Bankkredit: Wie sich Handwerker gute Konditionen sichern

Die Geldinstitute greifen bei Kreditvergaben derzeit extrem hohe Sicherheiten ab – und behalten sie auch nach Ablauf des Darlehens weiter ein. Wie Firmenchefs die Gier der Banken zügeln.

Die Finanzierung der Selbständigkeit lief bei Martin Laubner reibungslos. Anfang vergangenen Jahres übernahm der Zweiradmechaniker die Firma Radsport-Werber in Bad Krozingen von seinem ehemaligen Chef. Die Nachfolge plante der 33-Jährige von langer Hand. „Sicherlich habe ich mich frühzeitig darüber informiert, welche Anforderungen die Banken an mich stellen“, sagt Laubner. Insbesondere bereitete der Betriebswirt seinen Businessplan inklusive Investitions- und Liquiditätsrechnung akribisch vor. „Es gab keine langwierigen und schwierigen Verhandlungen“, betont Laubner. Rund 20 Prozent Eigenkapital brachte der Gründer mit ein. „Für den Rest konnte ich mit Unterstützung meines Firmenkundenberaters die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg und die L-Bank mit ins Boot holen“, so Laubner. Die Geldinstitute verlangten allerdings für die Finanzierung ausgiebige Sicherheiten. Seine Frau musste eine Bürgschaft übernehmen. Außerdem verpflichtete sich Laubner, eine Risikolebensversicherung abzuschließen.

„Die Banken zeigen aktuell ein verstärktes Bedürfnis, Kredite komplett abzusichern“, bestätigt Franz Ruß, Steuer- und Finanzierungsberater der Kanzlei RSW in Hallstadt bei Bamberg. Und zwar nicht nur bei Gründungs-, sondern ebenfalls bei hohen Investitionskrediten. Das dokumentiert eine aktuelle Unternehmerumfrage der KfW-Bankengruppe.

Zu viele Sicherheiten

Danach werden Kreditanträge in 58,5 Prozent der Fälle abgelehnt, weil zu wenige Sicherheiten geboten werden (siehe Grafik Seite 54). Zum Vergleich: Eine niedrige Eigenkapitalquote oder eine geringe Rentabilität geben 33,8 Prozent der Unternehmer als Grund dafür an, warum sie kein Darlehen bekommen. „Wir beobachten derzeit bei den Geldinstituten sogar die Tendenz, die Kredite zu übersichern“, sagt Christine Deibert, Inhaberin der Beratungsgesellschaft Deibert & Partner in München. Vielfach behalten die Banken ihre Sicherheiten auch noch ein, wenn die Darlehen längst abbezahlt sind. Clevere Unternehmer lassen sich das nicht gefallen und gehen aktiv dagegen vor. „Am besten reichen Firmenchefs prinzipiell schriftlich einen Antrag ein und verlangen die Rückgabe ihrer Sicherheiten, sobald das gesamte Darlehen plus Zinsen beglichen ist“, empfiehlt Deibert. Zum Beispiel sollte der Unternehmer darauf bestehen, dass etwa eine Hypothek im Grundbuch gelöscht wird. Andernfalls bleibt die Bank formal weiter beteiligt. „Die Freigabe ist Voraussetzung dafür, dass die Immobilie als Sicherheit für weitere Finanzierungen genutzt werden kann“, sagt Deibert.

Unterbeiträge zu diesem Artikel
© handwerk-magazin.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen