Konjunktur -

Wirtschaftslage: Gute Konjunkturaussichten im Handwerk

61,8 Prozent der Handwerksbetriebe bezeichnen laut aktueller Umfrag von Creditreform ihre aktuelle Geschäftslage als "sehr gut" oder "gut". Das ist der zweithöchste Wert in den vergangenen zehn Jahren und ein nur leicht geringerer Anteil als vor einem Jahr. Das Handwerk profitiert von der kräftigen Binnenkonjunktur in Deutschland.

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Mehr als 3.000 Handwerksbetriebe hat Creditreform im Februar 2015 zur aktuellen Stimmungs- und Auftragslage befragt und die Zahlen im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse (IHM) vorgestellt. Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich die Stimmung zwar leicht abgeschwächt hat, die Konjunkturaussichten im Handwerk aber weiterhin gut sind.

Und so stellen sich die Ergebnisse im Einzelnen dar:

Umsatzentwicklung erreicht nicht das Rekordniveau von 2014

Die Umsatzentwicklung im Handwerk konnte nicht ganz an das rekordähnliche Niveau des Vorjahres anknüpfen. Gleichwohl verzeichneten noch 29,4 Prozent der Betriebe ein Umsatzplus, nachdem es im Vorjahr 33,8 Prozent waren.

Vor allem im Bauhauptgewerbe und im Nahrungsmittelhandwerk verringerte sich die Zahl der Positivmeldungen. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der Betriebe, die von Umsatzrückgängen berichteten, von 11,3 auf 16,1 Prozent. Im Kfz-Gewerbe hatte jeder fünfte Befragte Rückgänge zu verzeichnen. Insgesamt ist die Umsatzlage im Handwerk, insbesondere im Vergleich mit den Vorjahren, aber weiterhin gut.

Personalaufbau etwas schleppender

Auch wenn die Umsätze zuletzt weniger stark gestiegen sind als im Vorjahreszeitraum, die Handwerksbetriebe haben ihr Personal weiter aufgestockt. Allerdings verringerte sich die Zahl der Betriebe, die eine größere Belegschaft meldeten, von 29,2 auf 23,1 Prozent. Und die Personalplanungen bleiben expansiv: 20,6 Prozent der befragten Betriebe wollen die Zahl der Mitarbeiter aufstocken.

Knapp jeder siebte Betrieb (14,0 Prozent) musste Personal abbauen (Vorjahr: 11,5 Prozent). Immerhin sind in den meisten Betrieben Vollzeitstellen entstanden. Mit 85,9 Prozent lag dieser Anteil höher als vor einem Jahr (73,5 Prozent).

Deutlichere Einschnitte beim Personal verzeichneten das Nahrungsmittelhandwerk sowie das Kfz- Gewerbe, wo 17,8 bzw. 16,6 Prozent der Betriebe ihre Belegschaft verkleinert haben. Das Ausbauhandwerk verzeichnet diesmal den größten Anteil an aufstockenden Betrieben: 26,0 Prozent der Befragten in diesem Handwerksbereich haben die Mitarbeiterzahl erhöht. Allerdings war das ein geringerer Anteil als vor einem Jahr (29,8 Prozent).

Für das laufende Jahr haben 6,7 Prozent der Betriebe einen Stellenabbau angekündigt (Vorjahr: 4,2 Prozent). Etwas günstiger als im Vorjahr sind die Personalplanungen im Kfz-Gewerbe sowie bei jungen Handwerksunternehmen.

Umsatzerwartungen bleiben freundlich

Knapp jeder dritte Befragte (31,8 Prozent) rechnet für das kommende halbe Jahr mit einem Umsatzplus. Damit beurteilen die Handwerksbetriebe die Umsatzentwicklung etwas zurückhaltender als noch vor einem Jahr, wo 36,8 Prozent der Betriebe optimistische Umsatzerwartungen geäußert hatten.

Deutlicher eingetrübt haben sich derweil die Umsatzerwartungen im Metallhandwerk sowie im Handwerk für personenbezogene Dienstleistungen.

Investitionsbereitschaft geht etwas zurück

52,6 Prozent und damit gut die Hälfte der Befragten hat ein Investitionsvorhaben angekündigt. Womit die Investitionsbereitschaft im Vergleich zum Vorjahr um knapp vier Prozent zurückgegangen ist. Deutlich verringert hat sich diese insbesondere im Metallhandwerk.

Insgesamt stehen im Handwerk stärker als im Vorjahr Ersatzinvestitionen auf der Tagesordnung. 63,6 Prozent der Betriebe wollen ihre Investitionen wenigstens zum Teil mit Fremdkapital finanzieren. Das ist ein höherer Anteil als im Vorjahr (57,5 Prozent) und wohl auch auf die aktuell günstigen Finanzierungsbedingungen zurückzuführen.

Eigenkapitalsituation und Liquidität verbessert - Insolvenzen gehen zurück

Die erste gute Nachricht beim Thema Finanzen: Ein Großteil der Handwerksbetriebe hat wenig Probleme mit der Zahlungsmoral der Kunden. Die schlechte Nachricht: Trotzdem gaben 13,2 Prozent der Befragten an, dass sie Forderungsausfälle von mehr als 1,0 Prozent des Jahresumsatzes zu verkraften hatten. Das waren lediglich 0,7 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Höher als zuletzt war aber der Anteil der Verlustmeldungen im Bauhauptgewerbe.

Die zweite gute Nachricht: Die Eigenkapitalsituation im Handwerk bessert sich weiter. Der Anteil der schwach mit Eigenkapital ausgestatteten Betriebe (Eigenkapitalquote unter zehn Prozent) verringerte sich von 34,6 Prozent im Vorjahr auf aktuell 33,2 Prozent. Gegen den Trend verlief allerdings die Entwicklung im Baugewerbe, wo die Zahl der eigenkapitalschwachen Betriebe stieg. Wie im Vorjahr verzeichnete ein Fünftel der Handwerksbetriebe (19,2 Prozent; Vorjahr: 20,6 Prozent) eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent.

Die dritte und wohl beste gute Nachricht zum Thema Geld: Die Zahl der Insolvenzen im Handwerk verringerte sich im Jahr 2014 um 9,7 Prozent auf 4.930 Unternehmen (2013: 5.460).

Herausforderungen: Mindestlohn und Fachkräftesicherung

Wie sollte es anders sein, ist natürlich auch bei der Umfrage von Creditreform der Mindestlohn - respektive die dazugehörigen Dokumentationspflichten - eines der Aufregerthemen. Allerdings ist die Mehrzahl der Handwerksbetriebe in Deutschland (92,3 Prozent) nicht direkt betroffen. In der Regel werden bereits Löhne über diesem Niveau gezahlt. Allerdings gibt es in einigen Bereichen und auch regional wie in Ostdeutschland eine größere Betroffenheit. Ein breiter Beschäftigungsabbau im Handwerk infolge des Mindestlohns droht folglich nicht. Dort, wo das Lohnniveau bisher unter 8,50 Euro lag, werden aber auch Stellen abgebaut werden.

Zu einem drängenderen Problem im Handwerk entwickelt sich der Fachkräftemangel. Für knapp die Hälfte der Befragten (47,3 Prozent) stellt er bereits heute ein Problem dar. Ein weiteres Drittel der Betriebe (32,3 Prozent) rechnet künftig mit Schwierigkeiten bei der Besetzung von Fachkräftestellen. Die zurückgehende Zahl der Bewerber und zunehmende Defizite bei den Schulabgängern belasten die Ausbildungsbereitschaft.

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