BIM – Building Information Modeling -

Kongress "Building Information Modeling 2019" BIM: "Wir werden nicht gefragt, ob wir Lust auf Wandel haben"

Am 25. Juni 2019 findet der 4. Münchner BIM-Kongress statt. Wir sprachen mit Dr. Michael Küpper, dem Veranstalter des Kongresses. Er sagt: Deutsche Planer und Architekten müssen sich beeilen, um den Trend zu "Building Information Modeling" nicht zu verschlafen.

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Herr Dr. Küpper, Sie richten in diesem Jahr zum vierten Mal den BIM-Kongress aus. Welche Entwicklung hat "Building Information Modeling" in der Zeit durchgemacht?

Relativ gesehen hat sich viel getan – bei der Richtlinienarbeit und in der Praxis. BIM-Projekte werden mittlerweile auch öffentlich ausgeschrieben. Insofern lässt sich feststellen, dass es vorwärts geht. Absolut gesehen könnten wir, gemessen an den Möglichkeiten, aber weiter sein. Aber das könnte man immer, wenn es um Innovation geht.

Im Jahr 2015 bescheinigten Sie deutschen Planern und Architekten laut „Immobilien Zeitung“ noch, den Trend zu BIM zu verschlafen. Wie schätzen Sie die Situation heute ein?

Leider noch genauso. Lediglich einige Entscheider in der Immobilien- und Bauwirtschaft haben inzwischen gemerkt, dass sie hinten dran sind. Doch meist lese ich in diversen Veröffentlichungen das Gejammer über fehlende Breitbandtechnologie, fehlende Standards und so weiter. Stets sind die Anderen schuld. Dabei sind die Probleme hausgemacht. Ich sage aber auch ganz klar: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Das stellen wir heute schon fest, weil Mitbewerber, die nicht die erforderliche Kompetenz in BIM mitbringen, einfach den Auftrag nicht bekommen.

Was sind die Gründe dafür, dass BIM sich nicht so schnell durchsetzen konnte, wie Sie es sich gewünscht hätten? Besteht eine Hemmschwelle, sich mit der neuen Anwendung auseinanderzusetzen?

BIM ist komplex. Kompliziert wird es dann, wenn es an die konkrete Umsetzung geht. Da braucht man dann die Ressourcen, die Kompetenz und den Willen. Vielen Marktteilnehmern fehlt der Wille, sich hier durchzubeißen, Fehler zu machen und Dinge auf dem jeweiligen Bürostandard auszuprobieren.

Ihre Firma, die KüpperPartner AG, bietet unter anderem BIM-Management an und hat ihren Hauptsitz in Zürich. Sind die Verbreitung und die Akzeptanz von BIM in der Schweiz anders fortgeschritten als in Deutschland?

Im Schweizer Markt sind weitaus weniger Akteure von der digitalen Revolution beim Planen und Bauen betroffen. Daher können die Schweizer Kollegen zielgerichteter Vorgehen als bei uns. Was die Akzeptanz der Methode angeht, würde ich sagen, ist man in der Schweiz weiter. Deshalb gibt es KüpperPartner auch als Schweizer AG.

Warum hat BIM für Sie einen solch hohen Stellenwert? Sind wir nicht auch mit bisherigen Methoden gut gefahren?

BIM ist für uns Baufachleute das greifbare Paradigma der Digitalisierung. Wir werden nicht gefragt, ob wir Lust auf den digitalen Wandel haben; das ist so und wird sich weiterentwickeln. Natürlich sind wir die letzten 5.000 Jahre auch gut damit gefahren, indem wir fehlerhafte 2-dimensionale Informationen auf Papyrus gekritzelt und diese dem Empfänger überbracht haben. Das ist aber nicht der Geist der Digitalisierung. Digitalisierung will konsistente, nicht abreißende Datenströme und die belastbare Information zum richtigen Zeitpunkt.

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  • Dr. Michael Küpper ist Veranstalter des 4. Münchner BIM-Kongress und Vorstand der KüpperPartner AG, Bauherrenvertretung | BIM Management, Zürich, Schweiz, https://kuepperpartner.de
  • 4. Münchner BIM-Kongress - Das jährliche Forum für Planer, Bauherren und Bauunternehmer. 25. Juni 2019, Oskar-von-Miller Forum, München, https://bimkongressmuc.de

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