IT -

Betriebssystem Windows 7: Den Umstieg jetzt vorbereiten

Für Januar 2020 plant Microsoft das letzte offizielle Update von Windows 7. Da ein Systemwechsel in der Regel ­wegen der vielen Schnittstellen zu anderen Programmen einigen Aufwand verursacht, sollten sich Windows-7-Nutzer schon 2019 mit der Umstellung befassen.

Themenseiten: TS Büroorganisation, TS CRM und TS IT-Trends

Tradition trifft Moderne – Marlon Gnauck ist stolz darauf, dass er in seiner Backstube arbeitet wie „anno dazumal“. Hier wird in Handarbeit und mit betagten Maschinen geknetet, gerührt und gewalkt, „alles ohne Zusatzstoffe und Convenience-Produkte“, so der Unternehmer. Im Gegensatz dazu ist der Verkaufsraum des Handwerksbäckers topmodern. In der PC-Kasse sind alle Waren ausführlich gespeichert, die Mitarbeiterinnen können per Touch sämtliche Details wie Mehlmischung oder Zubereitung lesen und den Kunden kompetent Auskunft geben. Selbst mit der NFC-Funktion des Smartphones lassen sich hier köstliche Stollen und knusprige Brötchen bargeldlos bezahlen. „Wir verstehen uns als Traditionsbäckerei mit den Möglichkeiten von heute“, sagt der Bäcker aus dem sächsischen Ottendorf-Okrilla, der deshalb auch bereits auf Windows 10 umgestellt hat.

Windows 7: Wechsel trotz hoher Stabilität sinnvoll

Im Januar 2020 ist Schluss, dann wird es für Microsofts Betriebssystem Windows 7 keine Sicherheits-Updates, Aktualisierungen und keinen technischen Support mehr geben. Das heißt, auch neu bekannt gewordene Sicherheitslücken werden nicht mehr gestopft. Dieses, wie es in der IT-Fachsprache heißt, „Lebenszyklus-Ende“ der Software ist für viele Anwender relevant. Denn nach aktuellen Zahlen der US-Marktforscher Statcounter ist das betagte Windows 7 auf noch mehr als einem Drittel der weltweit vorhandenen Windows-PCs installiert. Vor allem Unternehmen schätzen die bekanntermaßen erfreuliche Stabilität dieses Betriebssystems und sehen überhaupt keinen Grund, auf die allerneuste Variante zu wechseln – was aber ein Trugschluss sein kann, wie Fachleute erklären.

Vorsicht Vernetzung: Einfallstor für Cyberkriminelle

Denn auch in Handwerksunternehmen sind immer mehr Geräte vernetzt. Vom Kassensystem über die Warenwirtschaft bis hin zur Maschine, die im Internet der Dinge ihren Wartungsbedarf ankündigt. „Dies sind alles potenzielle Einfallstore für Cyberkriminelle. Von daher setzt sich der Windows-7-Anwender, der eine solche Vernetzung nutzen will, ab dem kommenden Jahr schon einem Risiko aus“, sagt Axel Opperman, Chef des Analystenhauses Avispador aus Kassel.

Weiterer Punkt: die Digitalisierung als solche. Bäcker Gnauck beispielsweise nutzt moderne Branchensoftware, die auf Windows 10 aufsetzt. „In der alten Kassensoftware waren nur Artikelnamen mit maximal 20 Zeichen möglich, das ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, so der Unternehmer aus dem Landkreis Bautzen. Auch die Rezeptsteuerung, das Bestellwesen und die Informationen zur Deklarationspflicht verwaltet Firmenchef Gnauck digital. Darüber hinaus waren es die neuen Funktionen von Windows 10, die ihn zu einem frühzeitigen Umstieg ermutigt haben. So sind in der Bäckerei Gnauck zwei PCs, zwei Laptops und der Kassen-PC im Umlauf. Im Aufenthaltsraum aber dürfen die Mitarbeiter durchaus auch auf den Laptop des Chefs zurückgreifen, auf dem sensible Daten gespeichert sind, „die neue Benutzerkontensteuerung von Windows 10 macht´s möglich“, sagt Marlon Gnauck. Diese sorgt dafür, dass beispielsweise nur der Unternehmer Administrationsrechte bekommt, also nur er bestimmte Änderungen vornehmen oder Software installieren darf. Auch lässt sich darin flugs einstellen, dass die sogenannten Standard-User nicht sämtliche Bereiche, Inhalte oder Dokumente zu sehen bekommen. In der Praxis loggen sich die Mitarbeiter in den Firmen-Laptop ein, können surfen oder auch einmal online shoppen, und erst der Login des Chefs macht aus dem Freizeit-Rechner wieder einen vollwertigen Geschäfts-Laptop.

Wichtig: Kompatibilität mit Branchensoftware prüfen

Der Umstieg auf das neue Betriebssystem kann also sinnvoll sein – ist aber keine Pflichtübung, darauf weist Wolfgang Schwab, Analyst beim IT-Beratungsunternehmen PAC hin. Ist der Betrieb nicht großartig vernetzt, sind nur wenige PCs im Einsatz oder gibt es wenig Online-Engagement, können sich Chefs laut Schwab ruhig noch Zeit lassen. Und: „Mitunter ist es so, dass ältere Branchensoftware nicht mehr mit Windows 10 funktioniert, das sollten Chefs vor einem Umstieg unbedingt prüfen oder von ihrem Softwarelieferanten checken lassen“, so Schwab.

Im Umkehrschluss bedeutet der Wechsel zu Windows 10 außerdem, dass das D igitalisierungstempo im Handwerksbetrieb zwangsläufig zunimmt, und das hat mit der Produktstrategie des Software-Giganten aus Redmond im Bundesstaat Washington zu tun. Hintergrund: Der Konzern mit 110 Milliarden Dollar Jahresumsatz möchte über kurz oder lang sämtliche Kunden-Lizenzen in Abos umwandeln. Für die bezahlen die Anwender dann im ersten Schritt deutlich weniger als für die gekaufte Lizenz, müssen dann aber eine regelmäßige Miete zahlen.

Angesichts von durchschnittlichen Einsatzzeiten eines Betriebssystems von rund fünf bis sieben Jahren in einem Kleinbetrieb kann dies ein teures Vergnügen werden. Nichtsdestotrotz erhöht Microsoft den Migrationsdruck, so lässt sich etwa die neue Bürosoftware Office 2019 nur noch mit Windows-10-Rechnern nutzen. Und: Schon Windows 10 wird fortlaufend aktualisiert und mit neuen Funktionen versehen, sodass auch hier die Gefahr bestehen kann, dass Anwender älterer Branchenlösungen von jetzt auf gleich auf der Strecke bleiben.

Das Komplettabo als Alternative

Wer jedoch wie Bäckermeister Gnauck sein Geschäft bewusst in digitalen Bahnen lenken möchte, der sollte nicht nur angesichts der immer präsenter werdenden Cyber-Bedrohungen in einem Jahr spätestens tatsächlich umsteigen – oder vielleicht direkt den ganz modernen Weg des Komplettabonnements gehen. So bietet Microsoft seit Neuesten auch sein cloudbasiertes „Microsoft 365“ an.

Eine Rundumlösung mit dem stets neuesten Windows, Online-Speicher, einem Officepaket und Schutz vor Cyber-Bedrohungen. Darüber hinaus wird es laufend ergänzt, etwa mit Kundenmanagement-Software oder einer Buchhaltung. Für zehn Euro Monatsmiete pro Arbeitsplatz ein bezahlbares Projekt, das den Handwerker jedoch noch enger an den Quasi-Monopolisten Microsoft bindet. Der Umstieg auf Windows 10 ist in letzter Konsequenz also eine Reise oder Wiederkehr.

Ein Drittel nutzt heute noch Windows 7

Obwohl Windows 10 schon einige Jahre am Markt ist, setzt ein gutes Drittel der Anwender weiterhin auf Windows 7. Das liegt vor allem an der Stabilität dieser Version, die Firmen besonders schätzen.

Betriebssystem Nutzer in Prozent
Windows 10 52,36
Windows 7 35,63
Windows 8 6,95
sonstige Versionen 5,06

Quelle: US-Marktforscher Statcounter

So sparen Sie beim Umstieg auf Windows 10

Wer das neue Betriebssystem für die Firmen-IT braucht, sollte nicht gleich beim ersten Schnäppchenangebot zuschlagen. Denn solche Versionen sind oft nur eingeschränkt nutzbar, was zu Schnittstellenproblemen führen kann.

  1. Zweitmarkt nutzen
    Als Download von Microsoft kostet Windows 10 in der Vollversion 259 Euro (Pro mit erweitertem Funktionsempfang) beziehungsweise 145 Euro (Windows 10 Home). Indes gibt es einen großen Zweitmarkt für das Produkt, hier verkaufen Händler die Software beziehungsweise einen Lizenzschlüssel für rund 20 Euro. Aber Vorsicht: Teilweise stammen diese Schlüssel aus Volumenverträgen oder sind an bestimmte Hardware (OEM-Version) gekoppelt. Hier kann es dann bei der vorgeschriebenen Online-Aktivierung von Windows zu Problemen kommen, sodass die Software letztlich nicht mehr funktioniert. Deshalb: Entweder seriöse Online-Händler wie etwa otto.de ansteuern und auf Nummer sicher gehen, auch wenn der Rabatt nicht ganz so großzügig ausfällt. Oder bei auf ebay und amazon vertretenen Online-Webshops unbedingt auf Rezensionen und Bewertungen anderer Käufer achten!
  2. Hardwarekauf erwägen
    Ist der Büro-PC betagt oder der Laptop schon mehr als drei, vier Jahre alt, sollten Chefs gleich an einen Hardware-Neukauf denken. Denn hier ist Windows 10 optional bereits vorinstalliert oder lässt sich für einen günstigen Preis zusätzlich erwerben. Wichtig: Soll der Rechner dann als Netzwerkrechner fungieren, unbedingt die Pro-Variante des Betriebssystems kaufen.
  3. Microsoft 365 prüfen
    Wer sich für die technologisch topaktuelle Abovariante von Microsoft entscheidet, muss auch diese nicht unbedingt direkt bei Microsoft mieten. Immer wieder bieten IT-Größen wie etwa die Deutsche Telekom Sondereditionen an. So sind auch auf diesem Wege Rabatte möglich oder Chefs bekommen besondere Support-Dienste, die ansonsten kostenpflichtig wären.
© handwerk-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen