Wirtschaft -

Wohnungsbau auf Talfahrt

„Die vom Statistischen Bundesamt zu den Baufertigstellungen 2009 veröffentlichten Zahlen sind katastrophal und zeigen, dass über Jahre der Wohnungsbau geradezu stiefmütterlich behandelt wurde.“ Mit diesen Worten kommentierte der Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Rechtsanwalt Felix Pakleppa, die Zahlen zu den Baufertigstellungen 2009.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr 158.987 Wohnungen fertig gestellt. Das waren 17.000 Wohnungen oder 9,6 % weniger als in 2008. Auch in den Jahren 2008 (= minus 16,5 %) und 2007 (= minus 15,5 %) kamen in Deutschland deutlich weniger Wohnungen neu auf den Markt.

Seit 1995, als mit knapp 603.000 Wohneinheiten ein Höchststand im Wohnungsbau erreicht worden war, ging die Zahl der jährlich fertig gestellten Wohnungen um mehr als 74 % zurück, in den alten Bundesländern waren es ein Minus von 73 % und in den neuen Bundesländern minus 77 %. Damit wurde 2009 der niedrigste Wert seit der deutschen Vereinigung erreicht.

In Wohngebäuden wurden 2009 insgesamt 137.000 Neubauwohnungen fertig gestellt (- 10,3 %). Die Fertigstellung von Wohnungen in Einfamilienhäusern gingen um 12,4 % und die von Wohnungen in Zweifamilienhäusern um 15,2 % zurück. Ebenfalls rückläufig war die Fertigstellung von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (- 5,8 %). Hier verloren die alten Länder knapp 7 %, in den neuen Ländern ergab sich ein leichtes Plus von 3 %. Gerade der Mehrfamilienhausbau ist mit einem Minus von 84 % (ohne Wohnheime) gegenüber 1995 besonders stark eingebrochen.

ZDB fordert Wiedereinführung der degressiven Afa

„Wir fordern von der Bundesregierung, endlich ihre verfehlte Wohnungsbaupolitik zu korrigieren. Deutschland braucht nahezu flächendeckend neue Wohnungen. In den vergangenen Jahren kamen deutlich weniger neue Wohnungen auf den Markt, als tatsächlich benötigt würden. Daher fordern wir z.B. die Wiedereinführung der degressiven Afa im Mietwohnungsbau“, sagte der ZDB-Geschäftsführer.

Gerade die Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten beim Wohnungsbau erhöht die öffentlichen Einnahmen. Dieses ist das Ergebnis der Studie „Wohnungsbauinvestitionen und Staatliche Haushalte“, die das Pestel-Institut jüngst veröffentlicht hat. Bereits ein Plus von 4.600 Wohneinheiten gegenüber dem aktuellen Bauniveau generiert ein Plus an öffentlichen Einnahmen.

Pakleppa: „Die Bundesregierung kann mit höheren Abschreibungssätzen Arbeitsplätze vor Ort sichern und gleichzeitig die Einnahmensituation der öffentlichen Haushalte verbessern. Darüber hinaus werden die Wohnungsbestände energetisch besser und damit der Klimaschutz vorangetrieben. Unter’m Strich: eine klassische Win-win-Situation.“

Weitere Informationen zum Thema auf handwerk-magazin.de:

Meldung vom 19.03.2010: Baugewerbe warnt vor Wohnraummangel

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