Finanzierung -

Wo Ihr Geld noch sicher ist

Finanzmarktkrise | Trotz milliardenschwerer Rettungspakete ist die Krise an den internationalen Finanzmärkten noch nicht aus-gestanden. handwerk magazin zeigt, was noch sicher ist und wo Sie vorsichtig sein sollten.

Die Lage bleibt kritisch: Milliarden-Euro-Garantien für die Banken sollen die Achterbahnfahrt der Börsen stoppen. Die Notenbanken drehen die Geldhähne auf und versuchen so, den Liquiditätsfluss aufrecht zu halten. Aus fragwürdigen Spekulationsgeschäften mit US-Hypothekenkrediten wurde eine globale Vertrauenskrise, die das Finanzsystem, wie wir es kennen, in Frage stellt.

Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte gibt eine Bundesregierung eine Garantie für alle privaten Ersparnisse auf Spar- und Girokonten ab (siehe Kasten „Einlagensicherung“). Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück wollen mit dieser Bürgschaft Hysterie unter den deutschen Sparern verhindern. Unabhängige Finanzexperten versichern, dass kein Grund zur Panik besteht und keiner sein Konto abräumen muss – sofern das jeweilige Finanzinstitut bei den Einlagensicherungssystemen mitspielt und die gewählte Anlagevariante auf der sicheren Seite steht. Ein Überblick.

Sparkassen und Landesbanken.

Deutschlands Bankensystem basiert auf drei Säulen: Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Sparkassen und Genossen gelten zwar als bieder, in Krisenzeiten aber als sicherer Hafen für Sparer - und klassische Mittelstandsfinanzierer. Sie haben eigene Sicherungssysteme aufgebaut und zahlen nicht in den freiwilligen Einlagensicherungsfonds der Privatbanken. Träger der Sparkassen sind die jeweiligen Kommunen, die Landesbanken gehören den Bundesländern und Sparkassenverbänden. Würde eine regionale Sparkasse in finanzielle Schieflage geraten, würden zuerst die Rettungstöpfe der Sparkassen angezapft, reicht das Geld nicht, sind die Kommunen (als Träger) dran – damit der Steuerzahler – oder das angeschlagene Institut wird von anderen Sparkassen geschluckt. Von den 442 Sparkassen ist bisher noch keine in die Schlagzeilen geraten. Das Problem sind die Landesbanken wie Sachsen LB, West LB oder Bayern LB, die viel Geld an den Finanzmärkten verzockt haben.

Genossenschaftsbanken.

Zu den Genossen gehören die Volks- und Raiffeisen- sowie Sparda- und PSD-Banken mit rund 1200 Filialen bundesweit. Als dritte Säule des deutschen Bankensystems haben sie ein eigenes Sicherungssystem, in das sie einzahlen, um die Einlagen abzusichern. Nach Aussage des Verbandes seien „die Kundengelder in voller Höhe abgesichert“.

Spareinlagen.

Das ist Geld auf dem Girokonto und dem Sparbuch, Tages- sowie Festgeld und Geld, das über traditionelle Banksparpläne angespart wird. Diese Einlagen werden über die Einlagensicherungssysteme und die staatliche Garantie abgesichert. Zertifikate sind dagegen Inhaberschuldverschreibungen der Banken und unterliegen nicht der Einlagensicherung.

Tagesgeld.

Guthaben auf den Tagesgeldkonten deutscher Banken sind über die Einlagensicherungssysteme und Merkels Staatsgarantie für private Spareinlagen abgesichert. Für Tagesgeldkonten sprechen derzeit attraktive Zinsen, gerade für Neukunden, und sofortige Verfügbarkeit – ohne Kündigungsfrist und Strafzinsen bei Abhebung. Vor Vertragsabschluss einer neuen Tagesgeldofferte sollten Sparer das Angebot aber genau prüfen: Laut FMH-Vergleich schwanken die Konditionen bei einer Sparsumme von 5000 Euro zwischen 1,50 und 5,75 Prozent (siehe Tabelle). Aber Vorsicht: Bei der Credit Europe Bank kassieren Neukunden ohne Extra-Auflagen mit 5,75 Prozent den derzeit höchsten Zinssatz – das Geldinstitut ist aber kein Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Die Einlagen sind nur bis zu 20000 Euro pro Sparer abgesichert.

Festgeld.

