Das Jubiläum von handwerk magazin nimmt die Redaktion zum Anlass, die letzten 25 Jahre Revue passieren zu lassen. Für das Handwerk gab es in dieser Zeit mehr als nur ein historisches Highlight.
Die Meilensteine des Handwerks
Es ist viel passiert: In den vergangenen 25 Jahren hat es für die Bundesbürger und die Wirtschaftsmacht Handwerk historische Meilensteine gegeben, die viel bewegt und für die Wirtschaft auch viel verändert haben.
Das 25-jährige Jubiläum ist für handwerk magazin ein guter Zeitpunkt zurückzublicken: auf die umwälzenden Ereignisse im vergangenen Vierteljahrhundert und auch zu beleuchten, wie die Redaktion diese Highlights begleitet hat.
1990 Wiedervereinigung: Boom für Osthandwerker
Am 9. November 1989 fiel die Mauer, und schon einen Monat später erklärte der damalige Handwerkspräsident Heribert Späth, das Handwerk wolle der DDR beim Aufbau einer sozialen Marktwirtschaft helfen, Voraussetzung sei aber der Vollzug einer politischen Wende mit freien Wahlen. Dann ging alles sehr schnell: Nach 40 Jahren Teilung vereinte sich das Handwerk Mitte 1990, da gab es in der DDR schon über 100000 Handwerksbetriebe. Durch die D-Mark und die freie Marktwirtschaft ging bei vielen Osthandwerkern die Post richtig ab, berichtete handwerk magazin in seiner Titelgeschichte „Auf geht’s in die Marktwirtschaft“ (9/1990). Titelheld Dachdeckermeister Peter Elsner aus Leipzig machte in diesem Jahr schon neun Millionen Mark Umsatz. Und handwerk magazin gewann im Osten viele neue Leser im März 1991 waren es 180000 mit Themen wie PGH-Umwandlungen, Finanzierungsfragen oder Marketing. Die Überlegung, eine eigene Ostausgabe von handwerk magazin zu drucken, wurde schnell verworfen. Handwerker in West- und Ostdeutschland sprachen schnell eine Sprache und hatten dieselben Ziele: mit Qualitätsarbeit auf individuelle Kundenwünsche eingehen.
1993 EU-Binnenmarkt: Erst Skepsis, dann gute Geschäfte
Zu Beginn des Jahres 1989 startete handwerk magazin eine Beitragsserie über die Vollendung des heutigen EU-Binnenmarktes mit dem Titel „Neue Chancen ohne Grenzen“. Da überwog bei vielen Handwerksunternehmern noch Skepsis, befürchtet wurde Lohndumping oder eine Nivellierung der Berufsbildung nach unten. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) eröffnete ein Büro in Brüssel, um ein waches Auge darauf zu haben, was die Europapolitiker beschließen. Doch schon damals stellte handwerk magazin Handwerker vor, die erfolgreich Geschäfte in EU-Nachbarstaaten machten, zum Beispiel Bäcker Ulrich Grünter, der seine Brötchen im niederländischen Venlo verkaufte.
In der Silvesternacht zum 1. Januar 1993 räumen die Zöllner ihre Posten, ein Markt mit 340 Millionen Konsumenten entsteht. 100 Tage vorher bringt handwerk magazin ein Spezial mit vielen Tipps über Änderungen, die der EU-Binnenmarkt für die Betriebe bringt.
1999 Internet: Handwerk geht online
Das Internet hält Einzug im Handwerk. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks möchte alle Kammern und Fachverbände unter dem Dach www.handwerk.de zusammenfassen. Dadurch gäbe es eine bundesweite Datenbank von Handwerksbetrieben, so die Pläne des Spitzenverbandes. Doch der ZDH stößt auf Widerstand, die Onlineplattform handwerk.de kommt nie richtig in die Gänge und geht 2004 Pleite. Dadurch gerät sogar der ZDH in finanzielle Schwierigkeiten.
Dessen ungeachtet nutzen Handwerker das Internet von Anfang an. Schon im August 1998 gibt handwerk magazin in einem Spezial Tipps für den richtigen Online-Auftritt, ohne selbst eine eigene Homepage zu haben - die kam 2001. Im Juniheft 2000 erklärte handwerk magazin den Lesern in einer Titelgeschichte und einem Internet-Guide, wie Handwerker ihren Betrieb erfolgreich im Netz präsentieren und mit Onlineverkäufen ihre Umsätze steigern. Heute hat nahezu jeder Handwerksbetrieb eine eigene Homepage.
