Antrag oder eine Anfrage zu einem Genehmigungsverfahren stellen, bekommen innerhalb von drei Arbeitstagen eine Eingangsbestätigung und einen Ansprechpartner zugeschickt. Informationen zum Verfahren werden spätestens nach sieben Arbeitstagen erteilt. Online oder in Papierform hilft ein Verwaltungswegweiser, schnell den richtigen Ansprechpartner zu finden.

Planungssicherheit möchten die Kommunen den Unternehmen bieten. Dafür werden Bauvorhaben innerhalb von 40 Tagen bearbeitet und Baugenehmigungen verlässlich erteilt. Rechnungen bezahlen die Kommunen innerhalb von 15 Arbeitstagen. Bei Flächenanfragen wird nach spätestens fünf Arbeitstagen ein Angebot vorgelegt. Zudem versprechen die Kommunen die rechtzeitige Genehmigung von Schwerlasttransporten.

Kundenorientierung gehört auch zu den Serviceversprechen. Auf Anrufe und Mails reagieren die Verwaltungen innerhalb eines Tages, auf Beschweren nach drei Tagen. Angelegenheiten können auch bei Unternehmern vor Ort besprochen werden. Die Verwaltung ermittelt alle zwei Jahre, ob die Unternehmen mit dem Service zufrieden sind, und bietet Informationsveranstaltungen an. Existenzgründern steht ein eigener Ansprechpartner zur Verfügung.

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