Je unsicherer die Zeiten an den Aktienmärkten, desto attraktiver wird schwankungssicheres Festgeld. Hier gilt: Je länger der Kunde das Geld anlegt, desto höher sind die Zinsen. In der Regel bieten Banken Festgeldkonten mit einer Laufzeit von drei, sechs und zwölf Monaten an. Aber nur Sparer, die sicher sind, dass sie für den vereinbarten Zeitraum auf ihr Geld verzichten können, sollten sich festlegen – bei vorzeitiger Kündigung wird sonst ein Strafzins fällig. Bei einigen Anbietern haben Kunden vor Laufzeitende gar keine Möglichkeit, früher an ihr Geld zu kommen. Auch hier gilt: Vorsicht bei vermeintlich attraktiven Offerten ausländischer Banken. Zahlen die Institute nicht in den Einlagensicherungsfonds, sind die Einlagen nur bis 20000 Euro pro Sparer abgesichert. Im Fall einer Insolvenz des Geldinstituts könnte jeder Euro darüber weg sein. Aktuelles Beispiel ist die verstaatlichte, isländische Kaupthing-Bank: Die rund 30000 deutschen Sparer mussten erstmal abwarten und kamen nicht mehr an ihr Geld. Die Konten waren gesperrt.

Bundesanleihen.

Der Staat kann nicht Pleite gehen – deshalb stehen Wertpapiere des Bundes wie Bundesschatzbriefe, Finanzierungsschätze oder die neue Tagesanleihe des Bundes bei Anlegern hoch im Kurs. Zwar kassieren Sparer mit festverzinslichen Staatsanleihen eine im Vergleich zu anderen Anlageprodukten niedrige Rendite, auf der anderen Seite garantieren diese Papiere jedoch einen ruhigen Schlaf. Die größten Ratingagenturen Standard & Poor´s und Moody´s bewerten alle von der Bundesrepublik ausgegebenen Anleihen mit der höchsten Bonitätsnote. Die Angst, dass Investoren im Notfall nicht an ihr Erspartes kommen, ist unbegründet. „Bundesanleihen können jederzeit über die Börse ge- oder verkauft werden“, weiß Dennis Nacken, Kapitalmarktexperte von Allianz Global Investors. Bundesschatzbriefe werden zwar nicht an der Börse gehandelt, dennoch können Anleger diese Papiere vor Fälligkeit verkaufen. In diesem Fall kassieren sie das eingesetzte Kapital und die bis dato angesammelten Zinsen. Allerdings können Gläubiger ihren Bestand nicht auf einen Schlag veräußern. Nach einer Haltedauer von einem Jahr können monatlich Papiere in Höhe von 5000 Euro an den Bund zurückgegeben werden, die Mindestanlagesumme beträgt 50 Euro. Bei den vom Bund emittierten Finanzierungsschätzen ist ein vorzeitiger Verkauf nicht möglich. Dafür ist die Laufzeit mit ein oder maximal zwei Jahren überschaubar. Anleger, die hingegen schon bald mit einem Ende der Börsenkrise rechnen und ihr Erspartes lediglich zwischenparken wollen, sollten einen Blick auf die Tagesanleihe des Bundes werfen. Das nicht börsennotierte Papier können Anleger nur bei der Finanzagentur des Bundes ordern. Der Kauf und die Veräußerung von Staatspapieren ist über die Finanzagentur ebenfalls kostenlos möglich (Infos unter: www.deutsche-finanzagentur.de).

Gold.

Wer in Gold investiert, wird weder mit regelmäßigen Zinszahlungen noch mit einem garantierten Wertzuwachs belohnt. Aufgrund seiner natürlichen Knappheit gilt das Edelmetall jedoch als wertstabiles Anlageinstrument, das auch bei den derzeitigen Börsenturbulenzen nichts von seinem Charme verloren hat. Während sich alle weltweit wichtigen Börsenindizes im freien Fall befinden, hat der Gold-Kurs seit Anfang September rund 24 Prozent an Boden gut gemacht. Mitte Oktober kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) des begehrten Edelmetalls 920 Dollar. „In Zeiten, in denen die Papierwährungen unter Druck stehen, tendieren Anleger zu Gold“, so Rohstofflegende Jim Rogers. Experten empfehlen aber, maximal zehn Prozent des Ersparten in Gold anzulegen. Auf kurzfristige Kursgewinne sollten Anleger ebenfalls nicht spekulieren. Sobald sich die Lage an den Finanzmärkten beruhigt, wird auch der Goldkurs etwas nachgeben. Anleger haben nun verschiedene Möglichkeiten, in das begehrte Metall zu investieren. Neben Aktien von Minengesellschaften bieten sich auch breit gestreute Aktienfonds oder börsennotierte Rohstofffonds an. Sparer, die hingegen jedem Risiko aus dem Weg gehen wollen und noch längst kein Ende der Krise sehen, sind mit physischem Gold gut bedient. Die Barren reichen von einem bis 1000 Gramm und können entweder direkt bei einem Goldhändler oder einer Bank erworben werden. Aber Vorsicht: Aufgrund der Lager- und Transportkosten ist die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis vor allem bei kleinen Barren recht hoch.

Lebensversicherungen.

Wichtigste Träger zur privaten Vorsorge (Rente und Hinterbliebenenschutz) sind hierzulande die deutschen Lebensversicherer. Rund 700 Milliarden Euro stecken in Verträgen, für die die Gesellschaften eine Mindestverzinsung von 2,25 bis 4,0 Prozent garantieren. Da die deutschen Lebensversicherer Mindesterträge garantieren, sind sie verpflichtet, das Geld ihrer Kunden konservativ anzulegen. Anders als in den USA und Großbritannien investieren die deutschen Gesellschaften nur etwa zehn Prozent der Kundengelder in Aktien. Dennoch ist bereits heute absehbar, dass viele Lebensversicherer 2009 die Überschussverzinsung senken müssen. Anders sieht es dagegen bei fondsgebundenen Lebensversicherungspolicen aus: Hier trägt allein der Kunde das Risiko des Wertverlustes. Lebensversicherungen sind meistens auch die Grundlage für Riester- und Rürup-Policen. Laufen die Verträge über Fondsgesellschaften, sind die Risiken höher, allerdings müssen hier die eingezahlten Beiträge garantiert werden. Riester-Sparpläne der Banken gelten als sicher.

Aktienfonds.

Im Zuge der Börsenturbulenzen mussten Anleger, die einen Teil ihres Ersparten in Aktienfonds investiert haben, tatenlos zusehen, wie ihre Anlage deutlich an Wert verloren hat. Auch deshalb rät das Gros der Experten dazu, Aktienfonds jetzt nicht mehr zu veräußern, da die Bewertungen sich auf einem sehr niedrigen Niveau befinden. Im Gegenteil: Zwar ist die Unsicherheit an den Märkten weiterhin groß, und weitere Kursdellen sind zumindest auf kurze Sicht nicht auszuschließen. Dennoch können „risikofreudige Anleger mit einem langen Atem durchaus wieder darüber nachdenken, in einen breit gestreuten Aktienfonds zu investieren“, empfiehlt Finanzexperte Nacken. Dabei dürfen Sparer jedoch eine wichtige Börsenregel nicht aus den Augen verlieren: Der Aktienanteil im Depot sollte nicht den Wert 100 minus Lebensalter überschreiten. Sprich: Ein 60-jähriger Anleger sollte maximal 40 Prozent seines Depots mit Aktien bestücken. Die Wahrscheinlichkeit, dass Investoren mit einem Fonds einen Totalverlust erleiden, tendiert gegen null, da Fonds ein Sondervermögen darstellen. Die einzelnen Fonds sind somit strikt vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt. Selbst die Pleite einer Fondsgesellschaft hat keinen direkten Einfluss auf den Wert der Fondsanteile: Das Vermögen der Anleger ist – anders als bei Zertifikaten – geschützt. Um das Kursrisiko jedoch so gering wie möglich zu halten, sollten Investoren in erster Linie Aktienfonds auf ihrem Radar haben, die global anlegen. Grund: Schrumpfen in einer Region die Kurse, fangen in der Regel die Gewinne in den anderen Anlagegebieten die Verluste auf.

Zertifikate.

Sie wurden unter Investoren als Wunderwaffe des neuen Jahrtausends gefeiert. Vor allem die Tatsache, dass Privatanleger mit diesen Papieren in Asset-Klassen investieren können, die zuvor nur institutionellen Anlegern vorenthalten waren – wie Kupfer, Mais oder Orangensaft – kam gut bei Sparern an. Doch kaum ein Bankberater hat die Anleger über die Risiken aufgeklärt. Anders als Fonds sind Zertifikate lediglich Inhaberschuldverschreibungen. Das bedeutet: Bei der Pleite des Emittenten werden Anleger nur aus der Konkursmasse bedient. Vor allem Sparer, die einen Teil ihres Vermögens in Lehman-Brothers-Zertifikate investiert haben, bekommen die negativen Folgen von Inhaberschuldverschreibungen nun mit voller Wucht zu spüren. Nach der Pleite der ehemals viertgrößten US-Investmentbank schätzen Experten der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dass deutsche Anleger einen zweistelligen Millionenbetrag mit Lehman-Papieren verloren haben.

cornelia.hefer@handwerk-magazin.de

Mitarbeit: Franz von den Driesch

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