2002 Euro-Einführung: Die neue Währung kommt, Deutsche Mark adé
Die Deutschen fieberten Ende 2001 dem Euro entgegen. Der Abschied von der Mark fiel dann doch leichter als viele Bundesbürger und Handwerksunternehmer erwartet hatten. Die Angst, sich eine Weichwährung einzuhandeln, schien plötzlich vergessen. Das größte ökonomische Experiment aller Zeiten konnte im Euro-Raum beginnen - die Risiken blieben natürlich, zeigten sich aber erst 2011 in der Euro-Krise. Silvester 2002 begann ein neues Zeitalter - die Ära des Euro. Schlag Mitternacht verteilten Finanzminister Hans Eichel, Bundesbankpräsident Ernst Welteke und Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz am Brandenburger Tor die neuen Scheine. Punkt 0.00 Uhr konnte die neue Währung aus den Geldautomaten gezogen werden.
In einem umfassenden Titelthema hat handwerk magazin die Euro-Einführung mit „75-Top-Antworten“ begleitet: Denn der Umstellungsaufwand war in den Handwerksbetrieben enorm groß. Die Redaktion gab hier wichtige Antworten zum Themenbereich „Betrieb & Steuern“, „Markt & Kunden“, „Zahlen & Kassieren“ sowie zu „Geld & Anlage“. Für einen guten Start mit der neuen Euro-Währung.
2003 Das Handwerk geht auf die Straße: für eine bessere Politik
Es war die größte Protestwelle von Handwerkern in der Geschichte der Bundesrepublik: Vom 24. Januar bis zum 10. Februar 2003 demonstrierten Handwerker und andere Unternehmer für eine mittelstandsfreundlichere Politik.
Die bundesweiten Handwerker-Demos standen unter dem Motto „Handwerk gegen Stillstand“. „Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie endlich die notwendigen Reformen angeht und den Stillstand auflöst. Und wir wollen zugleich signalisieren, dass das Handwerk ein zupackender Wirtschaftsbereich ist, dass wir nicht lamentieren; dass wir selber mit unseren Betrieben anpacken wollen; dass uns die Politik die Fesseln abnehmen muss, die sie uns durch immer höhere Steuern und Abgaben auferlegt“, erklärte der damalige ZDH-Präsident Dieter Philipp die Aktion.
2004 Reform der Handwerksordnung: alte Strukturen auf dem Prüfstand
Das Handwerk muss sich anpassen: Am 1. Januar 2004 traten Neuregelungen im Handwerksrecht in Kraft. Hauptpunkte der Reform: Für 41 Handwerke ist auch zukünftig die Meisterprüfung Voraussetzung. Alle übrigen 53 Handwerke sind zulassungsfrei. Nach dieser einschneidenden Reform stehen auch die Strukturen der Handwerksorganisation selbst auf dem Prüfstand. Der neue ZDH-Präsident Otto Kentzler muss dicke Bretter bohren: Kompetenzstreit zwischen Kammern und Verbänden beilegen und Überzeugungsarbeit in den verschiedenen Regionen leisten. „Die Strukturreform hatte das klare Ziel, den Betrieben effizientere Leistungen und bessere Unterstützung zu bieten. Auf diesem Weg haben wir einiges erreicht.“ Bis Kentzler im Interview mit handwerk magazin Anfang 2010 diese Aussagen treffen konnte, war es ein langer Weg. Und der Präsident ergänzte: „Die Zustimmung von Kammern und Verbänden zur Image-Kampagne zeigt mir, dass der Zusammenhalt groß ist.“
2010-2011 Imagekampagne startet: die nette Wirtschaftsmacht
Im Januar 2010 startete der ZDH dann gemeinsam mit den Handwerkskammern die größte Imagekampagne, die sich die Branche je geleistet hat. Insgesamt investieren alle Handwerkskammern gemeinsam über fünf Jahre 50 Millionen Euro, um das Bild des Handwerks unter den Bürgern zu verbessern. Im vergangenen Jahr richtete sich die Kampagne vor allem an die Öffentlichkeit. Es galt die Größe der Branche sichtbar zu machen, sich als einen der größten Wirtschaftszweige hierzulande darzustellen.
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