Wirtschaft -

Zukunft: „Das Systemhandwerk entsteht“

Das Handwerk steht vor einem Industrialisierungsschub, meint Gunter Dueck. Einfache Tätigkeiten werden ausgelagert und als spezielle, preiswerte und schnell verfügbare Dienstleistungen angeboten.

Kein akademisches Viertel. Pünktlich betritt Gunter Dueck die Print Media Academy der Firma Heidelberger Druckmaschinen. Der rund 50 Meter hohe Glaskubus beim Hauptbahnhof zählt zu den beeindruckendsten Gebäuden Heidelbergs. Vom Foyer aus sieht man direkt bis unter die Decke. In zwei Türmen, Druckzylindern ähnlich, sind Besprechungsräume untergebracht. Im elften Stock, mit Blick über Rheinebene und Kraichgau, setzen wir uns zum Interview.

Professor Dueck, Sie betrachten das Geschäfts­modell der Firma Carglass als erstes Anzeichen für einen grundlegenden Wandel im Handwerk. Was steht uns ins Haus?

Im Grunde genommen geht es um Industrialisierung der Handwerksleistung. Carglass ist dabei ein Beispiel, das jeder kennt. Man vollzieht die Managementtechniken nach, die man in der Produktion schon angewendet hat, mit dem Ziel, Dienstleistungen effizienter zu gestalten. Dazu werden Routinetechniken ausgelagert. Im Handwerk nimmt man einfache Dienstleistungen und macht sie speziell.

Konkret am Beispiel Carglass?

Carglass guckt nicht das Auto insgesamt an. Man kann hingehen, bekommt die Bremsen oder die Scheiben gewechselt. Das sind einfache Dienstleistungen; sie gehen viel schneller, sind viel billiger, und die neue Windschutzscheibe ist auch tatsächlich sofort verfügbar. Wenn ich die Scheibe bei einem Vertragshändler wechseln lasse, dann gibt das meist zwei Tage Wartefrist. Das fällt bei solchen Geschäftsmodellen weg.

Kann man das verallgemeinern?

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