Rallye Aïcha des Gazelles: Doppelerfolg bei Wüstenrallye
Die Handwerkerinnen Viola Hermann und Vanessa Wagner holen hinter ihren Mercedes-Kolleginnen den dritten Platz bei der Rallye Aïcha des Gazelles in Marokko und können sich auch noch über die Auszeichnung als „erfolgreichste Neueinsteiger 2015" freuen.
Platz drei in der Kategorie Crossover und beste Neueinsteiger! Das haben wohl weder Viola Hermann noch Vanessa Wagner für möglich gehalten, als sie sich Anfang des Jahres zum Auswahltraining im verschneiten Bad Wörishofen einfanden.
Jetzt, gut drei Monate und 2500 Wüstenkilometer später, haben die beiden Handwerksmeisterinnen allen Grund zum Jubeln: Sie haben sich erfolgreich in der Kategorie „Crossover“ durchgesetzt und obendrein noch den Sieg in der Kategorie „First Participation“ geholt.
„Das ist der absolute Wahnsinn!“, freut sich Fahrerin Viola Hermann. „Wir sind überglücklich.“
Rallye Aicha des Gazelles 2015: Letzte Etappe und Finale
Obwohl das Team mit der Startnummer 318 von Etappe zu Etappe erfolgreicher wurde, blieb den Frauen keine Verschnaufpause.
„Es ist Wahnsinn, was für ein Druck auf einem lastet“, erklärte Navigatorin Vanessa Wagner noch kurz vor der sechsten und letzten Etappe. Knapp 500 Punkte – und damit gefahrene Kilometer - trennen sie zu diesem Zeitpunkt von ihren französischen Verfolgerinnen Peggy Kanbelle und Nicole Arfeuillere. Eigentlich ein dickes Polster. Doch die Wüste ist gnadenlos. Ein einziger Fehler kann schlagartig jede Menge Strafpunkte mit sich bringen.
Und so kommt es auch. Das Team passiert zwar noch die Checkpoints eins bis drei auf der Ideallinie. Doch danach kommen Wagner und Hermann nicht mehr auf Kurs. Lange suchen Sie nach den Markierungen vier und fünf; den sechsten und siebten Checkpoint lassen sie komplett aus und erreichen erst Stunden nach allen anderen Mercedes-Teams das Camp.
Doch es hat gereicht. Vanessa Wagner und Viola Hermann dürfen sich trotz ihrer Irrfahrt über einen Platz auf dem Treppchen freuen.
Groß ist auch die Freude im Mechanikercamp von Mercedes Benz. Denn der Autohersteller belegt bei der diesjährigen Frauenrallye in der Crossoverklasse alle drei vorderen Plätze.
So geht der Sieg an das amerikanische Team Alyssa Roenigk und Chrissie Beavis im Sprinter, gefolgt vom hauseigenen Mercedesteam mit Andrea Spielvogel und Julia Salamon. Allesamt erfahrene Fahrerinnen bzw. Navigatorinnen.
Eine Tatsache, das Geschick des Handwerkerteams zusätzlich verdeutlicht und für reichlich Anerkennung im eigenen Rennstall sorgt.
„Team 318 ist absolute Bombe“, freut sich Chefschrauber Sascha Belca. „Gemessen an ihrer gefahrenen Kilometerzahl, haben wir dieses Jahr das erfolgreichste Handwerkerteam überhaupt.“
Großes Finale in Essaouria
Klar, dass ein derartiger Erfolg auch gebührend gefeiert wurde. Wie jedes Jahr reihten sich am Samstag, 4. April, die rund 150 Teilnehmerfahrzeuge am Strand von Essaouria zur großes finalen Parade auf. Fahnen wehten, die Teilnehmerinnen winkten den Zuschauern vom Dach ihrer Autos zu. Beim anschließenden Galadinner erhielten dann die Teilnehmerinnen ihre harterkämpften Preise und Urkunden.
Die Wüste Marokkos verlangt den Fahrerinnen jede Menge Geschick ab. Wer nicht aufpasst riskiert geplatzte Reifen, kaputte Achsen oder komplettes Versinken in einer Sanddüne.
Wer bei der Rallye Aïcha mitfahren will, darf kein Morgenmuffel sein. Aufgestanden wird um vier Uhr morgens, um fünf treffen sich die Fahrerinnen zum Briefing und gestartet wird ab sechs.
Navigatorin Vanessa Wagner nutzt die ersten Sonnenstrahlen, um noch einmal den Kurs zum ersten Checkpoint durchzugehen. Im Hintergrund erkennt man bereits die Fahnen der Startlinie.
Nicht nur die Hitze und der Wettkampf setzen den Fahrerinnen zu. Auch der aufgewirbelte Staub zerrt an den Nerven. Hartnäckig setzt er sich nicht nur im Fahrzeug sondern auch in Nase und Augen fest.
Teamwork im Mercedes Vito. Trotz der Wettkampfstrapazen gab es bei den Handwerkerinnen zu keiner Zeit Krach. "Wir sind wie füreinander gemacht", bestätigt Viola Hermann.
Aufgrund des sehr feuchten Winters zeigte sich die Wüste bei der diesjährigen Rallye Aïcha des Gazelles von einer ganz besonderen Seite: Sie blühte in allen Farben.
Die rund drei Meter hohen Checkpoints sind schwerer zu finden, als man aufgrund ihrer Größe vermuten würde. Denn bei drehendem Wind oder einer kleinen Senke verschwinden die Fahnen augenblicklich aus dem Sichtfeld.