Branchen -

Branchencheck Bauwirtschaft Der Bau bleibt optimistisch, doch die Erwartungen sinken

6,6 Prozent Umsatzwachstum im letzten Jahr, 4,2 Prozent Plus für 2019. Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft, der Zusammenschluss von Bau- und Ausbauunternehmen bleibt ­optimistisch, doch die Erwartungen für die Zukunft sinken.

Themenseite: Branchen-Checks

"Für die Bundesvereinigung Bauwirtschaft erwarten wir 2019 einen Umsatz von 353 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 4,2 Prozent entspricht“, gab sich der neu gewählte Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Marcus Nachbauer, vor der Presse auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München optimistisch. Dieses Wachstum sei allerdings stark preisgetrieben, so Nachbauer, wofür insbesondere höhere Kosten zum Beispiel für Lohn und Material maßgeblich seien.

Ganz so optimistisch, wie es die nach wie vor imposanten Wachstumszahlen suggerieren, ist die Branche aber nicht mehr. „Wenngleich die Geschäfte der Mitgliedsunternehmen auf Hochtouren laufen, ist die Erwartungshaltung an die weitere Geschäftsentwicklung in diesem Jahr zurückhaltender“, erklärte der Vorsitzende. Neben dem Fachkräftemangel spielten die Sorgen über steigende Rohstoffkosten sowie über die Folgen des Brexits und der Handelskonflikte insbesondere für den Wirtschaftsbau eine wichtige Rolle.

Größter Wirtschaftsbereich

Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft ist ein Zusammenschluss der 15 Spitzenverbände des deutschen Bau- und Ausbauhandwerks – vom Bauhauptgewerbe bis zu den Schilder- und Lichtreklameherstellern. Sie repräsentiert damit den größten Wirtschaftsbereich in Deutschland mit 370.000 mittelständischen Betrieben und 3,3 Millionen Beschäftigten.

Wachstumstreiber in der Bauwirtschaft ist vor allem die Neubautätigkeit, für die die Sparte Bauhauptgewerbe (inklusive Garten- und Landschaftsbau) steht. Hier wurde 2018 mit rund 830.000 Beschäftigten ein Umsatz von über 116 Milliarden Euro erzielt, satte 10,2 Prozent mehr als im Jahr davor. Für 2019 geht die Bundesvereinigung von einem Umsatz in Höhe von rund 123 Milliarden Euro aus, was einem Plus von 5,4 Prozent entspricht.

Sanierungsmarkt ohne Dynamik

Während das Neubaugeschäft boomt, fiel die Umsatzentwicklung in der Sparte Ausbau mit plus vier Prozent auf 89,4 Milliarden Euro im letzten Jahr deutlich schwächer aus. Für 2019 wird ein Wachstum von 3,5 Prozent auf 92,4 Milliarden Euro veranschlagt. „Der Sanierungsmarkt, an dem die Unternehmen des Ausbaus besonders partizipieren, weist keine entsprechende Dynamik auf“, erläuterte Nachbauer.

Die Sparte Gebäudetechnik ist mit ihren 1,6 Millionen Beschäftigten und über 133 Milliarden Euro Umsatz, was einem Plus von fünf Prozent entspricht, 2018 die beschäftigungs- und umsatzstärkste Sparte in der Bundesvereinigung gewesen. In diesem Jahr soll der Umsatz um 3,5 Prozent auf rund 138 Milliarden Euro zulegen.

Für die nächste Zukunft setzen die Bau- und Ausbaubetriebe auf eine weiterhin große Nachfrage im Wohnungsneubau. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts bestätigen den Trend. Demnach wurden 2018 Bauanträge für fast 303.000 neue Wohnungen in Wohngebäuden genehmigt. Das waren gut 2.000 mehr als im Vorjahr. Dabei wurden für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gut 180.000 Genehmigungen erteilt, also 8.000 mehr als 2017. Hoch ist weiterhin die Nachfrage nach Wohnungen in Ballungsräumen. Die gute Beschäftigungssituation und der Run auf die Universitäts- und Hochschulstandorte schlagen sich hier nieder. Allerdings sieht sich die Bauwirtschaft nicht in der Lage, die angestrebten jährlichen 400.000 Wohnungen zu errichten. Mit ein Grund dafür ist auch die Personalsituation in der Branche. Zwar erwartet die Bundesvereinigung Bauwirtschaft für ihre Mitgliedsbetriebe in diesem Jahr einen Beschäftigtenzuwachs von 30.000 Personen, aber das ist gerade einmal ein Plus von einem Prozent.

