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Virtual Reality und Augmented Reality Zaubern mit VR-Brille und AR-Brille: So beeindrucken Sie Ihre Kunden

Was schon lange als Spielzeug in der Gaming- und Entertainment-Industrie eingesetzt wird, fasst nun allmählich auch im Handwerk Fuß: Virtual Reality und Augmented Reality stellen in Echtzeit Zusatz-Informationen samt Bildmaterial zur Verfügung, mit dem der Handwerker dem Kunden die Auswahl erleichtern kann – zum Beispiel bei der Planung eines neuen Badezimmers.

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Das Waschbecken im neuen Badezimmer, aus welchem Material soll das sein? Und wie dürfen die Fliesen dazu aussehen? Bei solchen Detailfragen sind viele Kunden schlicht überfragt, wenn es um die Planung ihres neuen Badezimmers geht. Statt sie in eine Badausstellung zu schicken, kann der Handwerker dem Kunden eine Brille aufsetzen - und ihm damit die Auswahl vereinfachen.

Für diesen Zaubertrick mit der Brille stehen inzwischen eine große Auswahl an Hardware bereit. Google hat es mit seiner Google Glass vorgemacht: Zieht der Nutzer die Datenbrille auf, bekommt er eine zusätzliche erweiterte Sichtweise auf seine Umgebung. Steht er in seinem Badezimmer, können das verschiedene Waschbecken, Duschkabinen oder Fliesen sein. Ganz ohne seine Fantasie anzustrengen oder ein Maßband in die Hand zu nehmen, kann der Kunde gemeinsam mit dem Handwerker sein Traumbad zusammenstellen.

Für das Kunststück der Visualisierung stehen zwei Optionen zur Verfügung:

  1. Augmented Reality (AR): Google Glass ist eine klassische Augmented Reality-Brille. Allerdings reicht dem Handwerker bereits ein Smartphone oder ein Tablet, auf dem er eine App mit AR-Funktion installieren kann. Aktiviert er sie, kann er den Raum, in dem er sich befindet, mit computergenerierten Zusatzobjekten anreichern. Die reale Welt wird also durch digitale Informationen im Kamerabild auf dem jeweiligen Display ergänzt: Virtuelle Objekte können in Echtzeit an bestimmten Positionen im Raum platziert werden. Bekannt ist diese Technologie von Pokemon Go, ein Spiel, bei dem User virtuelle Fantasiewesen in öffentlichen Räumen fangen können. Nach diesem Prinzip kann auch ein Waschbecken wie eine zusätzliche Informationsschicht über das bestehende Inventar im Raum legen. Die passenden Fliesen können hierbei gleich mit ausgewählt werden.

  2. Virtual Reality (VR): Für den Einsatz der virtuellen Realität benötigt der Handwerker eine VR-Brille, auch Head Mounted Displays (HMDs) genannt, die wie ein tragbarer Computer funktioniert. Anders als bei AR, das auch über mobile Geräte oder eine lichtdurchlässige Brille funktioniert, kann der Nutzer mit diesen geschlossenen Brillen komplett in die virtuelle computergenerierte Realität eintauchen. Dort kann er sich in dreidimensionalen Räumen in einer 360-Grad-Rundumsicht bewegen und umschauen, genauso als wäre er wirklich vor Ort. Diese VR-Welten haben ihren Ursprung in der Gaming-Industrie: Sie bestehen aus 3D-Objekten, und können auch durch Licht- und Klangquellen ergänzt werden.

Das sind drei VR-Brillen für den B2B-Sektor:

  • HTC Vive Pro Eye : Die Brille zeichnet sich durch ein präzises Eye-Tracking kombiniert mit Profi-Sound und professioneller Grafik aus.
  • StarVR One : Besonders sind die großen, selbstentwickelten Linsen, die ein überdurchschnittlich weites Sichtfeld ermöglichen.
  • Varjo XR-1 : XR-1 macht es erstmals im vollen Sichtfeld möglich, fotorealistische Mixed Reality-Erlebnisse zu entwickeln. Bei der sogenannten Mixed Reality verschmelzen virtuelle Objekte nahtlos mit der Realität.
Um eine virtuelle Welt zu erzeugen müssen zunächst die 3D-Objekte mittels CAD-Systemen oder 3D-Scans modelliert und anschließend weiterbearbeitet werden. Anschließend können die Objekte zu vollständigen virtuellen Welten zusammengeführt werden. Das kommt dem Handwerk entgegen: Schließlich planen die Betriebe Räume in der Regel in 3D-CAD-Programmen, die eine Ausgabe der Planung für VR-fähige Endgeräte möglich machen.

Diese dreidimensionalen Aufmaß-Daten werden direkt in die CAD-Software überführt. Damit kann der Kunde dann sein eigenes Bad in 3D-Optik betreten - und einfach und intuitiv planen. Die Vorteile für den Handwerker: Über die virtuelle Darstellung des Raums kann er die Einrichtung leichter gestalten sowie die Sanierungs- und Modernisierungsplanung vornehmen. Wenn der Kunde über AR oder VR die Endausstattung abnimmt, bleibt dem Handwerker viel Aufwand erspart.

Auf diese Möglichkeit setzt bereits die Bad und Wellness-Sparte von Villeroy & Boch. Für die Visualisierung der verschiedenen Möglichkeiten stellt der Lifestyle-Anbieter aus der SHK-Branche dem Betrachter eine Cardboard Goggle zur Verfügung: In diese im Vergleich zu den VR-Brillen sehr preisgünstige Faltschachtel aus Karton kann der Kunde sein Handy einspannen. Das Bildmaterial dazu erhält er, nachdem er im Online-Badplaner die wichtigsten Eckdaten zu seinem Wunschbad eingegeben hat, über einen Link in einer Email.

Die weitere Entwicklung: Immer mehr Einsatzsgebiete

Virtual und Augmented Reality sind ein gutes Beispiel dafür, wie Arbeitsprozesse auch im Handwerk durch neue Technologien grundlegend verändert werden können und werden als Methoden in Zukunft eine größere Rolle einnehmen. Zu den weiteren Einsatzgebieten zählen auch Kundenberatung, Wartung, Montage, Vertrieb und Produktion sowie die berufliche Aus- und Weiterbildung. Bisher zeigen sich die Betriebe bei der Anwendung von VR und AR noch zurückhaltend. Gründe sind die hohen Kosten für Datenbrillen sowie die Entwicklung eigener Anwendungsszenarien.

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