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Branchen-Check Die ganze Welt stößt mit deutschem Bier an

Deutsche Bierbrauer haben international einen hervorragenden Ruf, das zeigen die Exportzahlen. Auch die Craft-Beer-Welle macht deutlich: Handwerkliche Braukunst ist gefragt.

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Die deutsche Brauereilandschaft ist zweigeteilt: Da gibt es die großen internationalen Brauereien mit industrieller Produktion. Daneben gibt es die weit größere Anzahl kleiner privater handwerklicher Brauereien. Deutschland unterscheidet sich damit von anderen Biermärkten. In Deutschland gibt es kein Oligopol weniger, marktbeherrschender Bierkonzerne. Hier haben kleine und mittelständische Brauereien noch bedeutende Marktanteile. Die internationale Craft-Beer-Bewegung (handwerklich gebrautes Bier) verändert zwar auch im Ausland den Markt, in Deutschland gab es die Bewegung quasi schon immer. Trotzdem zeigt die Craft-Beer-Welle auch hier Wirkung.

Rückbesinnung auf alte Sorten

Es gibt mehr Verbraucher, die Bier mit mehr Geschmack wollen und Braumeister, die sich auf das Brauen von Bierspezialitäten konzentrieren. Sei es durch Rückbesinnung auf alte Biersorten wie Märzen, Weizenbock oder unfiltrierte Biere. Oder durch das Brauen von heute in Deutschland eher ungewöhnlichen Bieren wie Ale, India Pale Ale oder fassgereiften Sorten. Es geht aber nicht nur um Bierspezialitäten, sondern es geht insgesamt darum alle Biere, also auch Pils, Helles oder Weizen, mit einem eigenständigen Geschmacksprofil zu brauen, das sich abhebt vom Massengeschmack. Die Zahl der Brauereien ist 2016 weiter gestiegen. Derzeit gibt es 1.408 Braustätten in Deutschland, rund 100 Betriebe mehr als noch vor zehn Jahren, berichtet der Deutsche Brauer-Bund. Bei gut der Hälfte der deutschen Brauereien handelt es sich um sogenannte „Mikrobrauereien“ mit einem Jahresausstoß bis 1.000 Hektoliter. Während immer mehr Bäckereien und Metzgereien in Deutschland von Schließung bedroht sind, erlebt das Brauhandwerk eine Renaissance: Der Dachverband rechnet damit, dass bei einer Fortsetzung des Wachstums bis zum Jahr 2020 die Marke von 1.500 Brauereien erreicht werden könnte.

Rekord beim Export

Wie in den beiden Vorjahren haben deutsche Brauereien aufgrund der wachsenden Nachfrage 2016 deutlich mehr Bier ins Ausland verkauft. Bis Ende November konnte ein Gesamtausfuhrüberschuss von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnet werden. Mit 15,7 Millionen Hektolitern wurde in elf Monaten so viel deutsches Bier exportiert wie nie zuvor.

Besonders in Asien und Amerika wächst die Nachfrage nach deutschem Bier. Der Export ist für viele mittelständische Brauereien wie auch für große Braugruppen ein wichtiges Standbein.

Herausforderungen für die Brauereien

Natürlich ist auch bei den Bierbrauern nicht alles rosig. „Die größten Herausforderungen bleiben der demografische Wandel in der Bevölkerung, die starken Kostensteigerungen, der weiterhin hohe Wettbewerbsdruck und der unverantwortliche Preiskampf des Handels“, erklärt der Deutsche Brauer-Bund.

Hinzu kommt, dass die Deutschen immer weniger Bier trinken, im letzten Jahr waren es knapp 100 Liter pro Person. Wichtige Impulse für den Biermarkt setzt die unverändert starke Nachfrage nach alkoholfreien Bieren und alkoholfreien Biermischgetränken. Mittlerweile gibt es nach Branchenschätzungen bundesweit mehr als 400 alkoholfreie Marken, jeder 20. Liter Bier, der in Deutschland gebraut wird, ist alkoholfrei.

Branchentrends Brauer

  • Craft Beer
    Stellt das Brauen handwerklicher, unverfälschter und charaktervoller Bierspezialitäten in den Mittelpunkt, brachte viele Neugründungen kleiner Brauereien.
  • Regionalität
    Regionale, nachhaltige Lebensmittel sind bei Kunden stärker gefragt. Davon profitieren mittelständische Regionalbrauereien.
  • Biersorten
    Pils liegt unverändert auf Platz 1 bei den beliebten Biersorten. Auf dem Wachstumspfad befinden sich auch alkoholfreie Biere, darunter vor allem alkoholfreies Weizenbier. Bei den Biermischgetränken dominiert das klassische Radler.
  • Biersommeliers
    Die steigende Wertschätzung von Qualitätsbieren zeigt sich auch im noch jungen Berufsbild der Biersommeliers, die in der Gastronomie und bei Veranstaltungen zunehmend Konsumenten beraten.
  • Export
    Deutschland ist nach wie vor größter Exporteur von Bieren in und außerhalb der EU mit rund 16 Millionen Hektolitern im Jahr.

Deutschland ist Brauereiland

Mit acht Gründungen entstand 2016 die Hälfte der neuen Brauereien in Hamburg und Schleswig-Holstein. In Nordrhein-Westfalen kamen sechs Sudhäuser hinzu. Rückgänge gab es in Hessen und Rheinland-Pfalz mit dem Saarland. Auch Bayern verlor zwei Häuser, bleibt mit 624 Brauereien aber mit Abstand das vielfältigste deutsche Bierland.

Bundesland Anzahl Brauereien
Bayern 624
Baden-Württemberg 195
Nordrhein-Westfalen 132
Niedersachsen/Bremen 72
Hessen 70
Rheinland-Pfalz/Saarland 68
Berlin/Brandenburg 65
Sachsen 64
Schleswig-Holstein/Hamburg 38
Thüringen 35
Sachsen-Anhalt 24
Mecklenburg-Vorpommern 21

Bierkonsum pro Kopf 2015(in Liter)

Hier sind die Tschechen absolute Spitze, gefolgt von den Deutschen. Zum Vergleich: Franzosen und Italiener kommen nicht mal auf ein Drittel dieser Trinkmenge.

Land Liter pro Kopf
Tschechien 143
Deutschland 106
Österreich 105
Polen 98
Litauen 92
Luxemburg 80
Rumänien 80
Irland 80
Lettland 78
Kroatien 77

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