Rückkehr zur Meisterqualifikation

Nachdem in den Unternehmen seit 2010 300.000 Beschäftigte (+ 10 Prozent) zusätzlich eingestellt worden sind, um die Nachfrage nach Bauleistungen abzudecken, melden viele Mitgliedsverbände, dass sie kaum noch Arbeitskräfte finden können. Auch deshalb fordern die Verbände eine Rückkehr zur Meisterpflicht im Baubereich, damit künftig wieder mehr Fachkräfte ausgebildet werden.

Branchentrends Bauwirtschaft

  • Geschosswohnungsbau
    320.000 Wohnungen werden 2019 gebaut werden, vor allem im Geschosswohnungsbau, also bei Wohnanlagen. Die Auslastung im Wohnungsbau wird noch zwei bis drei Jahre anhalten und dann zurückgehen.
  • Steuerförderung für Sanierung
    Die Bauverbände sind überzeugt, dass die Steuerförderung von energetischer Gebäudesanierung demnächst eingeführt wird, auch weil die Sanierungsquote bei unter einem Prozent liegt.
  • Entsorgung
    Baumaterialien sind deutlich teurer geworden, gleichzeitig entstehen höhere Kosten bei der Entsorgung. Deshalb werden die Baupreise weiter steigen.
  • Sandnotstand
    Sand- und Kiesgruben in Deutschland sind nahezu erschöpft, es gibt zu wenig neue Anlagen. Rohstoffe müssen oft von weit her transportiert werden. Auch das führt zu Preissteigerungen.
  • Verkehrsinfrastruktur
    Für den Erhalt, Aus- und Neubau von Straßen, Schienenwegen und Wasserstraßen erhöhen sich die Bundesmittel auf rund 14 Milliarden Euro. Das bringt Aufträge.

Monatlich genehmigte Wohnungen

2018 wurde in Deutschland der Bau von insgesamt rund 347.300 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 0,2 Prozent oder 800 Baugenehmigungen weniger als im Vorjahr. Die Genehmigungen galten sowohl für neue Gebäude als auch für Baumaßnahmen an bereits bestehenden Gebäuden. An neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden 2018 rund 302.800 Wohnungen genehmigt. Dies waren 0,7 Prozent oder 2.100 Wohnungen mehr als im Vorjahr. Dieser Anstieg ist ausschließlich auf die Zunahme der Baugenehmigungen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern zurückzuführen. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern ist die Zahl zurückgegangen.

Umsatzentwicklung nach Sparten

Die höchsten Umsätze in der Bauwirtschaft machte in den letzten drei Jahren die Sparte Gebäudetechnik.
Auch in diesem Jahr ist wieder ein Plus auf über 138 Milliarden Euro zu erwarten. (Angaben in der Tabelle in Milliarden Euro)

Sparte 2017 2018* 2019*
Bauhauptgewerbe 105,8 116,6 122,9
Ausbau 85,9 89,4 92,4
Gebäudetechnik 126,6 133,3 138,1

*Prognose

Beschäftigte nach Sparten

Auch bei den Mitarbeitern hat die Sparte Gebäudetechnik den Spitzenplatz mit über 1,6 Millionen Beschäftigten. Für 2019 wird allerdings ein leichter Rückgang prognostiziert.

Gewerbe 2017 2018* 2019*
Bauhauptgewerbe 820.000 828.600 835.900
Ausbau 851.200 854.100 858.400
Gebäudetechnik 1.596.600 1.675.800 1.634.000

*Prognose

© handwerk-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen