Interview: „In NRW bleibt die Meisterprämie“

Bei NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) ist das Handwerk sogar Teil des offiziellen Namens, das ist einzigartig in Deutschland. handwerk magazin hat nachgefragt, wie er sich für die Branche einsetzt.

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    „Für mich steht der Meisterbrief vor allem für Qualität und Verlässlichkeit.“ Garrelt Duin, NRW-Wirtschaftsminister, in seinem Büro in Düsseldorf.

„In NRW bleibt die Meisterprämie“

In Ihrer Biographie gibt es kaum Berührungspunkte zum Handwerk. Wie haben Sie sich den Themen der Branche angenähert?

Garrelt Duin: Als langjähriger Abgeordneter eines Wahlkreises, in dem das Handwerk eine wichtige Rolle gespielt hat, hatte ich immer einen engen Draht zur Handwerksorganisation. Insofern musste ich mich nicht lange einarbeiten.

Welchen Stellenwert hat das Handwerk in NRW?

Es gibt keinen anderen Bereich, der bei den Berufen so vielfältig aufgestellt ist und bei der Ausbildung so viel leistet. Diese Vielfalt macht die Stärke des Handwerks aus.

  • Vita: Garrelt DuinGarrelt Duin
  • Garrelt Duin (45), geboren im ostfriesischen Leer, trat bereits während seines Jurastudiums der SPD bei, von 2009 bis 2012 war er wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.
    Seit Juni 2012 ist der Familienvater (ein Sohn)
    Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk in Nordrhein-Westfalen.

Wie wirkt sich Fachkräftemangel aus?

Das ist sowohl regional als auch in den einzelnen Berufen sehr unterschiedlich. In Regionen wie dem Sauerland gibt es bereits einen deutlichen Rückgang der Bewerberzahlen. So wird die Auswahl der Besten immer schwieriger. Doch das ist noch keine flächendeckende Erscheinung.

Gibt es Überlegungen, die regionalen Unterschiede auszugleichen?

Wir denken intensiv darüber nach, wie wir bei den Jugendlichen innerhalb Nordrhein-Westfalens eine größere Mobilität herstellen können. Doch um Bewerber zu motivieren, eine weiter entfernt liegende Ausbildungsstelle anzutreten, gibt es leider kein Patentrezept.

Für die Kritiker ist der Meisterbrief vor allem eine lästige Zugangsbarriere. Wie ist Ihre Meinung?

Die Kritik hat ja in einigen Bereichen zu einem freieren Wettbewerb geführt. Ich habe jedoch nicht den Eindruck, dass die damit gemachten Erfahrungen so positiv sind, als dass sie noch auf weitere Gewerke übertragen werden müssen. Für mich zählen die Qualität und die Verlässlichkeit, die mit dem Meisterbrief verbunden sind.

Andere Länder haben ihre Handwerkerprämien abgeschafft, NRW hält weiter daran fest. Warum?

Natürlich gibt es angesichts der angespannten Haushaltslage auch bei uns heftige politische Diskussionen. Ich bin ein entschiedener Verfechter der Meistergründungsprämie, die das Land zwar rund sechs Millionen Euro im Jahr kostet, sich aber als Förderung bewährt hat.

Der Sparzwang führt bei den Kommunen dazu, dass Investitionen ausbleiben und dem Handwerk Aufträge fehlen. Können Sie gegensteuern?

Wir haben als Landesregierung einen Stärkungspakt mit den Kommunen verabredet, der die Not lindern, aber nicht beseitigen kann. Ziel ist es, das Notwendigste an Handlungsfähigkeit zu erhalten. Mehr können wir als Land nicht tun. Die Finanzierung der steigenden Sozialkosten muss auf Bundesebene gelöst werden.

Eine Einnahmequelle für die Kommunen sind die Umweltzonen. Das Handwerk klagt über hohe Kosten. Gibt es hier Erleichterungen?

Da nicht jeder Unternehmer seinen Fuhrpark auf dem neuesten Stand halten kann, gab es über viele Jahre Ausnahmeregelungen für Handwerksbetriebe. Da wir um die Belastungen der Betriebe wissen, überlegen wir, die ursprünglich befristete Regelung wieder aufleben zu lassen.

Sie haben sich vehement dafür eingesetzt, dass die Energiewende nicht auf den Schultern der Verbraucher und energieintensiven Unternehmen ausgetragen wird. Gab es inzwischen erste Erfolge?

Bislang fehlt nach wie vor eine Projektplanung für die Energiewende. Umweltminister Peter Altmaier merkt jedoch gerade, dass sich das rächt, denn seine Strompreisbremse ist gescheitert. Es reicht nicht, an einzelnen Symptomen herumzudoktern, sondern wir brauchen einen klaren Plan. Im Moment ist die Investitionsverunsicherung überall mit den Händen zu greifen.

Warum ist es so schwer, sich auf eine gemeinsame Linie zu verständigen?

Es gibt sehr viele unterschiedliche Interessen. Während etwa Photovoltaik für Bayern sehr wichtig ist, interessiert das in Mecklenburg-Vorpommern kaum jemanden. Natürlich ist die Fotovoltaik für viele Handwerker ein gutes Geschäft, doch wir werden uns einen derart unkontrollierten Ausbau wie bis jetzt nicht länger leisten können. Da wird sich in den nächsten Jahren noch einiges ändern.

Für Wirbel hat im Handwerk auch das neue NRW-Vergabegesetz gesorgt. Sie haben die Unternehmer aufgefordert, Ihnen Änderungswünsche mitzuteilen. Wie war die Resonanz?

Bis heute ist kein konkreter Fall eines Unternehmers auf meinem Schreibtisch gelandet, der wegen des neuen Gesetzes auf die Teilnahme an einer öffentlichen Ausschreibung verzichten musste. Wir haben in der Vorbereitung zur Rechtsverordnung viele Beispiele gehört, dass etwa der Malermeister nachweisen müsse, wo die Borsten an seinem Pinsel herkommen.

Ist das denn in der Praxis tatsächlich ein Problem?

Bislang scheinen die vorgebrachten Beispiele wenig realistisch zu sein, sonst hätten sich doch die Betriebe schon gemeldet. Doch ich bleibe dabei: Jeder einzelne Unternehmer, der Schwierigkeiten mit der Bürokratie beim Vergabegesetz hat, kann sich direkt an mich wenden.